Große Gemeinschaft in der Fastenzeit

Ausgiebiges Mahl für Gastgeber und Besucher sowie Imam Selohattin Getkin (Mitte sitzend).
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Ausgiebiges Mahl für Gastgeber und Besucher sowie Imam Selohattin Getkin (Mitte sitzend).

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16. Juli 2015, 05:00 Uhr

Durcheinander und Stimmengewirr vor dem Haus. Zelte mit langen Tisch- und Stuhlreihen warten, immer mehr Besucher treffen ein. Plötzlich wird es ruhig, als der Imam zum Abendgebet ruft. Danach werden die Plätze in den Zelten eingenommen, ein ausgiebiges Essen folgt. So wie jeden Abend bis in die Nacht während des Fastenmonats Ramadan in der Moschee am Bahnhof.

Der Türkisch-Islamische Kulturverein hat an den 30 Tagen des Fastenmonats jeden Abend zwischen 70 bis 120 Menschen in der Wilhelm-Biel-Straße 7 willkommen geheißen, überwiegend Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. „Am Wochenende waren es noch einige mehr“, sagt Irfan Kocatürk, der das allabendliche Essen organisiert hat.

Tagsüber ist den Gläubigen der Verzehr von Speisen und Getränken untersagt, erst nach Sonnenuntergang darf gegessen werden. Spendiert hat das ausgiebige Mahl mit Vorsuppe, Hauptgericht und Nachspeise Textilunternehmer Matin Abdul Tatari aus Rethwisch, der auch häufiger zu Besuch kam. Der Rest war Gemeinschaftsarbeit: Koch Ibrahim Alahdal bereitete das Essen mit fünf Freunden vor, seine syrischen Freunde verteilten es – nach Männern und Frauen getrennt – an die Besucher. Recip Dag mit seiner Erfahrung als Dönerladen-Besitzer kümmerte sich mit Murat Azart um Einkauf und Buchführung. Vereinsvorsitzender Adnan Vural organisierte Zelte, Sitzgelegenheiten und Genehmigung.

Auch Flüchtling Hasan Sari (23) aus Syrien arbeitet mit, verteilt das Essen. In Syrien hat er sechs Semester Mathematik studiert, bevor er vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland floh. Jetzt befindet er sich in der Eingliederungszeit. „Mir gefällt das geregelte Leben hier, der Lebensstandard ist gut. Aber der Anfang ist schwer.“ Nach nur neun Monaten beherrscht er Deutsch sehr gut. Glücklich ist Sari, weil er anderen helfen kann. „Denn es gibt viele, die ledig sind und nicht kochen können.“

Gefeiert wird Kadir, der heiligen Abend vor dem Feiertag Ramazan (Fastenbrechen) morgen mit etwa 100 Frauen und Männern, hauptsächlich Flüchtlinge. Dass sie auf diese Weise zusammenkamen und den Ramadan feiern konnten, freut Organisator Irfan Kocatürk besonders. Er wünscht sich eine Wiederholung – und einen ähnlich großzügigen Sponsor für das Essen.

Als Gäste dabei sind der ärztliche Direktor im Klinikum Itzehoe, Michael Kappus, und Klinikseelsorger Pastor Paul Kah. Der lobt den positiven, offenen Umgang miteinander: „Es ist schön, dass verschiedene Nationen friedlich miteinander essen können.“ Kappus schildert eine Initiative im Klinikum: Auf jeder Station informiert ein Plakat, dass Mitarbeiter aus 40 Nationen zusammenarbeiten. „Das Klinikum als größter Betrieb im Kreis ist offen für alle Kulturen, und es ist schön, dass es hier auch so ist.“

Das Ende des Fastenmonats wird morgen ab 6.15 Uhr in der Moschee gefeiert. Zum Frühstück von 7 bis 10 Uhr ist jeder willkommen.

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