zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 19:34 Uhr

Investitionen : Große Platznot an Schulen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Anbau für die Itzehoer Klosterhofschule wird vom Schulausschuss befürwortet. Die Erweiterung der Gemeinschafsschule am Lehmwohld dagegen findet keine Mehrheit.

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Es war eine Zitterpartie für Gerd Freiwald, Leiter der Klosterhofschule. Doch am Ende konnte er applaudieren: Der Schul- und Kulturausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, die Schule zu erweitern. Vorgesehen ist, den Ganztagsbau aufzustocken und dort einen naturwissenschaftlichen Fachraum einschließlich der notwendigen Vorbereitungs- und Sammlungsräume einzurichten. Die alten naturwissenschaftlichen Räume im Hauptgebäude können dann in dringend benötigte Klassenzimmer umgewandelt werden. Geschätzte Kosten: 400 000 Euro.

Andreas Arndt, Leiter des Amtes für Bildung, verdeutlichte die Notwendigkeit: Die Klosterhofschule sei die Gemeinschaftsschule in Itzehoe, die den höchsten Anstieg zu verzeichnen hat – über 60 Prozent. Schon 2007 sei festgestellt worden, dass der Schulraum zu knapp ist. Die 15 Klassen könnten nur untergebracht werden, weil die Schule zum Beispiel auf Musik- und Kunstraum verzichtet. Auch der Festraum sei in zwei Klassenräume umgewandelt worden. Ohne Erweiterung könnte die Schule 2014/15 nur einzügig Schüler aufnehmen – alle, die abgelehnt werden, müssten anderswo untergebracht werden, wo es auch schon eng ist, erklärte Arndt. Seine Warnung: Ohne die Aufstockung werde „ein sehr erfolgreiches System gegen die Wand fahren“.

Dennoch taten sich SPD und CDU schwer mit dem Vorhaben und wollten nur eine Sanierung der Fachräume bewilligen – die Schullandschaft sei im Fluss, womöglich werde der Platz bald gar nicht mehr so nötig gebraucht. Das rief Schulrätin Gisela Zimmermann auf den Plan. Vieles sei im Fluss, doch „absolute Konstanten“ seien die hohen Schülerzahlen in den Gemeinschaftsschulen am Lehmwohld und in der Klosterhofschule sowie der Wolfgang-Borchert-Regionalschule. Das werde auch in den nächsten Jahren so bleiben. „Ich warne dringend davor, den Schulraum im Kerngebiet von Itzehoe künstlich zu verknappen“, sagte sie. „Aus Sicht der Schulaufsicht ist es in höchstem Maße fahrlässig.“

Der Appell zeigte Wirkung. Nach kurzer Beratung stimmten auch CDU und SPD dem Plan zu.

Weniger gut ging es für die Gemeinschaftsschule am Lehmwohld aus. Statt einer Erweiterung für knapp 2,8 Millionen Euro soll es dort nur eine Sanierung der naturwissenschaftlichen Fachräume für 850 000 Euro geben. Während die übrigen Parteien für die große Lösung stimmten, setzten sich SPD und CDU durch, erneut mit Hinweis auf die ungewisse Entwicklung.

Daran konnten auch eindringliche Appelle von Elternvertretern und Schulleitung nichts ändern. Die Situation sei untragbar, hatten Anja Schamerowski und weitere Elternvertreter betont. „Wir wissen nicht mehr, wohin mit unseren Kindern.“ Die Container, eigentlich als Provisorium gedacht, seien längst marode. Die Kinder müssten in Jacken dort sitzen, das Tafelbild sei nicht lesbar. Eine Mutter sprach von herabfallenden Deckenteilen, eine andere betonte, dass die Situation zu Aggressivität der Kinder führe: „Die zerfleischen sich fast gegenseitig, die Kinder kommen gestresst nach Hause, die ganze Familie leidet schon darunter.“

Die Stadt habe ihr Wort gebrochen, sagte Schulleiter Hans-Joachim Sohrt. Es sei schon vor Jahren ein Anbau versprochen worden. Doch die Schule sei in der Prioritätenliste immer weiter nach unten gerutscht. „Das führt in eine Sackgasse.“ Es müsse auch dafür gesorgt werden, dass die Kinder, die jetzt in Heiligenstedten untergebracht sind, wieder am Lehmwohld unterrichtet werden können. „Ein Fachraum-Ersatz löst nicht die Raumproblematik.“ Mit der Erweiterung würden alle Probleme auf einmal gelöst, unterstrich sein Stellvertreter. Die Pläne lägen in der Schublade, 70 000 Euro wurden dafür ausgegeben. Doch nicht einmal das Argument der Gegenfinanzierung zog: 163 000 Euro fielen jährlich weg, die Itzehoe für die Nutzung der Heiligenstedtener Räume zahlt.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen