zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 06:29 Uhr

Große Mehrheit für neues Amts-Haus

vom

Ehemaliger Rewe-Markt in Kellinghusen soll gemeinsamer Verwaltungssitz werden/Widerstand aus Hohenlockstedt - Klage wird vorbereitet

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Fitzbek | Der Amtsausschuss hat mit großer Mehrheit erwartungsgemäß das gemeinsame Verwaltungsgebäude auf den Weg gebracht. 27 Mitglieder stimmten für das Fünf-Millionen-Euro-Projekt auf dem ehemaligen Rewe-Gelände in der Kellinghusener Innenstadt. Neben einer Enthaltung gab es aber auch sieben Gegenstimmen, sechs kamen aus Hohenlockstedt, eine aus Mühlenbarbek. Die Hohenlockstedter Fraktionen von BfH, IHB und SPD hatten in der Diskussion vergeblich versucht, den Bau mit Worten zu verhindern. Jetzt wollen sie gerichtlich gegen das Vorhaben vorgehen.

Reinhold Wuttke vom Architektenbüro Studio 42 aus Neumünster stellte zuvor zwei Modelle vor - einmal auf der grünen Wiese gegenüber der ehemaligen Kaserne und zum anderen den Rewe-Standort in der Innenstadt. Aufgrund der innerstädtischen Anbindung und seiner Bürgernähe befürwortete der Planer diesen Entwurf - auch weil die Kosten mit 4,775 Millionen Euro etwas günstiger als beim Kasernenstandort ausfielen. Grund: Die Pfahlgründungen des ehemaligen Rewe-Marktes können übernommen werden. Wuttke geht davon aus, dass die Kosten eventuell durch den Erhalt vorhandenen Decken noch etwas geringer ausfallen. Mit Kostensteigerungen während des Baus rechnet er nicht, die "Kosten können als verbindlich angenommen werden", betonte Wuttke. Das Gebäude erhält das Amt kostenlos von der Stadt, die den ehemaligen Markt Anfang des Jahres für 148 000 Euro erworben hatte (wir berichteten). Bedingungen: Der Kellinghusener Bürgermeister erhält kostenfrei ein Büro im neuen Verwaltungssitz. Außerdem soll das Gebäude bereits zum 1. Juni auf das Amt übergehen.

Zum Beschluss gehört auch eine Kostenobergrenze von fünf Millionen Euro. Finanziert werden soll der Bau aus der Rücklage, in der sich 4,14 Millionen Euro befinden, und mit Krediten.

Rades Bürgermeister Hinnerk Egge zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung. "Das neue Verwaltungsgebäude wird das Gesicht Kellinghusens positiv beeinflussen."

Dies spielte für die meisten Hohenlockstedter Amtsausschussmitglieder eine untergeordnete Rolle - sie votierten gegen den Bau. "Fünf Millionen Euro für ein Gebäude auszugeben, das wir nicht brauchen, ist Verschwendung", betonte Carsten Fürst (Bürger für Hohenlockstedt). Ein zentraler Verwaltungssitz sei nicht notwendig, da das Rathaus in Hohenlockstedt und das Gebäude in der Kellinghusener Brauerstraße "uneingeschränkt" nutzbar seien. Eine Ersatzlösung für das Kellinghusener Rathaus zu suchen, sei nie in Erwägung gezogen worden. Der Beschluss zum Bau widerspreche einer sparsamen Haushaltsführung und belaste die Gemeinde - auch durch eine zu erwartende Erhöhung der Amtsumlage. Den Kommunen würden damit Gelder für die Erledigung gemeindlicher Aufgaben entzogen. Und letztendlich sei in dem bei der Fusion zum Amt Kellinghusen geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vertrag der Erhalt aller drei Standorte zugesichert worden.

Der Hohenlockstedter SPD-Fraktionsvorsitzende Friedrich Kortüm hielt sogar - wie auch zuvor immer betont - den ganzen öffentlich-rechtlichen Vertrag für unzulässig. "Wir investieren fünf Millionen Euro, obwohl wir nicht wissen, wohin die Fahrt geht." Denn nach Ansicht von Kortüm ist eine landesweite Strukturreform mit Änderung der Amtsgrenzen nach wie vor notwendig. Einzig der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Holste stimmte aus Hohenlockstedt einem gemeinsamen Gebäude zu. "Wenn eine deutliche Mehrheit es so will, sollten wir es mittragen", appellierte er an seine Politikerkollegen aus Hohenlockstedt.

Unterstützung erhielten die Gegner von Kerstin Stark-Karczewski. Die Mühlenbarbeker Bürgermeisterin monierte, dass für den Bau keine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt worden sei und zahlreiche Kosten und Positionen überhaupt nicht berücksichtigt worden seien. Sie nannte unter anderem Kreditzinsen, Gebäudeabschreibung, Kosten für die Anmietung eines Bürgerbüros in Hohenlockstedt, Zinsausfall für die Rücklage und Möblierungskosten. Ihr Fazit: "Ein neues Gebäude ist nicht notwendig, einzig die Stadt Kellinghusen zieht ihren Nutzten daraus."

Für Amtsvorsteher Clemens Preine waren dies alles keine stichhaltigen Argumente. Denn zum einen habe es eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gegeben und zum anderen seien zwei beauftragte Gutachter zum Schluss gekommen, dass der Fusionsvertrag einen gemeinsamen Verwaltungsstandort zulasse. "Letztlich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu entscheiden. Alles ist gesagt."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen