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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 21:44 Uhr

Großer Bahnhof zum Stadtjubiläum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kurios: Historiker findet keine offizielle Bestätigung für Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren, obwohl Meldorf seitdem danach handelte

Mit einem großen Festakt feierte die Stadt Meldorf im Dom 750 Jahre Stadtrecht, bevor sich Einwohner auf dem Marktplatz für ein großes Erinnerungsfoto versammelten.

Propst Dr. Andreas Crystall begrüßte die Gäste. Die St. Johannis-Kirche und die Stadt seien miteinander alt geworden und Hand-in-Hand auch durch schwere Zeiten gegangen. „Wobei beide wesentlich älter sind als 750 Jahre“, stellte der Propst fest. Bereits im Jahr 782 wurde durch den Bau einer Taufkirche der Grundstein für Kultur und Christentum geschaffen. Nach Hamburg, Heiligenstedten und Schenefeld war Meldorf die vierte Kirche im Norden. „Die Kirche und die Stadt gingen als Geschwister einher, sie wuchsen und wurden älter – was wären sie ohne einander?“

Meldorf sei Kultur pur und mit den Domkonzerten, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Landesmuseum bereits Kulturhauptstadt. Außerdem Vorzeigestadt für Inklusion: „Wir sind schon immer herzlich mit Menschen mit Handicap umgegangen“, stellte Landrat Dr. Jörn Klimant klar. „Wir können nicht nur Forke und Fahne, sondern auch Hightech – und uns mit dem Nummernschild MED zur Stadt bekennen.“

Professor Dr. Oliver Auge berichtete aus einer anderen Sichtweise von der Stadthistorie. „Am 12. August 1265 wurde ein Vertrag mit Hamburg geschlossen, der Unstimmigkeiten und eine handfeste Fehde beenden sollte“, sagte Auge in seinem Festvortrag. „Von der Verleihung der Stadtrechte wird nirgendwo berichtet“, erklärte der Regionalhistoriker von der Christian-Albrecht-Universität Kiel. „Aber man lebte und handelte so, als hätte man die Stadtgerechtigkeit.“ Von 1569 bis 1869 hatte Meldorf diese verloren und erlangte sie erst vor 146 Jahren wieder. Auge erzählte von besonderen Menschen und der Geschichte Meldorfs. Dass zum Beispiel Bürgermeister Ferdinand Dieckmann noch drei Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit Waffengewalt die Stellung im Amtszimmer aufrechterhielt. Dass ein Gottesdienst im 13. Jahrhundert mit Totschlag und einem schlagenden Bischof ablief. Und: Trotz aller Rivalitäten unter den Kirchspielen konnte eine zusammenhängende Deichlinie geschaffen werden – solidarisch mit allen Nachbargemeinden. Meldorf lebte, gedieh und handelte weltoffen mit anderen Gebieten, was nicht nur die Münzen des Dithmarscher Goldschatzes aus den Niederlanden, Frankreich und dem Mittelrheingebiet belegen. „Meldorf war das offene Tor Dithmarschens in die weite Welt“, schloss Oliver Auge.

Dr. Robert Habeck versuchte als stellvertretender Ministerpräsident einen Blick in die Zukunft. „Wir wissen nicht, ob Autos bald fliegen und von was wir uns ernähren, aber ich vermute, dass das, an was wir heute glauben, dann immer noch Bestand hat.“ Der Dombau sei eine Pionierleistung gewesen und habe die Dynamik der Stadt ausgelöst, sagte der Minister. Die technische Entwicklung schreite rasant voran und die Verschiebung der Generationen sei eine Herausforderung. Die Infrastruktur verändere sich durch das Internet und die Bevölkerung werde vielfältiger. „Heimat ist das, was man daraus macht, Zukunft muss gemacht und angenommen werden. Wir brauchen Orte, Räume und Heimat, zur Absprache dieser Veränderungen“, so Habeck.

Bürgermeisterin Anke Cornelius-Heide war erstaunt zu hören, dass Meldorf eigentlich nie die Stadtrechte erhalten hatte. „Aber wir sind heute zur Kulturhauptstadt erklärt worden, das ist ja auch etwas.“ Sie freute sich über die große Unterstützung zum Jubiläum: „Der Festakt ist eine von etwa 100 Veranstaltungen und ich danke allen, die durch Mithilfe ihre Verbundenheit mit der Stadt zum Ausdruck bringen.“ Ihre Amtskollegen aus den Partnerstädten Gryfice, Andrezej Szcygiel, und Altentreptow, Volker Bartl, gratulierten ebenso wie Alt-Bürgermeister Karl-Wilhelm Lange, der vor fünf Jahrzehnten die 700-Jahr-Feier geleitet hatte. Er überreichte die Jubiläumsschrift von 1965, in der alle Mitglieder des damaligen Stadtrats unterschrieben hatten.

Den musikalischen Rahmen der Jubiläumsveranstaltung hatten Meldorfer Gelehrtenschüler, die Dithmarscher Musikschule, die Jungendkantorei sowie Kirchenmusikdirektor Paul Nancekievill übernommen.

Im Außenbereich, der von Gärtner Horst Züge mit hunderten bunter Hornveilchen geschmückt worden war, wurde ein Jubiläumsfoto gemacht. Die teilnehmenden Gruppen wurden von Stefan Carstensen instruiert, der von einem Hubsteiger aus Anweisungen gab. Danach konnte in allen Gastronomiebetrieben mit besonderen Jubiläumsangeboten weiter gefeiert werden.

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