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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 12:32 Uhr

Krankheit : Grippe hat die Region fest im Griff

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ärzte verzeichnen starken Anstieg der Atemwegserkrankungen. Grippe-Impfstoff weniger wirksam als in den Vorjahren

von
erstellt am 27.Feb.2015 | 04:45 Uhr

Wer einen optischen Beleg dafür sucht, dass die diesjährige Grippe-Saison in vollem Gange ist, kann dies am Parkplatz vor der Gemeinschaftspraxis Herzhorn ablesen: Zur Sprechzeit ist dort kaum mehr ein Parkplatz zu bekommen. „Ja, der Eindruck täuscht nicht – es ist viel los“, sagt Dr. Ursula Preuß, Fachärztin für Allgemeinmedizin, die hier mit ihren vier Kollegen Patienten behandelt. „Die Grippe schlägt dieses Jahr wohl wieder etwas stärker zu.“ Auch in der Gemeinschaftspraxis „Am Fleth 42“ in Glückstadt stellt Dr. Hans-Christoph von Zezschwitz ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen fest: „Wir hatten am Montag 25 unangemeldete Patienten. Viele mit einem grippalen Infekt, aber es waren auch einige echte Grippe-Fälle dabei.“

Eine „stark erhöhte Influenza-Aktivität“ meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin, der zentralen Forschungs- und Überwachungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten, aktuell für alle Teile Deutschlands. Influenza-Viren sind die Erreger der „echten“ Grippe, die im Vergleich zur banalen Erkältung in der Regel deutlich hartnäckiger verläuft und öfter zu Komplikationen führt. Nach neuesten Berechnungen des RKI stehen in Jahren mit schweren Grippe-Ausbrüchen bis zu 30    000 Todesfälle in Deutschland mit dem Influenza-Virus in Verbindung.

Die Zahlen schwanken jedoch von Jahr zu Jahr stark. Die Erreger verändern sich ständig und sind nicht in jeder Saison gleich aggressiv. Nachdem im Winter 2012/2013 eine heftige Grippewelle durch Deutschland rollte, war die Lage 2013/2014 wesentlich entspannter. Nun scheinen die Viren in diesem Winter wieder kräftiger zuzuschlagen. Wie lange die Viren noch ihr Unwesen treiben, ist auch für die Experten schwierig einzuschätzen. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts wagt gegenüber unserer Zeitung keine Prognose darüber, ob der Höhepunkt der Grippe-Welle in Deutschland bereits erreicht ist.

„Der Kreis Steinburg ist in dieser Grippesaison bisher besonders betroffen“, sagt Jochen Wiese, Abteilungsleiter für Infektionsschutz im Kreisgesundheitsamt. Auch er wagt keine genaue Prognose über den weiteren Verlauf. „Die Tendenz ist aber noch ansteigend.“ Ursula Preuß rechnet für das Einzugsgebiet ihrer Praxis noch mit einem etwa zweiwöchigen Anstieg der Erkrankungen, bevor sie wieder abflauen.

Unterscheiden lasse sich die Influenza-Grippe von einem normalen Infekt am Verlauf: „Während eine banale Erkältung meist langsam mit Halsschmerzen und laufender Nase beginnt, fühlt sich der Patient bei der klassischen Influenza-Erkrankung oft schlagartig sehr krank“, erklärt Preuß den Unterschied. Hohes Fieber bis zu 40 Grad und trockener Husten seien weitere Anzeichen für eine echte Grippe.

Vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder chronischen Atemwegs-Erkrankungen sei eine Influenza-Grippe gefährlich, sagt Hans-Christoph von Zezschwitz. Komplikationen wie Lungenentzündungen sind für diese Patienten unter Umständen lebensbedrohlich. Der Mediziner rät deshalb auch jetzt noch zur Grippeschutz-Impfung. „Risikopatienten sollten sich noch impfen lassen, wenn sie es noch nicht getan haben. Auch wenn der Impfschutz erst nach 14 Tagen wirkt – ein paar Wochen wird die Grippe noch unterwegs sein.“

Allerdings wirkt der Impfschutz in diesem Jahr nicht so effektiv wie in anderen Jahren. „Der Impfstoff wird immer aus den Erfahrungen der letzten Saison und berechneten Veränderungen der Viren zusammen gestellt“, erklärt Ursula Preuß. „Es ist eine gute Portion Prognose darin, und dieses Jahr haben die Viren sich leider etwas anders entwickelt als erwartet.“ Deshalb erkranken vermehrt auch Menschen mit Impfung. „Die Krankheit verläuft bei ihnen aber in der Regel milder.“ Das Immunsystem ist besser auf die Erreger eingestellt.

An Grippe Erkrankten rät die Medizinerin vor allem zur Ruhe. Zwar gebe es Medikamente, so genannte Neuraminidase-Hemmer, die die Genesung beschleunigen können, aber deren Einsatz sei nicht unproblematisch. „Für Risikopatienten, etwa mit einer Herzerkrankung, ist das eine Option.“ Bei ansonsten gesunden Menschen verschreiben sie und ihre Kollegen die Präparate mit Nebenwirkungen aber nicht.

Am Besten helfen immer noch die alten Hausmittel: Viel trinken, viel Schlaf und viel frische Kost. „Es klingt immer etwas großmütterlich, aber es ist tatsächlich so“, sagt Preuß. „Für unseren Körper ist eine echte Grippe Schwerstarbeit. Da hilft es, wenn alles andere, was Energie verbraucht, auf Sparflamme läuft. Die Hausmittel seien übrigens auch die beste Vorsorge, um gar nicht erst krank zu werden, fügt sie hinzu.








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