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Multi Purpose Pier in Brunsbüttel : Großes Fragezeichen über dem Vielzweckhafen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Staatssekretär Frank Nägele schwört Projekt-Partner trotz wenig zuversichtlicher Prognose auf 70-Millionen-Vorhaben ein. Maschinenbau statt Offshore-Industrie haben Zukunft.

Es ist ein groß angelegtes Vorhaben, das das Brunsbütteler Industriegebiet ab 2018 um ein wichtiges Standbein erweitern soll: der 70 Millionen Euro teure Vielzweckhafen an der Elbe. Doch über der Realisierung stehen noch viele Fragezeichen. Das machte eine gemeinsame Sitzung der Hauptausschüsse aus Brunsbüttel und den Kreisen Steinburg und Dithmarschen deutlich. Die drei Projektpartner stehen vor der Entscheidung wie es weitergehen soll. Eine Machbarkeitsstudie liegt jetzt vor. Da aber zu der Sitzung am Donnerstag Abend im Elbeforum vom Büro Fraunhofer cml aus Hamburg niemand erschien, um Fragen zu beantworten, stellte Staatssekretär Frank Nägele die Ergebnisse kurz vor.

Die sind zunächst ernüchternd. Denn der Offshoremarkt kann demnach nicht mehr ein Schwerpunkt der Bemühungen sein, diesen neuen Hafen mit Leben zu erfüllen. Es gibt bereits genügend Hafenkapazitäten im Norden, noch eine Pier für diesen Zweck erscheint offenbar wenig sinnvoll. Das bestätigt auch eine Erhebung des mit einem Marketingkonzept beauftragten Büros La Marca (Hamburg). Hinzu kommt: Die vom Land in Aussicht gestellte 90-Prozent-Förderung müsste, so Nägele, noch einmal die Europäische Kommission passieren. Er warb dennoch darum, das Projekt nicht voreilig fallen zu lassen. „Wenn Sie das jetzt tun, haben Sie 3,5 Millionen versenkt!“ Das ist die Summe der bisherigen Aufwendungen. Die Zielrichtung müsse nun aber eine andere sein. Ein Vielzweckhafen mit Hinterlandflächen könne gerade auch für den Maschienenbau attraktiv sein. Nägele nannte als Beispiel Liebherr in Rostock und die Mecklenburger Metallguss GmbH aus Waren/Müritz. Beide hätten Platzprobleme. Kontakte gibt es aber noch nicht.

Volker Nielsen, Vorsitzender im Dithmarscher Hauptausschuss, weiß, dass es noch dicke Bretter zu bohren gibt: „Wir müssen die Baureife herstellen, sonst ist das nur eine Idee.“ Mit der allein ließen sich keine Investoren gewinnen. Die weltweite Vermarktung müsse eigentlich jetzt starten. In diese Kerbe schlägt auch Rudolf Riep, stellvertretender Vorsitzender im Hauptausschuss des Steinburger Kreistags. „Wir wollen keine Chance vertun“, warnt er vor übereilten Schritten. Es sei für den Kreis Steinburg von vornherein Ziel gewesen, die Region zu fördern. Riep: „Ich glaube, dass es was werden kann.“

Dass die Förderung nötig sei, machte Frank Nägele deutlich: „Das Industriegebiet hat seinen Zenit überschritten.“ Die Chemie gilt nicht mehr als allein selig machend, neue Schwerpunkte müssen her für Schleswig-Holsteins größtes Industrieareal. Auch deshalb stehe die Landesregierung weiter hinter dem geplanten Vielzweckhafen in Brunsbüttel, der aus heutiger Sicht 2018 fertig sein kann.

 

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erstellt am 01.Feb.2015 | 08:00 Uhr

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