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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 17:28 Uhr

Große Politik bleibt im Dorf außen vor

vom

Ministerpräsident Albig lobt Dingens Kurs: In der Gemeinde gehe es allein darum, die Gemeinschaft zu fördern

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Dingen | Gut gemachte Ortspolitik kommt ohne Parteibuch aus. Das betonte Ministerpräsident Torsten Albig bei seinem Besuch in Dingen. Der Sozialdemokrat war einer Einladung der Genossen aus der St. Michler Nachbargemeinde gefolgt. Die feierten nicht nur das 65-jährige Bestehen ihres Ortsvereins. Vielmehr stellt die SPD sein 1948 ununterbrochen den Bürgermeister im Dorf. Und das wird sich für die nächsten fünf Jahre nicht ändern: Eine andere Partei kandidiert dort nicht. Zuletzt hat sich die CDU abgemeldet.

"Wir sind eine kleine Gemeinde, manchmal wird die große Bundes- oder Landespolitik ein bisschen beiseite geschoben", erklärte Ortsvereinsvorsitzender Nico Timmermann. Im Mittelpunkt stehe in Dinge das Bemühen, das Dorfleben zu gestalten und die Gemeinde nach vorne zu bringen.

Dieses "Dingener Gen", so Albig, würde er gerne mitnehmen. Denn was in der Gemeinde des Amtes Burg-St. Michaelisdonn geschehe, mache deutlich, "dass Politik sinnstiftend sein kann". Das Ergebnis, so der Ministerpräsident, könne sich sehen lassen, es werde nach vorne geschaut: "Hier ist man zuversichtlich." Diese Einstellung sei vorbildlich im Land. In Dingen zeige sich, dass gut gemachte, demokratische Politik, egal welcher Coleur, etwas für die Gemeinschaft ausrichten könne.

Albig brach eine Lanze fürs Ehrenamt, betonte, wenn es die Menschen nicht gebe, die sich unentgeltlich für andere engagierten, "wäre unsere Gesellschaft unendlich viel ärmer". Auf die Lokalpolitik bezogen, bedeute dies: "Wir brauchen Menschen, die sich zu unseren Gemeinden bekennen."

Daran gibt es - zumindest für die SPD im Dorf - offenbar keinen Mangel. Fünf neuen Mitgliedern überreichte Albig am Freitag in der DRK-Begegnungsstätte das Parteibuch: Michele-Christin Reiche (25), Ingo Blenn (40), Ralf Schultz (45), Claus Dohrn (50) und Manfred Weinmüller (71).

"Man kann viel erreichen, wenn man gemeinsam arbeitet", betonte Kreispräsident Karsten Peters. Auch er sei jemand, der das Parteibuch hintenan stelle. Denn obwohl CDU-Mitglied, sei er in seiner Gemeinde Eggstedt als KWV-Mann von 1982 bis 1994 Bürgermeister gewesen. Die einzelne Partei, stimmte Peters dem Ministerpräsidenten zu, müsse im Dorfleben zweitrangig sein.

"Wenn die Bürger uns verstehen sollen, müssen wir sie ansprechen, uns um Vereine, Jugendliche und Senioren kümmern - und unsere Versprechen halten", umriss Dingens Bürgermeister Karl-Heinz Reiche sein Credo. "Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind das höchste Gut der Politiker, gerade bei uns vor Ort, wo uns jeder kennt."

Das unterstrich Jörn Thießen in seiner Rede: Für Karl-Heinz Reiche sei Dingen ein Teil der Familie. Wenn er zu seinen Bürgern gehe, dann "kommt da nicht das Amt, es kommt ein Kümmerer". Damit werde im Dorf Politik im Wortsinn betrieben: Es werde etwas für die Gemeinschaft getan.

Reiche ist seit 15 Jahren Chef der Gemeindevertretung. Seine Vorgänger in Dingen waren Johann Junge, Otto Schmidt und zuletzt Walter Baaske. Der 88-Jährige Ehrenbürgermeister erhielt von Torsten Albig eine Auszeichnung für 60-jährige Mitgliedschaft in der SPD.

Geehrt wurden auch Gerhard Kuhrt (50 Jahre dabei), Jutta Peris und Dieter Kleinschmidt (je 20 Jahre) sowie Dietmar Karstens (15 Jahre).

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