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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 10:37 Uhr

Großartige Solistin an der Harfe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Im Mittelpunkt des Sinfoniekonzerts im halbwegs gut besuchten Theater stand die Harfe, ein Instrument, das die Menschheit schon durch die gesamte Kulturgeschichte begleitet. Spätestens seit David die Depressionen des Königs Saul per Harfenmusik therapierte, wohnt dem wuchtigen Instrument und seinen filigranen Tönen ein Zauber inne, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Hedvika Mousa zeigte dann auch, dass die Harfe nicht nur seitlich im Orchester mitrauschen darf, sondern dass sie als Solo-Instrument eine eigenständige Qualität entwickelt. Das gesamte spieltechnische Spektrum fordert Camille Saint-Saëns (1835-1921) in seinem Stück für Harfe und Orchester (op. 154). Neben den harfentypischen und so geheimnisvoll klingenden Glissandi, in denen die Solistin ihre Hände über die Saiten gleiten lässt, fordert Saint-Saëns auch die Flageolett-Töne, wo die Saite zugleich gedrückt und gezupft wird. Dieser spannungsvolle und geheimnisvolle Klang charakterisiert auch Claude Debussys (1862-1918) „Danses sacrée et profane” für Harfe und Streichorchester. Die Solistin überzeugte mit dem sphärischen Klang, von dem gleichsam ein inneres Leuchten ausging. Faszinierend, wie die Solistin ihrer Harfe das Verklärend-Schwebende entlockte. Großartig!

Weniger überzeugend wirkte das Verhalten der Musiker des Ensemble Smetana Philharmoniker Prag unter Leitung von Hans Richter. Mitten im begeisterten Beifalls des Publikums für die Harfen-Solistin verließen alle Bläser nach dem Saint-Saëns-Stück ihre Plätze. Das wirkte wenig galant und fällt in die Kategorie „unprofessionell“. Auch zwar diskrete, aber unübersehbare Plaudereien und nonverbale Spaß-Kommunikation unter den Streichern zeugten von mangelnder Konzentration im Ensemble. Immerhin gelang dem Orchester, nicht zu verwechseln mit den Prager Symphonikern, dann nach der Pause mit Dvoráks selten gehörter 8. Sinfonie ein bisschen Versöhnung. Verve und Glücksempfinden, was diese „Englische Sinfonie” kennzeichnet, kam zwar nicht über die Rampe, aber immerhin war im Schluss-Satz ein wenig Glut zu spüren.

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