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Schadhaftes Ufer : Grundstück bröckelt in die Braake

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner drängen auf Ufersanierung: Doris Köther sieht ihr Haus in der Strufestraße in Mitleidenschaft gezogen

Wie der Trichter einer Sanduhr sieht das Loch im Garten von Doris Köther aus. Sand und Steine rutschen nach unten zur Braake hin. Mit der Harke hält sie das Gestrüpp zur Seite, das vom Ufer aus auf ihr Grundstück wächst. Doch am Ufer dürfe sie nichts machen. Sie zeigt die Grundstücksgrenze, die sie mit einer niedrigen Beetabgrenzung gekennzeichnet hat. Wer hinter dieser Grenze für das Ufer zuständig ist, kann die Hausbesitzerin nicht sicher sagen. Sie glaubt, es ist der Deich- und Hauptsielverband. Was sie weiß, ist, ihr Grundstück grenzt nur ans Ufer, ist aber betroffen von den Ausschwemmungen, wie das Loch im Garten zeigt.

Doris Köther kommt aus Burg. Das Grundstück in der Strufestraße 7 hat sie für ihren Sohn gekauft und 45 000 Euro dafür ausgegeben. „Es sah alles gepflegt aus, wo man gedacht hat: Mensch toll!“, erinnert sie sich. Nur einen kleinen Wasserschaden in der Küche habe die Vorbesitzerin eingeräumt. Dann kam das böse Erwachen mit Schäden im Garten und am Haus. Die Baufirma habe ihr schnell klar gemacht, dass sich die Feuchtigkeit durch das ganze Haus erstrecke. Bohrungen ins Fundament bestätigten die Vermutung: „Es ist pitschenass, was da rauskommt“, sagt sie.

Doch Doris Köther bleibt optimistisch. Sie will die Sache in den Griff bekommen und zwar mit Kunstharz, das ins Mauerwerk eingelassen wird, eine Art Schutzfilm bildet und das Aufsteigen der Feuchtigkeit in den Wänden verhindern soll. Ihr Wunsch: Aus dem Haus soll eine Ferienwohnung werden, in dem Feriengäste direkt an der Braake in Brunsbüttel Urlaub machen können.

Mehr als um die feuchten Wände sorgt sie sich um ihr Bad, das nach hinten raus geht. „Ich habe da richtig viel Geld rein gesteckt“, erzählt sie. Etwa 19 000 Euro habe sie für die neue Küche und das Bad ausgegeben. Die Fliesen glänzen frisch an den Wänden.

„Die bauen sich so ein schönes Bad und unten bricht das Ufer weg“, fasst Ingrid Proemmel zusammen. Als Anwohnerin der Langen Reihe beobachtet sie seit Jahren die Veränderungen im Uferbereich der Braake. Von Anwohnerseite setzt sie sich federführend für eine Ausbesserung der entstandenen Schäden ein.

Sie zeigt die Stellen vor Ort. Dichtes Brombeerdickicht versperrt den Blick. Nur an einigen Stellen lugt die hölzerne Uferbefestigung aus dem Gestrüpp hervor, von der anderen Seite schwappt das Wasser der Braake gegen das Holz. Um alle Schäden erkennen zu können, müsse der Wasserstand etwa bei 75 Zentimetern unter Niedrigwasser liegen, erklärt die Anwohnerin, die die Braake zu allen Jahreszeiten kennt. „Die Holzplatten gehen auseinander und haben Risse“, beschreibt sie, was sich unter dem Wasser verbirgt. Gutachter Diplom-Ingenieur Hubert Lindemann hatte bereits vor zwei Monaten geäußert, die Bongossiwand sei mehr eine Verkleidung, aber keine Ufer-Sicherung (wir berichteten). Ingrid Proemmel zeigt auf die Holzbefestigung. An mehreren Stellen rutscht das Erdreich weiter vom Uferwall ab, unter der Holzverkleidung hindurch in die Braake. Nur an wenigen Stellen zeigen sich Überreste von einem so genannten Geotextil. „Das Vlies hat seine Funktion nicht erfüllt“, lautete schon im September das Urteil des Gutachters.

Doch derzeit werde das Ufer weiter von zwei Seiten ausgewaschen, sagt Proemmel. Fehlgeleitetes Regenwasser von den anliegenden Grundstücken weiche nach wie vor den Erdwall von der Landseite aus auf, und seitens der Braake sei es das fließende Wasser. Ihr Blick fällt auf das Schöpfwerk Nord. Ein Schild am Ufer warnt vor erhöhter Fließgeschwindigkeit, während des Schöpfwerksbetriebs. Messdaten darüber, wie schnell das Wasser dann fließt, gibt es nicht, so steht es im Sitzungsprotokoll des Bauausschusses von Juli. In eben diesem Protokoll ist zu lesen, dass „die vorhandene Ufergestaltung mit Bongossibohlen im Rahmen einer freizeittouristischen Maßnahme durchgeführt wurde und nur zu einem Teil der Uferbefestigung diene“.

Proemmel hofft, dass nun richtig nachgebessert wird. Sie erwartet im Frühjahr mehr als eine Schönheitsreparatur. Sie wünscht sich, dass die von Gutachter Lindemann im Bauausschuss präsentierten Instandsetzungsvorschläge umgesetzt werden. Die Stadt hat bereits Maßnahmen zur Uferüberwachung eingeleitet. „Es werden gerade Inklinometermessungen gemacht“, berichtet Astrid Gasse von der Methode, mit der die Stadt den Zustand der Holzverkleidung und die Bewegung im Uferwall aktuell überprüft. Wann genau die Sträucher abgeholzt und die Regenwasserleitungen erneuert werden, konnte die Bauamtsleiterin vorerst nicht absehen. „Wir kümmern uns darum“, betont sie.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 17:30 Uhr

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