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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 15:04 Uhr

Interview : „Gute Stimmung retten“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen und Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula blicken zurück auf das Jubiläumsjahr – und voraus.

von
erstellt am 30.Dez.2013 | 12:00 Uhr

775 Jahre nach Verleihung der Stadtrechte an Itzehoe – das Jubiläumsjahr geht zu Ende nach vielen Veranstaltungen von Festumzug und Festakt über erweiterte Itzehoer Woche und Gastspiel der NDR-Sommertour bis zur KrimiNordica. Was hat es gebracht und wie geht es weiter? Darüber sprachen wir mit Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula und Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen.

Das Jubiläumsjahr sollte viel bewirken, unter anderem die Stadt nach außen gut präsentieren und die Stimmung in der Stadt selbst verbessern. Ist das gelungen?
Koeppen: Das ist in jeder Hinsicht gelungen. Ich habe ja, als ich hier kandidiert habe, gesagt, dass wir im Bereich der Events viel mehr brauchen, weil das eine Riesenchance ist, die Stadt positiv darzustellen, die Menschen der Stadt und der Region wieder aufmerksam zu machen und ihre Herzen zurückzugewinnen für unsere Stadt. Das ist sehr gut gelungen im Jahr 2013, und auch durch die überregionale Berichterstattung im Fernsehen und Radio, vor allem im NDR, können wir uns gut positionieren. Wir haben aus meiner Sicht alles richtig gemacht.
Keune: Dass es gut gewesen sein muss, merken wir daran, dass die Meckerer relativ ruhig sind. Für uns war es ein totaler Kraftakt – wir hatten nur relativ wenig Zeit und haben dann geballt weit mehr als 70 Veranstaltungen gemacht. Dafür ist es ausgezeichnet gelaufen. Das ist nicht nur unser Verdienst, der liebe Gott hat auch mitgespielt: Wir hatten bei allen Outdoor-Events gutes Wetter, das muss uns auch erst einmal einer nachmachen.

Was macht die Stadt, was machen Sie jetzt daraus? Wie hält man das Erreichte aufrecht?
Koeppen: Mein Wunsch wäre, dass wir auf diesem hohen Niveau weitermachen. Ich weiß aber auch, dass der Wunsch nicht realistisch umsetzbar ist, weil das Ganze auch ein bisschen Geld kostet. Wir müssen sparsam mit dem Geld umgehen, aber wir müssen im Jahr 2014 anbieten, was die Stadt sonst auch anbietet, gerade auch im Event-Bereich, das ist wichtig. Wir müssen 2014 aber auch nutzen, um für das Jahr 2015 zu planen, um in einen gemeinsamen Prozess einzusteigen, was wir von dem, was wir in 2013 gemacht haben, fortführen können, was wir neu entwickeln für die Stadt. Dazu gehört, auch die Politik davon zu überzeugen, dass vielleicht das eine oder andere ein bisschen extra Geld kosten wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Leute darauf warten, dass wieder etwas passiert und dass sie richtig Lust dazu haben. Diese positive Stimmung aufrecht zu erhalten, wird nicht leicht sein, aber ich glaube, es ist möglich, es ist machbar, wie wir gesehen haben.

Gibt es für 2014 besondere Vorhaben über die aus den Vorjahren bekannten Events hinaus?
Keune: Grundsätzlich muss man sagen, dass das Stadtmanagement bisher weitgehend Feuer ausgetreten hat. Wir haben ganz viel machen müssen, und wir haben – das sagen die Kritiker zu Recht – zu wenig konzeptionell gearbeitet. Ich würde das Jahr 2014 gern dazu nutzen, das Grundrauschen zu erhalten mit einer guten Itzehoer Woche, Weihnachtsmarkt, aufgehübschten verkaufsoffenen Sonntagen, ansonsten aber wirklich konzeptionell zu arbeiten. Itzehoe braucht immer noch Image-Unterstützung, und uns ist durch das Jubiläum und insbesondere durch die KrimiNordica gelungen, dass wir landesweit wahrgenommen werden. Diese landesweite Wahrnehmung muss jetzt auch unterfüttert werden, da müssen wir weitermachen. Itzehoe muss ein Gesicht und ein Profil kriegen, daran müssen wir arbeiten. Eine Besonderheit gibt es für 2014: RSH hat angeboten, mit dem Kindertag nach Itzehoe zu kommen. Aber das ist auch ungeheuer kostenintensiv, das Geld steht einfach nicht zur Verfügung. Zum anderen müssen wir in der Tat für 2015 vorplanen.

Dabei geht es zum einen um die zweite Auflage der KrimiNordica. Was noch?
Koeppen: 777 Jahre Stadtrechte würde sich anbieten. Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um das Verhältnis zu unseren Partnerstädten wieder aufzufrischen. Das hat auch dazu beigetragen, dass wir ein Stück weit eine internationale Atmosphäre herstellen konnten. Das darf man nicht vergessen, es wäre ungerecht denen gegenüber, die sich da sehr viel Mühe gemacht haben. Ich glaube, es hat die Menschen am meisten begeistert, unter freiem Himmel etwas Tolles miteinander zu erleben. Natürlich waren die Events alle unentgeltlich, so dass bei entgeltlichen Veranstaltungen immer noch die Frage wäre, ob jemand kommt. Wissen wir nicht, ist risikobehaftet. Aber wenn es uns gelänge, etwas – was auch immer – unter freiem Himmel wieder miteinander zu gestalten, fände ich das gut. Denn was ich erlebt habe, war, dass die Menschen gesagt haben: Es geht doch in Itzehoe. Wir können ja doch miteinander fröhlich sein. So etwas müssen wir uns im Jahr 2014 rechtzeitig überlegen, damit an die Politik herantreten und sagen: Es kostet vielleicht ein bisschen mehr, aber dann hat es auch einen Gegenwert.

Was können die Bürger dafür tun, dass es positiv weitergeht?
Keune: Sie können etwas ganz Einfaches tun: wieder in ihrer Stadt einkaufen. Mir ist es wichtig, 2014 insbesondere die Innenstadt-Revitalisierung nach vorne zu treiben. Events und gute Stimmung zu erzeugen, ist das Eine. Aber wir müssen auch sichtbar machen in der Innenstadt, dass da wieder Entwicklung ist. Ich hoffe inständig, dass uns das im ersten Halbjahr 2014 gelingt und dass wir die Itzehoer wieder motivieren können, auch in ihrer Innenstadt einzukaufen. Es geht nämlich, ich war richtig glücklich mit meinen Weihnachtsgeschenken.
Koeppen: Ich habe meine Weihnachtseinkäufe auch alle hier gemacht. Es ist etwas anderes als in Hamburg, aber man kriegt es hin. Ich bin sehr kaufhausaffin, da kriegt man alles – das ist momentan bei uns leider nicht so, dann muss man sich eben überlegen, wo man hingeht.
Keune: Wir haben aber mehr Fachgeschäfte als das Elbe-Einkaufszentrum, und wir haben tolle Fachgeschäfte.
Koeppen: Und ich wurde kompetent und freundlich bedient.

Zurück zu den Veranstaltungen – wäre in diesem Bereich mehr von privater oder Vereinsseite wünschenswert?
Keune: Es läuft verhalten, um es vorsichtig zu sagen. Wir haben einige sehr gute Kultur-Veranstaltungsstätten neben dem Theater wie zum Beispiel Kulturhof oder Lauschbar. Im privaten Bereich wäre es wichtig, bestehende Strukturen aufzupeppen und die Veranstaltungen zugänglich zu machen für ein breiteres Publikum. Das ist natürlich mit Arbeit verbunden, und wir haben ja jetzt schon Schwierigkeiten, Ehrenamtler in den Vereinen zu finden. So ein Fest ist einfach mit ganz viel Aufwand verbunden, siehe Herbstvergnügen in Tegelhörn. Vielleicht gelingt es, mit dem Sport-Club Itzehoe ein großes Sportevent in die Itzehoer Woche zu integrieren. Aber das können wir nur von der Seite stützen, wir können es nicht organisieren.
Koeppen: Ich habe schon viele Gespräche geführt, weil ich mir neben dem Störlauf ein zweites Breitensport-Event in der Stadt wünsche. Erst kürzlich habe ich das Thema auch in der Region angesprochen, weil ich möchte, dass sich die Region Itzehoe stärker mit dem Sport und über den Sport identifiziert. Beispiel: Warum machen wir nicht ein Regions-Radrennen? Aber wir brauchen einen Ausrichter. Das müsste wohl unser größter Verein sein. Aber wir haben mit dem Störlauf ein tolles Event, und das bindet natürlich sehr viel Ehrenamtlichkeit und sehr viel Zeit. Aber Wünsche darf man haben: Bei einem solchen Rennen kommt die Region auf die Straße, die Menschen können zugucken oder auch mitmachen, um ihre Region im wahrsten Sinne des Wortes zu erfahren.

Frau Keune, was wäre Ihr Wunsch?
Keune: Wichtig ist, dass die Itzehoer gut über ihre Stadt sprechen und selbst ein Stück dazu beitragen, die Stimmung hoch zu halten. Das wäre sensationell.
Koeppen: Wir müssen uns gegenseitig stützen in einer Stadt, der es momentan nicht so berauschend geht. Kritik kann jeder, das ist nicht schwer. Besser ist es zu fragen: Was können wir jetzt gemeinsam tun?
Keune: Wir kennen ja unsere nächsten Krisen schon: Im April macht Prinovis endgültig dicht. Da steuern wir hinein, darum wäre es so wichtig, dass wir uns öffentlich und auch untereinander stützen und nicht demontieren und die gute Stimmung gemeinsam ins nächste Jahr retten.

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