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Jüdischer Friedhof : Grabsteine für die Ewigkeit

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Sanierung des jüdischen Friedhofes in Glückstadt im ersten Teil abgeschlossen/ Rabbi Dov-Levy Barsilany kommt zur Bauabnahme

Rabbi Dov-Levy Barsilany sprach ein Gebet auf hebräisch. Alle verharrten in Stille. Der Besuch auf dem jüdischen Friedhof gestern hatte etwas Würdevolles, Friedliches. Alle Männer trugen eine Kopfbedeckung, so wie es für den Besuch eines Friedhofes vorschrieben ist.

Eigentlich handelte es sich schlicht um eine Bauabnahme. Zu dieser war Viktoria Ladyshenski von der jüdischen Gemeinde ebenso gekommen wie Dr. Margita Meyer vom Landesdenkmalamt, Dr. Joachim Jacobs, der das Konzept für den Glückstädter jüdischen Friedhof im Auftrag des Landesdenkmalamtes erstellt hat, und Vertreter des Glückstädter Bauamtes.

Die Atmosphäre bei der eigentlichen Abnahme war entspannt, denn die Steinmetze Wolfgang Fischer-Ohl und Wilfried Christiansen haben gute Arbeit geleistet. Dr. Joachim Jacobs erklärte, dass er sich beim Konzept am Altonaer Friedhof orientiert hat. „Altona ist in die UNESCO-Liste als mögliches Weltkulturerbe aufgenommen worden. Und da hängt auch der Glückstädter Friedhof dran. Er würde dadurch eine viel größere Bedeutung bekommen“, erklärte der 54-Jährige. Viele Familien kamen seinerzeit aus der Gemeinde Altona nach Glückstadt.

„Der jüdische Friedhof in Glückstadt ist der bedeutendste in Schleswig-Holstein“, erklärte Dr. Margita Meyer, warum dass Landesdenkmalamt 40 000 Euro für die Sanierung des jüdischen Friedhofes in Glückstadt zur Verfügung gestellt hat.

Als Gäste dabei waren auch von der Detlefsen-Gesellschaft Christian Boldt, Ruth Möller und Elke Witt. Letztere erinnert sich noch an die Zeit als 1941 die nationalsozialistische Stadtverwaltung den Friedhof abräumen ließ, um auf dem Gelände eine Bezirksabgabestelle für Obst und Gemüse zu errichten. Die Grabsteine blieben zum Teil liegen, andere wurden in einer Ecke gestapelt.

Was aus heutiger Sicht hilfreich ist: 1940 wurde ein Bestandsplan des Friedhofs erstellt. Auf diesem wurden laut Dr. Jacobs akribisch alle Grabsteine verzeichnet. „Teilweise sogar mit Namen der – aschkenasischen – zuletzt Bestatteten.“ 132 sephardische und 30 aschkenasische Grabsteine wurden im Verzeichnis aufgenommen.

Dr. Jacobs: „In Glückstadt sind trotz des barbarischen Umgangs mit dem Friedhof während der NS-Zeit immerhin 88 sephardische und elf aschkenasische Grabsteine erhalten. Wo 44 sephardischen und 19 aschkenasischen Grabsteine geblieben sind ist unklar.“

Die Arbeiten sind jetzt weitestgehend abgeschlossen. Was noch fehlt, ist ein neuer Zaun. Doch dafür ist zurzeit kein Geld vorhanden. Die jüdische Gemeinde hat keines, das Denkmalamt hat seinen Etat ausgeschöpft. Die Hoffnung liegt auf Spenden. Der Ort wird von Dr. Jacobs auch als museal angesehen, weil die Grabsteine so eine hohe Bedeutung haben.

Rabbi Dov-Levy Barsilany erinnerte gestern auch an Jakob, der laut altem Testament den ersten Grabstein aufstellte und diesen als „göttlichen Ort“ bezeichnete. Seither sei es eine religiöse Vorschrift, dass Verstorbene nicht in Vergessenheit geraten. Gräber sind im jüdischen Glauben für die Ewigkeit. „Früher war es üblich auf die Grabsteine zu schreiben wer sie waren, was sie beruflich gemacht haben“, erklärte der Rabbi. Zu der Arbeit der Steinmetze lobte er dann ganz weltlich: „Alle Achtung.“ Denn die Steine wurden nicht nur neu gebettet, sie wurden auch gereinigt. Die hebräischen Inschriften sind jetzt gut leserlich.

Vergessen sind die Gräber in Glückstadt nicht: Elke Witt hat gesehen, dass jemand nach Beendigung der Sanierung Margeriten auf jedes Grab gelegt hat.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 05:00 Uhr

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