Firmenfreundschaft : Große Hilfe nach dem Großfeuer

Übernommen: Jonas Kruse (18) war Auszubildender zum Zerspanungsmechaniker bei der Firma Walter Otto Müller von Lutz Bitomsky (Mitte). Jetzt bereitet er sich bei Borba und Fehim von Borstel (r.) auf die Prüfung vor.
1 von 2
Übernommen: Jonas Kruse (18) war Auszubildender zum Zerspanungsmechaniker bei der Firma Walter Otto Müller von Lutz Bitomsky (Mitte). Jetzt bereitet er sich bei Borba und Fehim von Borstel (r.) auf die Prüfung vor.

Viel Unterstützung für Firma Walter Otto Müller: Übergangslösung in einer Halle der Firma Borba in der Störfischerstraße.

von
08. Juni 2014, 08:00 Uhr

Der Brand ist sechs Wochen her. Die Produktion der Firma Walter Otto Müller in der Zusestraße liegt in Trümmern. Doch das Unternehmen lebt: „Was ich in den letzten Wochen hier in der Region an Hilfsbereitschaft erfahren haben, finde ich ganz enorm“, sagt Geschäftsführer Lutz Bitomsky (50). Gemeint sind damit viele, einer aber besonders: Fehim von Borstel (52), Geschäftsführer der Firma Borba. In einer Halle des Feinwerkmechanik-Fertigers ist Walter Otto Müller untergekommen.

Auf den 1000 Quadratmetern in der Störfischerstraße ist gerade die erste Fräsmaschine aufgebaut worden. Zwei weitere folgen in Kürze. In spätestens drei Monaten solle bei der Produktion von Frontplatten, Schildern oder auch Profilen in mechanischer Hinsicht der Stand von vorher erreicht sein, sagt Bitomsky. Andere Bereiche wie Galvanik und Beschichtungen werden länger beeinträchtigt. Büroräume hat er in der Kaiserstraße angemietet, produziert wird teils auch bei Partnern in Hamburg und Ellerau. Nun fahren sogar – wegen einer besonderen Bürst- und Schleifmaschine – immer wieder Mitarbeiter nach Nordrhein-Westfalen.

Vieles aus der Produktion habe aber Borba als Auftragsfertigung übernommen, sagt Bitomsky. Auch seine Angestellten können Borba-Maschinen nutzen, zudem wurden die vier Auszubildenden zum Zerspanungsmechaniker übernommen, bis Walter Otto Müller sie wieder selbst ausbilden kann. „Ganz toll, eine ganz große Geste“ findet Bitomsky. „Für mich war es selbstverständlich zu helfen“, sagt von Borstel. Die Firmen hätten eine gute Beziehung, immer vertrauensvoll zusammengearbeitet und Know-how ausgetauscht. Es sei wichtig gewesen, Bitomskys gut 60 Mitarbeitern gleich zu zeigen, dass es weitergehe – reichlich Dank bis hin zu Umarmungen war von Borstel sicher. Viel ist abzustimmen und zu improvisieren, in beiden Firmen wird sechs Tage in der Woche gearbeitet. Und eigentlich hatte Borba eigene Pläne für die von den Gästen genutzte Halle: „Wir haben unsere Ziele ein bisschen verschoben“, so von Borstel. „Es war erstmal Priorität zu helfen.“

Geht es nach Bitomsky, dauert dieser Zustand bis Jahresende. Erst schlug die Stunde der Gutachter – eine Schadenssumme gibt es bisher nicht, der Geschäftsführer geht von 7 bis 7,5 Millionen Euro aus. Nun steht der Wiederaufbau an. 200 Tonnen Müll seien zu entsorgen, die Firma dafür muss erst einmal gefunden werden. Wenn die Sohle der Produktionshalle mit Fußbodenheizung noch zu gebrauchen ist, will Bitomsky im Dezember wieder einziehen, sonst im Februar. „Ich weiß, dass das sportlich ist“ – andererseits sollen dieselben Firmen wieder arbeiten, die das Anfang 2012 eingeweihte Gebäude errichtet hatten: „Wir bauen es ja Eins zu Eins wieder auf.“

Vieles laufe jetzt nicht komfortabel – zum Beispiel die beiden kleinen Backöfen für die Drucke statt der großen Anlage vorher. Oft muss improvisiert werden. Doch die Zeit solle sinnvoll genutzt werden, auch mit Fortbildungen, sagt Bitomsky. „Es macht momentan außer den Büroleuten kaum einer das, was er vorher gemacht hat.“ Wenigstens habe die Verwaltung dank des „guten Jobs“ der Feuerwehr gerettet werden können. Wasser und Rauch haben den Trakt beschädigt, aber Unterlagen zu den Kunden sind im Original erhalten.

Auch von dort gebe es viel, teils rührenden Zuspruch, sagt Bitomsky. Längere Lieferzeiten würden, wenn möglich, akzeptiert. Den Kontakt zu halten, sei das Allerwichtigste – und ab August wolle er Akquise und Vertrieb deutlich ausbauen. Wie bei Borba sei der Markt für die Qualitätsprodukte da, deshalb mache er sich um die Kunden keine Sorgen: „Wenn es die letzten zehn Jahre funktioniert hat, funktioniert das auch jetzt wieder.“

Geklärt ist nach Bitomskys Worten die Brandursache: "eine Verquickung von unglücklichen Umständen“. Ein Mitarbeiter habe Ethanol, den gängigen Schmierstoff für die Maschinen, umgefüllt, eine geringe Menge sei auf dem Boden gelandet. Dieser ist sehr glatt, das habe die Bildung eines Gas-Luft-Gemisches begünstigt. Der Mitarbeiter wischte auf, dann fiel die Einfüllpistole runter, ein Funke entzündete das Gas-Luft-Gemisch. Das kleine Feuer habe der Angestellte ersticken wollen – mit dem eben benutzten Wischlappen. Er verbrannte sich die Hand, ist jetzt auf dem Weg der Besserung. Den Drei-Liter-Kanister mit Ethanol trat er zur Seite, weg vom Feuer. Doch er war noch offen. Nun war der Brand nicht mehr einzudämmen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen