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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 16:37 Uhr

Erste Bilanz : Guter Start in der Bahnhofsmission

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ob einfacher Tipp oder echte Hilfe: Einrichtung am Itzehoer Bahnhof verzeichnet durchschnittlich rund 500 Kontakte im Monat.

von
erstellt am 25.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Es ist das erste Weihnachtsfest für die Bahnhofsmission – kein Wunder, denn sie ist die jüngste Deutschlands. Seit Mai ist die Einrichtung von Steinburg sozial im Bahnhofsgebäude präsent, im Juli wurde sie offiziell eröffnet. Mit der bisherigen Aufbauarbeit ist Leiterin Christina Schlüter (34) zufrieden: Durchschnittlich gebe es rund 500 Kontakte im Monat.

Der erste Schwerpunkt war, Mitarbeiter zu finden: „Davon lebt ja die Bahnhofsmission.“ Schnell kam eine „tolle Truppe“ zusammen: Als Hauptamtler sind Christina Schlüter und Jürgen Kurth dabei, ehrenamtlich arbeiten elf Frauen und Männer im Alter von 22 bis 68 Jahren mit. Sie deckten eine breite Spanne ab, sagt die Leiterin: Vom „klassischen Rentner“ über Berufstätige, aber auch Jobcenter-Kunden, die eine sinnvolle Aufgabe suchten, bis zur Jüngsten, die Zeit bis zur Ausbildung überbrücke. „Natürlich freuen wir uns weiter über neue Mitarbeiter“, sagt Christina Schlüter. Nach der Einarbeitung besetzen sie selbständig und eigenverantwortlich im Zwei-Schicht-Betrieb die Bahnhofsmission, die montags bis freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet hat. Jeweils zwei Ehrenamtler hätten zusammen Dienst, das gebe mehr Sicherheit.

Der Bahnsteig ist ein wichtiger Einsatzort – das galt besonders am Anfang, um die Einrichtung bekannt zu machen. Die zunächst hohe Barriere sei gesenkt worden, auch durch den Aufmerksamkeit erregenden Aufsteller vor der Tür, sagt Christina Schlüter. „Mehr und mehr haben die Leute gelernt, uns in den Räumen aufzusuchen.“ Dabei kann es um schlichte Auskünfte oder echte Probleme gehen. Eine Ausnahmesituation seien die Orkane gewesen, die den Zugverkehr lahm legten: „Wir haben gemerkt, dass es gut ist, wenn wir da sind, auch wenn wir nicht unbedingt mehr wissen.“ Beförderung oder Übernachtungen wurden organisiert, Kinder unterhalten, Informationen über vorfahrende Busse verbreitet – und manchmal wurde auch Frust abgefedert. Das hielten die Mitarbeiter aus, betonten aber auch, dass sie nicht die Bahn seien, sagt Christina Schlüter.

Klassische Reisehilfen würden meist über die Bahn vermittelt, ob nun für weniger mobile Menschen oder für Kinder. Nutzen könne sie jeder: „Es soll jeder Fahrgast selbst entscheiden, ob er Hilfe braucht oder nicht.“ Gern wird sie zum Beispiel von Frauen in Anspruch genommen, die auf dem Weg zur Mutter-Kind-Kur nach Friedrichskoog sind: „Wenn man mit mehreren Kindern im Gepäck reist, ist man auch froh, wenn einen jemand in Empfang nimmt“, sagt die 34-Jährige. Die Bahnhofsmission begleitete auch eine ältere Frau vom Zug zum Arzt und wieder zurück. Oder sie verschaffte einem Litauer ohne Deutschkenntnisse über seine Mutter in Litauen Kontakt zu Bekannten in Hamburg. Arbeit in der Bahnhofsmission sei wie ein Abenteuer, so die Leiterin. „Wir wissen nicht, was kommt.“

Integriert ist auch eine Beratungsstelle. „Das ergänzt sich sehr gut, weil die Bahnhofsmission etwas sehr Niedrigschwelliges ist“, sagt Christina Schlüter. „Man kann kommen, ohne ein besonderes Anliegen zu haben.“ Es gebe Stammkunden, die zum Aufwärmen und für eine Tasse Kaffee vorbeischauten. Oder Wohnungslose, die aus der Stadt oder auch direkt vom Zug kämen. Die Praxis zeige, dass die Grenzen sehr fließend seien: Wenn jemand schon einmal da sei, werde manchmal der Hilfebedarf bemerkt. Das Gleiche passiert bei der Schuldnerberatung von Steinburg sozial, so dass die Zusammenarbeit mit der Mission eng ist. Unterstützt wird bei vielen Problemen: „Wir versuchen, ein breites Netzwerk aufzubauen“, sagt Christina Schlüter. Sowohl von den Kunden als auch den Partnern wie zum Beispiel Behörden gebe es nur positive Rückmeldungen: „Wir werden sehr gut wahrgenommen.“

Ein Festtagsprogramm gibt es nicht, die Bahnhofsmission schließt heute und an Silvester mittags. Die Beratenen würden gefragt, was sie an den Festtagen vorhätten, die Hilfsmöglichkeiten aber seien begrenzt. Da tröstet eine Erfahrung der Sozialpädagogin: „Es ist erstaunlich, dass Menschen, die einsam und isoliert sind, doch jemanden finden.“

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