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Norddeutsche Rundschau

20. September 2017 | 09:20 Uhr

Stör-Besatz : Großer Bahnhof für junge Fische

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

250 Jungstöre wurden am Störufer zwischen Rosdorf und Störkathen in den Fluss gesetzt. Tiere sind gechippt, markiert oder mit Sendern versehen.

Zahlreiche Besucher tummelten sich am Störufer zwischen Rosdorf und Störkathen, um den Einsatz von Jungstören zu erleben oder dabei aktiv mitzuwirken. 250 Exemplare des Europäischen- oder Nordseestörs sollten in die Freiheit entlassen werden. Geht alles gut, kehren die Fische in rund 15 Jahren aus dem Meer zurück und richten im Fluss eine Kinderstube ein. Während die rund zehn Monate alten Störe noch ahnungslos in einem großen Plastikgefäß herumspaddelten, herrschte bei Schülern der Oelixdorfer Grundschule am Störtal Lampenfieber. „Mädchen und Jungen aus der dritten und vierten Klasse werden Fische in den Fluss setzen“, sagt Schulleiterin Ilka Schack.

Wissenswertes über den Fisch, der fünf Meter lang und 120 Jahre alt werden kann, hatten die Kinder zuvor im Klassenzimmer von Uwe Jens Lützen erfahren. Der „Störvater“ von der Gesellschaft zur Rettung des Störs setzt sich schon seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den Erhalt des Stör-Fisches ein. „2009 haben wir im Suder Hafen die ersten Störe in die Stör gesetzt.“ Der Fisch sei einmal heimisch im Störfluss gewesen. Beleg dafür: Um 1800 herum soll in Fernsicht bei Kellinghusen ein 186-Pfünder aus dem Wasser geholt worden sein. „Im Laufe der Jahre sind bei den Altvorderen aber zu viele von den großen Fischen auf dem Teller gelandet“, sagt Lützen. Unter anderem deshalb sei der Stör heute weitgehend verschollen. Zum Glück werden letzte Bestände in den Flüssen Südfrankreichs gehegt und gepflegt.

Auch die Jungtiere für den aktuellen Einsatz stammen von dort. Gechippt, markiert oder mit Sendern versehen, kann ihr weiterer Lebensweg nachvollzogen werden. „Mit dem Besatz in Nebenflüssen der Elbe haben wir vor fünf Jahren begonnen und tun dies seither jährlich“, bestätigt Dr. Jörn Gessner vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und Vorsitzender der Gesellschaft zur Rettung des Störes. Schöner Erfolg der gemeinsamen Bemühungen: 2013 wurde vor Hirtshals ein Meter langer Stör gefangen. Dies sei auch ein Beispiel für die gute Kooperation mit der Berufsfischerei, unterstreicht der Biologe.

Die Profis auf See melden den unerwünschten Beifang und geben ihn zurück ins Meer. „Wir haben inzwischen eine Infrastruktur zur Meldung von gefangenen Stören aufgebaut“, erklärt Siegfried Spratte vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Wichtig für die Wiedereinbürgerung des Wanderfisches ist aber auch die Zusammenarbeit mit Vereinen, wie den Sportanglern in Kellinghusen, sagt Gessener. Der Verein unterstütze in der Lagerung und Logistik und binde die Jugend frühzeitig mit ein. „Unsere Jugendgruppe wird den Stör-Einsatz von der Wasserseite her absichern“, sagt der Vorsitzende Thomas Wunsch. Außerdem werde der Verein die Gelegenheit nutzen, um der Gesellschaft zur Rettung des Störes beizutreten.

Eine frische Mitgliedschaft der Stadt Kellinghusen verkündete unter Applaus auch Reinhard Rübner (SPD). Der stellvertretende Bürgermeister wünschte dem Stör ein ungestörtes Leben in der Stör und begrüßte als „Stör-Besitzer“ MdB Mark Helfrich (CDU) sowie Landrat Torsten Wendt. Die beiden Gäste zeigten sich erfreut über die Teilnahme von Kindern und Eltern. Dr. Gessner richtete ein dickes Lob an alle Mitstreiter – dank der guten Zusammenarbeit stehe das Land in Sachen Störerhalt ganz vorn. Dann endlich kam der große Moment: Vorsichtig einen nach dem anderen entließen Kinder und Erwachsene die 250 jungen Störe ins sonnenwarme Flusswasser.

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