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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 20:24 Uhr

Große Bilder und kleine Postkarten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Künstlerin Christine Wianka macht aus Großformaten gezeichnete Glückwunsche und kommt damit zum Erfolg

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2016 | 00:38 Uhr

In naturalistischer Darstellungsweise erzählen ihre Werke mal farbenfroh, mal auch farblich reduziert eine eigene Geschichte. Die Bilder von Künstlerin Christine Wianka (72) aus Glückstadt haben einen speziellen Humor, ihre Kunst ist gekonnt, vielfältig und variantenreich.

In der farbigen Zeichnung „Trau ich mich?“ etwa streckt ein Entenküken seine Flosse von einem höhergelegenen Steg über einen drunter stehenden Eimer aus. Ein Eskimo ist in der Technik Japanischer Tusche dargestellt. Ein beeindruckendes Bild ist die Farbzeichnung „Kontrollgang“, die aus der Perspektive einer Maus das wilde Gesicht einer Katze vor dem Mäuseloch zeigt.

Die Malerin reiste durch Italien, Frankreich, England, Österreich und die Schweiz. Sie malte reale und fantastische Landschaften, die Sehnsuchtsorte in der Wüste, einen Bauernhof an der holländischen Grenze oder eine Ballonwettfahrt und Kalifornien als Glückwunschkarte. Doch sie konnte ihrer Kunst lange nicht nachgehen, weil als Mutter, Tochter und Frau einfach die Zeit dafür fehlte.

Anfangs sei sie oft für ihre Bilder belächelt worden. „Ich war mit der Resonanz auf meine Kunst nicht zufrieden. Sie verkaufte sich nicht. Ich musste also etwas inszenieren, um meine Sachen an die Leute zu bringen.“

Sie hat eine Lösung gefunden: Die Arbeiten ihrer gesamten Mappe hat sie einzeln in ein kleineres Format in Postkartengröße kopieren lassen und die Bilder in Passepartout-Briefkarten eingeklebt. „Ich kaufte Briefumschläge und habe diese in Zellophan eingeschweißt. Die können bestens als Glückwunschkarte verwendet werde“, sagt sie. „Und das kam riesig gut an.“

Seitdem sie seit fünf Jahren diese Briefkarten macht, ist das Interesse an ihrer Kunst da. „Sie können auch als Jubiläums- oder Trauerkarten verwendet werden.“ Im Bild „Versunken“ ist ein Flötenspieler im Barockkostüm wie in einer Zeichnung von Rembrandt zu sehen. Die Zeichnung „Saxofonspieler“ verbildlicht einen Witz. Lokalkolorit ist in ihren Werken ebenso enthalten: In einer Tuschezeichnung hat die Künstlerin die Pfeifen der Glückstädter Orgel abgebildet.

Christine Wianka hat später auch den Versuch gemacht zu abstrahieren, in Bildern mit Titeln wie „Strudel“, „Nebel von Avalon“ und „Urknall“ nach einer Sonneneruption und auch hier einiges an Inspiration erkennen lassen. Nur hat sie das nicht weiter verfolgt, weil es ihr weniger gefiel. Statt dessen kommen ihre klassisch gemalten Werke auf den Postkarten nun auch öffentlich zur Geltung. Um die zu malen, braucht Wianka kein Atelier. „Ich male an einem Tisch im Wohnzimmer mit gutem Licht.“

Eigentlich kommt sie aus dem Ort Brandenburg an der Havel westlich von Berlin und ist in der DDR aufgewachsen. Dort hat sich ihr Faible für die Kunst früh heraus kristallisiert. „Ich habe schon als Kind viel gemalt“, erzählt sie. Weil sie nach dem Urteil mehrerer Maler talentiert gewesen sei, erhielt sie Unterricht. Christine Wianka malte schon im 12. Lebensjahr in Öl und erhielt bis zum 15. Lebensjahr Unterricht.

Da sie in der ehemaligen DDR nicht Kunst studieren durfte, machte die Künstlerin nach einer Pädagogik-Ausbildung für die Grundschule eine Lehre als Fotografin und unterrichtete ab 1963 an der Pädagogischen Hochschule in Potsdam Studenten in Schmalfilm und Fotografie.

Sie arbeitete ab 1975 am Polytechnischen Museum in Schwerin als Museumspädagogin und lehrte dort Technik, Biologie, Geschichte und Landschaftswirtschaft. Christine Wianka war zudem für die Fotografie zuständig und hat die Objekte konzeptionell erarbeitet. Nach Scheidung und Ausreiseantrag kam sie 1989 nach West-Berlin.

„Durch Hochzeit, Familie und Kindern blieb auch dort zunächst keine Zeit für die Malerei, aber mein Sohn hielt mich später dazu an, meiner Leidenschaft weiter nachzugehen.“ Erst 2000 nach einer Krankheit widmete sich wieder verstärkt der Kunst, weil sie sich etwas zulegen wollte, um geistig fit und in Form zu bleiben. So nahm sie an der Humboldt-Universität noch einmal drei Jahre lang Unterricht in der Aquarellmalerei. Drei kleinere Ausstellungen in Berlin mit anderen Malschülern folgten.

Gemeinsam mit ihrer Mutter kam sie dann 2005 nach Glückstadt, wo diese dann in ein Heim zog. „Dann hatte ich wieder richtige Muße zu malen.“ Nun hatte sie Ausstellungen im Detlefsengymnasium, im Gemeindehaus, sowie eine Doppelausstellung im „Artequarium“ und der Gaststätte „Zur Alten Mühle“ am Hafen.

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