Katastrophenschutz : „Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen ?“

Mit voraussichtlich  rund 4,7 Millionen Euro liegen die Baukosten für das neue Katastrophenschutzzentrum sogar unter dem Plan.
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Mit voraussichtlich rund 4,7 Millionen Euro liegen die Baukosten für das neue Katastrophenschutzzentrum sogar unter dem Plan.

Neues Zuhause für den Steinburger Katastrophenschutz: Landrat Torsten Wendt betont den verantwortungsvollen Umgang des Kreises mit öffentlichen Geldern.

shz.de von
30. Juni 2014, 05:31 Uhr

Für den Katastrophenschutz ist der Kreis Steinburg jetzt besser gerüstet als jemals zuvor: Am Wochenende wurde das neue Katastrophenschutzzentrum gleich neben der Kreisfeuerwehrzentrale offiziell seiner Bestimmung übergeben. Rund 180 Helfer vom Feuerwehr-Löschzug Gefahrgut, von der DRK-Bereitschaft und von der Johanniter Unfallhilfe machten hervorragende Werbung in eigener Sache und präsentierten sich und ihren aus 35 Fahrzeugen bestehenden Fuhrpark sowie tonnenweise Gerätschaften und Material stolz einer breiten Öffentlichkeit.

An dem gelungenen Tag der offenen Tür beteiligten sich auch das Technische Hilfswerk und der Wasserretter von der DLRG, die allerdings weiterhin in der Itzehoer Gudewillkaserne angesiedelt bleiben. Präsenz zeigte auch die für den Katastrophenschutz unentbehrliche Bundeswehr, die mit ihrem aus hiesigen Reservisten bestehenden Verbindungskommando vertreten waren.

Innenminister Andreas Breitner schwärmte bei der offiziellen Übergabe von einem der modernsten Katstrophenschutzzentren im Norden. „Das hier motiviert auch die vielen ehrenamtlichen Helfer“, sagte er weiter.

Kreispräsident Peter Labendowicz hatte zum Auftakt betont, dass der Katastrophenschutz „keine Freizeiteinrichtung für technikbegeisterte Menschen ist, sondern eine notwendige Infrastruktur zum Schutz der Bevölkerung“. Er sprach von einer „Investition für alle Steinburger“ und von einem „Leuchtturmprojekt“.

Landrat Torsten Wendt hatte bewusst auf Schlips und Kragen verzichtet und ging in seiner DRK-Einsatz-Uniform aus Studententagen ans Rednerpult. Seine ersten Worte: „Guten Tag. Ich bin Torsten Wendt. Wie kann ich Ihnen helfen?“ So gingen die Helfer im Ernstfall an die Arbeit. „Den vernünftigen Umgang mit Menschen kann man an der Uni nicht lernen“, sagte Wendt. Und genau diese Sozialkompetenz zeichne die vielen ehrenamtlichen Helfer aus.

Mit einem heftigen Seitenhieb auf die Bürgerinitiative zum Erhalt der Kreishaus-Fassade rechnete er vor: „Dieses Haus hat für jeden der 180 hier untergebrachten Helfer 26 111 Euro gekostet. Das seid Ihr dem Kreis auch wert.“ Für Torsten Wendt ist das neue Katastrophenschutzzentrum der beste Beleg dafür, dass der Kreis sparsam und verantwortungsvoll mit öffentlichen Geldern umgehe. In einer sehr emotional gehalten Reaktion auf jüngste Kritik der Fassaden-Initiative wies Wendt unter dem Applaus der Helfer und der zahlreichen Ehrengäste Vorwürfe zurück, der Kreis plane Prestigebauten oder nehme durch eine „Stör-Philharmonie“ sogar Kostenexplosionen bewusst in Kauf. Der Kreishaus-Neubau werde für jeden Steinburger mit nur 115 Euro zu Buche schlagen, rechnete Wendt weiter vor und wies dabei „irreführende Behauptungen “ der Initiative zurück.

Letztlich werde der eigentliche Wert von Gebäuden ohnehin in den Menschen gemessen, die darin arbeiteten. „Und Katastrophenschützer sind besonders genügsame Menschen“, erinnerte er an die jahrzehntelangen Provisorien. Ausdrücklich dankte Wendt dabei auch dem durch die Kreistagsabgeordneten vertretenen Ehrenamt.

„Ich bin stolz als Münsterdorfer und als Steinburger“, eröffnete Bürgermeister Jörg Unganz die kurze Reihe der Grußredner. Nach einer Umgemeindung steht das 3000 Quadratmeter große Gebäudekomplex jetzt auf Münsterdorfer Gebiet. THW-Landesbeauftragter Dirk Hansen schwärmte von einem „tollen Schmelztiegel der Gemeinschaft“.

Der Chef der Steinburger DRK-Bereitschaft, Thomas Lübke, sprach von einem „eindeutigen Bekenntnis des Kreises Steinburg zum Katastrophenschutz“. Dass dieser kein Selbstzweck ist, machte er am Beispiel des Unglücks in der Itzehoer Schützenstraße deutlich. Auch Lübke erinnerte daran, dass die Fachdienste und Helfer bis dahin über den halben Kreis verstreut gewesen seien. „In Garagen, Lagergebäuden und ehemaligen Tennishallen“, so Lübke. Er lobte insbesondere, dass alle Einheiten in die Planung eng mit einbezogen worden seien.

Den symbolischen Schlüssel nahmen dann Thomas Lübke und Ulla Hahnkamm (DRK), Ulrike Bessel (Johanniter Unfallhilfe) und Kreisbrandmeister Frank Raether dankend entgegen. Sie revanchierten sich bei den Vertretern aller Kreistagsfraktionen mit einer Kaffeetasse und einem Regenschirm. „Damit können wir ja auch Geld einfangen“, wusste Dr. Reinhold Wenzlaff (CDU) auch noch spontan einen weiteren Verwendungszweck.

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