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Mitarbeiter stehen zu ihrem Unternehmen : Großes Vertrauen in das Kerngeschäft

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Prokon-Krise löst allerdings Kündigungen bei einem Zulieferer aus. Bei der Alfred Kruse Maschinen- und Metallbau GmbH haben sich die Aufträge merklich reduziert.

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erstellt am 24.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Mitten in der Pressekonferenz fällt der für die Prokon-Mitarbeiter wichtige Satz: „Die Fortführung des Kerngeschäfts – und das ist das Windgeschäft – steht für mich nach Tag 1 völlig außer Frage.“ Der das sagt, trägt seit Dienstag die Verantwortung für die Prokon Regenerative Energien GmbH: Dr. Dietmar Penzlin, Rechtsanwalt aus Hamburg und vorläufiger Insolvenzverwalter. Gemeinsam mit Firmenchef Carsten Rodbertus ist er vor die Presse getreten und macht klar, was im Moment seine Hauptziele sind: die Liquidität des Unternehmens sichern, die Motivation der Mitarbeiter erhalten.

Und diese ziehen mit. 480 Angestellte hat die Firma, die Insolvenz angemeldet hat, knappe zwei Drittel davon arbeiten in Itzehoe. Weit mehr als 100 sind zur Pressekonferenz erschienen und zeigen mit Applaus, sogar Jubelrufen: Sie stehen zum Chef. Natürlich, bei vielen ist die Stimmung gedrückt, die Fragen sind da: Wie geht es weiter? Neuen Job suchen oder abwarten?

Aber viele sind so zuversichtlich wie Michael Pohl (36), Kundenberater im Vertrieb, und Andreas Heickmann (41), technischer Mitarbeiter. Sie stehen in einer der beiden großen Produktionshallen für die Prokon-Windkraftanlage. Genau diese Werte sicherten den Standort und die Arbeitsplätze, die nach wie vor gebraucht würden. Deshalb sind sie, so Pohl, „sehr glücklich“ über die Aussage Penzlins zum Erhalt des Kerngeschäfts Wind. „Ich weiß, wo das Geld herkommt“, sagt Heickmann. „Ich mache mir keine Gedanken.“ Die Mitarbeiter würden gehalten, betont Pohl. Im Zweifel bekämen sie in dieser Zeit andere Aufgaben. So sei Rodbertus als Chef, Prokon insgesamt als Unternehmen sehr sozial eingestellt. Und noch ein Grund für die Unterstützung: Die Geschäftsführung mache wie jeder andere das Tagesgeschäft in der Firma, die von klein auf immer weiter gewachsen sei. „Trotz all dem hat man das Wir-Gefühl im Unternehmen gelassen.“

Dieses hat gegenüber Mitarbeitern, Sozialkassen, Lieferanten und Geschäftspartnern keinerlei Zahlungsrückstände, wie Rodbertus betont. Das kann Andreas Kruse bestätigen: Die Alfred Kruse Maschinen- und Metallbau GmbH liefert aus der Zusestraße Teile für die Windkraftanlagen, die Zusammenarbeit laufe „sehr angenehm“, so der Geschäftsführer auf Anfrage. Begonnen hat sie Anfang 2013 und war für Kruse ein sehr willkommener Ersatz für die Arbeit bei Prinovis. „Mehr als das“ – acht Jobs wären nach seinen Worten durch den Abschied der Druckerei in seiner Firma verloren gegangen, doch sogar zwei mehr seien durch die Aufträge von Prokon geschaffen worden. Nun aber schlagen die Schwierigkeiten des Unternehmens durch: Der Umfang der Aufträge habe sich reduziert, sagt Kruse, daher habe er vier Mitarbeitern aus seiner rund 40-köpfigen Belegschaft kündigen müssen.

Doch dabei muss es nicht bleiben. Niemand könne heute beurteilen, ob das Prokon-System funktioniere. Für ihn sei es schlüssig und nachvollziehbar, was die Geschäftsführung sage, so Kruse. Rodbertus hat Fehler eingeräumt und Änderungen angekündigt. Sie sollen die Wende bringen, die sich auch der Zulieferer aus der Nachbarschaft wünscht: „Die Hoffnung ist natürlich sehr, sehr groß.“

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