Gegen das Vergessen : Gunter Demnig setzt Stolpersteine in Wilster

Steine werden in den Gehweg eingesetzt.

Steine werden in den Gehweg eingesetzt.

Seit Mittwoch Nachmittag erinnern auf dem Gehweg vor dem Alten Rathaus in Wilster vier Stolpersteine an Nazi-Opfer aus der Marschenstadt. Die Zuschauer-Resonanz war groß.

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14. Oktober 2020, 18:19 Uhr

Wilster | Hans Prox, Heinrich und Tine Bielenberg, Heinrich Krützer – vier Wilsteraner, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden. An sie erinnern seit Mittwochnachmittag vier Stolpersteine an historischer Stelle. Künstler Gunter Demnig setzte die mit den Namen versehehnen Messingtafeln im Gehweg vor dem Alten Rathaus ein.

Die meisten dieser Menschen haben keine Grabsteine. Gunter Demnig, Künstler

Seit 1992 hat er es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Weise gegen das Vergessen zu kämpfen. „Die meisten dieser Menschen haben keine Grabsteine“, so Demnig. Nun sei die Erinnerung an sie in Form der Stolpersteine da. Insgesamt erinnern bislang europaweit 80.000 Steine in 26 Ländern Europas an Opfer der Nationalsozialisten. „Symbolisch ist das schon was“, sagt der Künstler, der die Aktionen insbesondere für die Angehörigen gestaltet.

Gelungene Aktion

Auch für die Familien der Opfer aus Wilster. Zur Steinsetzung waren Angehörige von Hans Prox sowie Heinrich und Tine Bielenberg gekommen. „Ich finde das sehr gelungen“, sagte Rolf Silkenath, dessen verstorbene Ehefrau Elke die jüngste Tochter des politisch verfolgten Ratsherrn Hans Prox war. „Vor allem finde ich es beeindruckend, dass man das nach so langer Zeit gemacht und sich bemüht hat, Angehörige zu finden.“ Der 83-Jährige lebt in Tangstedt (Kreis Stormarn).

Stolpersteine in Gedenken an vier Wilsteraner gesetzt: Künstler Gunter Demnig.
Ilke Rosenburg
Stolpersteine in Gedenken an vier Wilsteraner gesetzt: Künstler Gunter Demnig.
 

Leider lebe niemand mehr, der Hans Prox noch persönlich kannte. In der Familie sei nicht darüber gesprochen worden. Auch seiner Frau sei es schwer gefallen, zumal sie damals ja noch sehr jung gewesen sei. Er hatte aber durch Nachfragen etwas von ihr erfahren – und mehr beim ersten Besuch vor zehn Jahren in der Gedenkstätte Neuengamme. Dort, wo Prox 1945 starb.

Genugtuung verspürt

In der Familie Bielenberg war das Schicksal von Heinrich und Tine Bielenberg dagegen immer ein Thema, wie Ursula Bielenberg erzählt. Die Aktion „Stolpersteine“ fand auch sie gut, verspürte Genugtuung, auch wenn erst spät des Ehepaares, das wegen seines Glaubens verfolgt wurde, erinnert werde. Schade sei es, dass ihr Mann, Sohn von Heinrich und Tine Bielenberg, den Moment nicht mehr erleben konnte. „Das wäre für ihn sehr schön gewesen“, so Ursula Bielenberg.

Akribisch recherchiert

Und auch Carsten Schröder bedauerte, dass nicht früher der Opfer in besonderer Weise gedacht wurde. Vor 40 oder 50 Jahren wäre das bereits notwendig gewesen, meinte der Redner, der in den vergangenen Jahren akribisch nach NS-Opfern in der Region forschte und die Geschichten der vier Wilsteraner recherchiert hat (wir berichteten). Er erinnerte an die vier Wilsteraner, die nun auf den Stolpersteinen verewigt sind, deren Installation die SPD Wilster in der Sitzung der Juni-Ratsversammlung beantragt hatte.

Benefizkonzert ermöglichte die Aktion

Im Vorfeld hatte es ein Benefizkonzert zur Finanzierung der Stolpersteine gegeben: Karin Lewandowski, die als stellvertretende Bürgermeisterin zahlreiche Interessierte vor dem Alten Rathaus begrüßte, hatte gemeinsam mit Hartwig Barte-Hanssen und Franziska Mohrdiek dafür musiziert und gesungen. Rund 500 Euro waren dabei an Spenden zusammengekommen.

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