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Verkehr : „Große Leistung für kleine Kohle“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie ein Förderverein hilft, die einzige Störfähre über Wasser zu halten. Jahresbilanz zeigt: Tausende nutzen die historisch gewachsene Verbindung zwischen Wilster- und Krempermarsch.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr nutzten 8909 Fußgänger und Radfahrer, 23  177 Pkw oder Kombis, 1137 Motorräder, 1468 Trecker zum Teil mit Anhänger, 2577 Wohnmobile und 394 Lkw die „Else“, um über die Stör zu kommen. Diese Zahlen nannte der Vorsitzende des Fördervereins „Störfähre Else“ während der Jahresversammlung in Beidenfleth. Spitzenmonate seien dabei der Mai und der September gewesen.

Der Förderverein ist eine von mehreren Schultern, auf denen die einzige Störquerung zwischen Sperrwerk in Wewelsfleth und Klappbrücke in Heiligenstedten ruht. Eigentümer sind die Gemeinden Beidenfleth und Bahrenfleth, Betreiber ist Manfred Kleinke mit den Pächtern Paul Rademann und Jörg Kolz. Vorsitzender Horst Heinrich schwärmte von „großer Leistung für kleine Kohle“. Er hob aber auch das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen hervor, die so ihren Beitrag dazu leisten, die Fähre auch weiterhin über Wasser zu halten. Ein Beispiel macht die finanziellen Dimensionen deutlich: 800 bis 900 Euro würde ein zweimal im Jahr fälliger Seilwechsel durch eine Fachfirma kosten. Die Helfer machen das für eine warme Mahlzeit.

Mit Beiträgen der rund 220 Mitglieder und dem Reinerlös aus dem „Singen für Else“ am 1. Mai trägt auch der Förderverein seinen Anteil dazu bei. Statt wie bisher 4000 bis 4500 Euro wird es aus der Vereinskasse für dieses Jahr allerdings nur noch 3500 Euro Zuschuss geben. Umso mehr freut man sich über jedes weitere Mitglied. Frisch eingetreten, gab es für Peter Lucht denn auch Sonderapplaus. Und Kassenwart Günter Meyer entpuppte sich als echtes Verkaufstalent. Er bot „Else“-Kaffeebecher und Schlüsselanhänger für den guten Zweck an.

Große Hoffnungen auf sprudelnde Zusatzeinnahmen setzen Heinrich und sein Förderverein auf den im nächsten Jahr beginnenden Neubau der Klappbrücke Heiligenstedten. Vorstandsmitglied und Kreistagsabgeordnete Ilona Adamski sprach von einer voraussichtlichen Bauzeit von einem dreiviertel Jahr. Aus Sicht von Heinrich können sich die Arbeiten aber gerne weiter hinziehen.

Wohl beerdigt hat der Förderverein alle Bemühungen um eine Anerkennung von Gemeinnützigkeit. Da der Fährbetrieb naturgemäß gewinnorientiert ist, spielt das Finanzamt da nicht mit. „Das hat alles wenig Aussicht auf Erfolg“, so Heinrich. Das Einschalten eines fachkundigen Anwalts sei mit hohen Kosten verbunden, wobei ein Erfolg keineswegs garantiert sei. Vermutlich wird der Förderverein auf der nächsten Versammlung offiziell beschließen, dass das Thema nicht weiter verfolgt werden soll. Abschließend konnte sich Horst Heinrich noch einen kleinen Seitenhieb auf die Pläne für einen Kreishaus-Neubau nicht verkneifen. „Man sollte auf schöner Wohnen verzichten und lieber alle Kreistagsabgeordneten zweimal im Jahr für einen Arbeitsdienst in Gummistiefeln an den Anlegern verpflichten – plus einem jährlichen Zuschuss von 50  000 Euro.“ Wohlwissend sprach der Vorsitzende von einem Traum. Zum Hintergrund: Bei der Störquerung handelt es sich um eine Kreisstraße.

Ganz real hingegen wird wieder das „Singen für Else“ sein. Die Erfolgsveranstaltung am 1. Mai beginnt wie gewohnt mit einem Gottesdienst. Auftritte der Nordlichter aus Kleve, des Brunsbütteler Lotsenchors Takelure und des Lägerdorfer Shantychors schließen sich an. Erstmals bietet der Verein zuvor auch ein kleines Frühstück mit Kaffee und Brötchen an. Die anstehenden Regularien an der Spitze des „Fähre-über-Wasser-Halter-Vereins“ gingen zügig über die Bühne. Horst Heinrich als Vorsitzender und Schriftführerin Ilona Adamski wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

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