Itzehoe : "Graf von M." und seine Lügen

Landgericht schickt 44-jährigen Betrüger in die Psychiatrie

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20. Mai 2011, 08:08 Uhr

itzehoe | Als Frank M. kam er nicht sehr weit. Als Graf von M. lief es schon besser. Aber nicht legal: Wegen diverser Betrugstaten ist ein 44-Jähriger vor dem Landgericht zu 27 Monaten Haft verurteilt worden. Zudem ordnete das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Die Gutachterin hatte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fest gestellt.

Frank M. hat einen Sonderschul-Abschluss und keine Ausbildung. In Kassel geboren, hat er einen großen Teil seines Lebens in Bayern verbracht. Dort war er im Sommer 2008 im Krankenhaus: Ein Herzleiden, und er habe keine Luft bekommen, erklärte der Angeklagte. Er ließ sich zu Spezialisten nach Hamburg verlegen - und dort in der Klinik lernte er eine etwas ältere Kremper heiderin kennen.

Bei ihr wohnte er einige Zeit. Aber nicht als Frank M., sondern als Graf von M. aus Österreich, erfolgreicher Steinmetz und Bildhauer. In dieser Rolle wollte er der Kremperheiderin in einem Itzehoer Autohaus einen Mercedes für 48 000 Euro kaufen. Sie unterschrieb den Vertrag, doch die ver sprochene Überweisung aus Österreich kam nie. Deshalb wurde auch das Auto nicht übergeben. Die Kremper heiderin bekam Schwierigkeiten, das tue ihm bis heute leid, sagte der 44-Jährige.

Er gestand den versuchten Betrug: "Ich weiß net, warum ich das getan hab." Die Hochstapelei sei ein großer Fehler gewesen, er habe etwas Besseres sein wollen. Denn er habe gemerkt, dass sich die Menschen ihm gegenüber ganz anders verhielten, wenn er als Graf von M. auftrat. "Ich kam mir vor wie ein Schauspieler."

Auch im Klinikum Itzehoe wollte er mehr sein, als er war. Im August 2008 ließ er sich dort vom Chefarzt der Medizinischen Klinik ambulant behandeln. 267,70 Euro für den Privatpatienten, doch die Beiträge für die Versicherung hatte er nicht gezahlt. Davon erzählte er auch zwei Wochen später in einer Kasseler Klinik nichts. Die offene Rechnung dort: 456 Euro. Der 44-Jährige gestand: Er habe zu viel gearbeitet, sich nicht um seine Post gekümmert und das Geld für anderes ausgegeben.

Laut Anklage hatte er sich zudem neun Mal Geld von der Kremperheiderin geliehen, insgesamt einige 1000 Euro. Einen Teil davon gab er zu, einen Teil bestritt er. Am Ende blieben drei Taten übrig mit einer Gesamtsumme von knapp 2000 Euro.

Der Angeklagte hatte diverse Vorstrafen wegen Betrugs, nach Itzehoe kam er aus der Haft im brandenburgischen Bernau. Die Gutachterin stufte ihn mit seiner Persönlichkeitsstörung als pathologischen Lügner ein. Daraus schloss das Gericht unter Vorsitz von Klaus Emmermann auf Wiederholungsgefahr und entschied sich für das scharfe Schwert der Unterbringung. Der 44-Jährige kann noch Rechtsmittel einlegen.

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