zur Navigation springen

Alarmstimmung : Große Sorgen um das Landestheater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus für die Gesellschaft träfe auch das Abonnement-Programm im theater itzehoe empfindlich. Appelle in Richtung Schleswig.

von
erstellt am 23.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Die Zukunft des Landestheaters ist ungewiss. Nachdem die Schleswiger Ratsversammlung einen Theater-Neubau abgelehnt hat, droht dem gesamten Konstrukt der Zusammenbruch. Generalintendant Peter Grisebach befürchtet mit dem Wegfall der Schleswiger Spielstätte eine drohende Insolvenz in den nächsten vier Jahren.

Das hätte für das theater itzehoe weitreichende Konsequenzen. „Auch wenn wir das Theater nicht gleich schließen müssten, würde es doch eine sehr deutliche Akzentverschiebung bedeuten“, sagt Theaterdirektorin Ulrike Schanko (Foto). Das Itzehoer Haus sei schon mit dem festen Willen eröffnet worden, „dass auch ein bildungspolitischer Auftrag zu erledigen ist“. Das geschehe überwiegend über das Abonnement-Programm. „Das stellt das Landestheater zu etwa einem Drittel“, erklärt Schanko. Weil Stadt und Kreis Gesellschafter des Landestheaters sind, können die Produktionen zum Sonderpreis eingekauft werden. So kommt das theater itzehoe in den Genuss von rund 15 Landestheater-Aufführungen pro Spielzeit. „Wenn wir das woanders einkaufen müssten, könnten wir uns nur noch drei oder vier Stücke leisten, der Abo-Spielplan würde zusammenbrechen oder zumindest sehr reduziert werden müssen“, sagt Ulrike Schanko. Es müsste dann mehr Vermietungen geben. „Das würde eine Kommerzialisierung und Verflachung des Programms bedeuten, der Bildungsauftrag ginge verschütt.“

Auch das Publikum würde die Landestheater-Stücke vermissen. „Das Abo wird sehr gut angenommen“, sagt Schanko. Erstmals seit 2005/2006 sei gerade die 1000er-Marke geknackt worden. Zudem bediene das Landestheater immer die Abiturthemen. „Das ist für die Schulen sehr wichtig“, weiß die Direktorin. „Wir merken zunehmend, dass die Schulen in Klassiker oder moderne Klassiker gehen, die im Lehrplan behandelt werden.“ So könne man junge Leute ans Theater heranführen und binden. Dabei gehören längst nicht nur Itzehoer Schüler zu den Besuchern. Auch aus der Entfernung wie Elmshorn und Husum kommen regelmäßig Klassen nach Itzehoe. Generell stammten 40 Prozent der Zuschauer aus der Stadt, 60 Prozent aus dem Umland, „die ganze Westküste hoch“, so Schanko.

„Aber Itzehoe ist nur ein Mosaiksteinchen in der Theaterlandschaft“, betont sie. Bei einem Aus des Landestheaters blieben nur Bühnen in Kiel und Lübeck, „das Flächenland würde zur kulturellen Diaspora“. Deshalb appelliert sie an Bürger und Politiker: „Jede Form von Äußerung Richtung Schleswig ist hilfreich – damit die merken: Es betrifft das ganze Land.“ Ein Votum pro Landestheater könne bei der Petition unter www. openpetition.de abgegeben werden.

„Schockiert“ reagiert Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen auf die Schleswiger Entscheidung. „Und ich begreife es nicht: Das Landestheater als Konstrukt, die vielen Beschäftigten, das große Zuschauer-Interesse – ist das alles denn gar nichts wert?“ Er frage sich, ob die finanziellen Fragen zum Schleswiger Neubau nicht im Vorwege hätten geklärt werden können: „Muss man es in so eine Situation kommen lassen?“ Das Landestheater sei ein Pfund, mit dem man wuchern könne, es habe einen guten Indentanten. „Ich kann nur sagen: Reißt euch zusammen und bringt die Dinge wieder zueinander!“

Auch für Itzehoe wäre ein Aus ein herber Verlust, so Koeppen. „Es täte unserem Haus nicht gut und wäre auch ein Schaden für unsere gute Direktorin, die dann die Scherben zusammenkehren müsste“, sagt er. „Frau Schanko leistet sehr gute Arbeit – aber sie braucht auch gute Bedingungen, damit wir sie hier halten können.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen