Großfeuer am Sandberg: Bar zerstört

Dampfend vom Einsatz zurück: Atemschutzträger Stefan Böge.
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Dampfend vom Einsatz zurück: Atemschutzträger Stefan Böge.

Die Ursache ist unklar: Die "Piano-Bar" am Sandberg ist gestern ausgebrannt und musste abgerissen werden.

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09. Januar 2009, 10:17 Uhr

Itzehoe | Gestern, 16.21 Uhr: Gerade will sich Wehrführer Peter Happe auf den Weg zu einem Termin bei der Kieler Feuerwehr machen. Er sitzt schon im Auto, da kommt der Alarm: Feuer in einem Vergnügungslokal am Sandberg 16. Vier Stunden später: "Piano-Bar" und "Chalet" sind längst verloren. Ein Bagger reißt die Wand ein, damit die eingesetzten Feuerwehren an die Brandnester herankommen.

Als Happe am Sandberg eintrifft, ist dieser bereits in Rauch gehüllt. Vor der Tür der Bar wartet die Reinigungsfrau, die das Feuer entdeckt hat. Der Wehrführer eilt in die Bar, am Tresen vorbei und schaut an der engen Holztreppe nach oben. Der Feuerschein sei bereits zu sehen gewesen, glühende Holzteile seien die Treppe heruntergesegelt. Auf dem Weg hinaus reißt Happe noch die Barhocker weg - Platz machen für die Atemschutzträger.

Von außen sieht der 58-Jährige Flammen im Giebelfenster des "Chalet", auf der Gebäuderückseite züngeln sie bereits durch das Dach. Die ersten Einsatzkräfte treffen ein, die Atemschutzträger werden eingewiesen. Als ein Mann mitteilt, dass seine Mutter und ein Hund noch in dem Nachbarhaus seien, schickt Happe seine Leute dort hinein. Die Mutter ist nicht da, meldet sich aber kurz darauf. Der Hund wird gefunden und gerettet. Eine Katze bleibt verschwunden, zwei Beos im Obergeschoss des Nachbargebäudes überstehen das Feuer unbeschadet.

Die Flammen greifen immer weiter um sich, bald brennt das ganze Obergeschoss. Nachbargebäude wie das Verlagshaus unserer Zeitung werden geräumt. Die Wehr hat ein Problem: Weil die Hydranten zugefroren sind, kann sie zunächst nur auf das Wasser aus den eigenen Tanks zurückgreifen. Für kurze Zeit droht ein weit schlimmeres Problem: Ein Atemschutztrupp meldet sich nicht mehr. Mit dem Stichwort "Atemschutznotfall" werden die Wehren Rethwisch und Oelixdorf sowie starke Rettungsdienstkräfte alarmiert, alles konzentriert sich auf die Suche. Kurz darauf die Erlösung: In der Kälte hat nur der Akku eines Funkgeräts aufgegeben. "Sie waren schon auf dem Weg nach draußen, weil sie sich nicht melden konnten", schildert Happe.

Eine Drehleiter wird an der Rückseite in Stellung gebracht, später die zweite an der Vorderseite. "Jetzt hat es sich wieder ausgezahlt, dass wir sie haben", sagt der Wehrführer. Das Dach wird eingerissen, Fenster werden eingeschlagen, doch das Feuer flammt immer wieder auf, weil Brandnester unter dem Schutt vom Wasser noch nicht erreicht wurden. Aus Heiligenstedtenerkamp werden weitere Atemschutzträger hinzugeholt, die Wehr aus Heiligenstedten besetzt ihre Wache, falls in Itzehoe noch etwas passiert. Denn alle Blauröcke der Stadt sind im Einsatz, 60 bis 80 Feuerwehrleute arbeiten über mehrere Stunden - und wegen der Brandwache noch länger.

Es gelingt ihnen, die direkt angrenzenden Häuser zu wässern und zu retten. In der angrenzenden Bar "Atzehoe" entsteht laut Happe leichter Wasserschaden. Doch weil nicht an alle Brandnester heranzukommen ist, wird erst ein Baum vor dem "Goosmarkt" gefällt, dann muss nach Absprache mit dem Ordnungsamt - auch Bürgermeister Rüdiger Blaschke kommt zur Brandstelle - ein Abbruchunternehmen her. Während die Wehr weiter löscht, reißt ein Bagger die Brandruine ein - ein Haus, das nach Aussage des Eigentümers rund 500 Jahre alt war. Warum es in Brand geriet, ist völlig unklar.

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