Grundsanierung würde nur knapp 5,6 Millionen Euro kosten

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07. November 2013, 05:00 Uhr

Nicht mehr als 15 Millionen Euro soll der Kreishaus-Neubau kosten. Das jedenfalls war das erklärte Ziel der Kreistagsabgeordneten. Ob dieser Höchstbetrag überhaupt eingehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Schon jetzt sind bislang nicht eingeplante Mehrausgaben für zahlreiche Entwurfsänderungen angefallen. Auch hat der Kreis inzwischen ein weiteres Nachbargebäude gekauft, dass in den Urplanungen gar nicht vorgesehen war. Hinzu kommt: Während der Bauphase müssen Teile der Verwaltung für längere Zeit ausgesiedelt werden. Auch die Kosten dafür sind bislang offen. Letztlich basieren alle Planungen ohnehin nur auf ersten groben Schätzungen. Die Ergebnisse einer offiziellen Ausschreibung aller Gewerke könnten – zumal bei einer derzeit gut ausgelasteten Baubranche – noch ernüchternd werden.

Nicht nur bei einigen wenigen kritischen Kreistagsabgeordneten macht schon der Begriff „Störphilharmonie“ die Runde – in Anlehnung an das Hamburger Großprojekt, bei dem die Kosten explodiert sind.

Mit dem Kostenargument will aber dennoch der Kreis der Initiative zum Fassadenerhalt den Wind aus den Segeln nehmen. Rund 2,3 Millionen Euro würde es teurer, wenn die Fassaden des Bahnhofshotels und des Bollhardt’schen Gebäudes in ihrer jetzigen Form erhalten blieben. Diese Rechnung ist letztlich auch Bestandteil der Unterlagen für das jetzt angelaufene Bürgerbegehren. Damit will der Kreis mögliche Unterzeichner auf die finanziellen Auswirkungen eines erfolgreichen Bürgerentscheids aufmerksam machen.

Das Kostenargument lässt die Initiative allerdings nicht gelten. Für Sprecherin Silke Nießing wäre ein solcher Mehraufwand angesichts der drohenden Auswirkungen für das Itzehoer Stadtbild zumutbar. Und wenn man sich nur auf die Sanierung der bestehenden Gebäude beschränken würde, würde das Kreishausprojekt sogar noch sehr viel günstiger zu haben sein. Tatsächlich hat das Architekten-Contor Itzehoe in einem Gutachten vom Mai 2011 für die Sanierung sämtlicher maroder Kreishaus-Gebäude knapp 5,6 Millionen Euro hochgerechnet. Für dieses Geld könnten nicht nur Bahnhofshotel und Bollhardt’sches Gebäude, sondern sogar das ebenfalls stark sanierungsbedürftige Sozial- und Veterinäramt in der Karlstraße, das Gebäude der ehemaligen Kreisbildstelle in der Poststraße und sogar noch das Kellergeschoss des historischen Landratsamtes gleich mit auf den neuesten Stand gebracht werden. Mit dem Geld könnten alle wesentlichen Baumängel beseitigt sowie der Brandschutz und die technische Ausstattung sichergestellt werden. Eine Grundsanierung würde zudem die Betriebskosten senken. Außerdem könnten mit einem durchdachten Farb- und Materialkonzept die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessert werden. Der Haken: An Unzulänglichkeiten wie fehlender Barrierefreiheit, engen Fluren und nicht mehr zeitgemäßen Zuschnitten der Verwaltungsräume würde sich nichts ändern. Fazit im Gutachten: Relativ hohen Investitionskosten für eine Grundsanierung stehe „kein echter funktionaler Mehrwert gegenüber, den ein zeitgemäßer Verwaltungsbetrieb heutzutage fordert“. Vom Sanierungsmodell hatte sich eine klare Kreistagsmehrheit denn auch frühzeitig verabschiedet und die Weichen für einen Neubau gestellt.

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