Ausbildungsstart in Steinburg : Goldene Zeiten für Azubis

Ernteeinsatz zum Ausbildungsstart: In den ersten Wochen ihrer Ausbildung zu Groß- und Außenhandelskaufleuten bei der Firma Trede & von Pein sind Lasse Bornhöft, Peer Sievert und Levke Hinz (v.l.) mit dem Sortieren und Untersuchen von Getreibeproben beschäftigt.
Ernteeinsatz zum Ausbildungsstart: In den ersten Wochen ihrer Ausbildung zu Groß- und Außenhandelskaufleuten bei der Firma Trede & von Pein sind Lasse Bornhöft, Peer Sievert und Levke Hinz (v.l.) mit dem Sortieren und Untersuchen von Getreibeproben beschäftigt.

Auszubildende sind auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt. Unternehmen kämpfen inzwischen mit sinkenden Bewerberzahlen und schwachen Kandidaten.

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01. August 2018, 05:00 Uhr

Wenn heute zahlreiche Auszubildende in ihren neuen Betrieben starten, steht Peer Sievert schon mit beiden Beinen im Berufsleben. Der angehende Groß- und Außenhandelskaufmann hat seine Ausbildung beim Getreide- und Futtermittelhändler Trede & von Pein bereits am 16. Juli gestartet. Denn dort arbeiten die Auszubildenden voll in der Getreideernte mit. Und die startete in diesem Jahr besonders früh.

Dass Sievert nach der Schule im landwirtschaftlichen Bereich arbeiten wollte, war dem 19-jährigen Abiturienten aus Marne schon lange klar. Seinen Berufswunsch zu erfüllen, ist ihm nicht schwer gefallen: Exakt zwei Bewerbungen hat Sievert nach eigener Auskunft verschickt. Bei beiden Unternehmen bekam er eine Zusage und entschied sich für Trede & von Pein.

15 Auszubildende hat das Unternehmen mit Hauptsitz an der Rudolf-Diesel-Straße direkt an der Stör in diesem Jahr eingestellt. Sechs werden wie Sievert Groß- und Außenhandelskaufleute, drei Berufskraftfahrer, drei Industriemechaniker, einer Elektroniker. Das Tochterunternehmen Zoo & Co bildet zwei Einzelhandelskaufleute aus, berichtet Ausbildungsleiterin Birge von Pein. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen bei rund 350 Mitarbeitern etwa 40 Auszubildende an den verschiedenen Standorten.

„Wir haben bisher alle Stellen zu unserer Zufriedenheit besetzen können – zum Glück“, sagt von Pein. Denn Ausbildung sei sehr wichtig für das Familienunternehmen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, unsere späteren Fachkräfte selbst auszubilden. Wer hier gelernt hat, passt in aller Regel besser zum Unternehmen und bleibt länger.“ Außerdem sei es zunehmend schwieriger fertige Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Und der Bedarf an Nachwuchs ist groß: „Wenn man sich die Altersstruktur unserer Belegschaft ansieht, wird deutlich, dass in fünf bis zehn Jahren viele in den Ruhestand gehen. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Sorge bereitet von Pein daher, dass immer weniger Jugendliche sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben. „Vor einigen Jahren haben wir bei den Kaufleuten noch etwa 80 Bewerbungen bekommen, dieses Jahr waren es vielleicht 30.“ Bei den technischen Ausbildungsgängen sei es noch schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden.

Damit liegt das Itzehoer Unternehmen voll im allgemeinen Trend, bestätigen Experten. Unternehmen falle es zunehmend schwerer, geeignete Auszubildende zu finden, sagt Hans Joachim Beckers, Ausbildungsexperte der Industrie- und Handelskammer für Schleswig-Holstein. Nach reinen Zahlen gebe es im Land zwar genügend Kandidaten für alle Stellen, doch nicht immer passen die Vorstellungen und Fähigkeiten der Jugendlichen zu den Angeboten auf dem Arbeitsmarkt. Und auch das Bildungssystem habe sich geändert. Immer mehr Schüler mit mittlerem Abschluss streben das Abitur an, die Abiturienten dann ein Studium.

„Angespannt“ sei dadurch die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der Region aus Unternehmenssicht, sagt auch Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverband Unterelbe-Westküste. Nicht nur bewerben sich weniger junge Leute – die, die kommen, sind teilweise auch weniger geeignet. „Die schulische Leistungsfähigkeit der Auszubildenden ist schlechter geworden“, sagt Blöcker. „Außerdem wird sehr viel Zeit für den Ausgleich von Schwächen in Bereichen wie Kommunikation, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit aufgewendet.“ Betroffen seien alle Branchen. Im handwerklichen und technischen Bereich sei es besonders schwierig.

„Die Unternehmen müssen sich nach der Decke strecken“, sagt Beckers. Es gelte sowohl für Abiturienten attraktiver zu werden, als auch schwächere Kandidaten mit Nachhilfen und Ähnlichem zu qualifizieren. Als Ausbildungsbetrieb sichtbar zu sein und einen guten Ruf zu haben, sei das A & O, sagt Birge von Pein. Es gelte, die Ausbildung attraktiv zu gestalten und mit guten Übernahme- und Aufstiegschancen für sich zu werben. „Wer bei uns zum Beispiel vernünftig seine Ausbildung zum Berufskraftfahrer abschließt, hat ohne Wenn und Aber eine 100-prozentige Jobgarantie für die Zukunft.“

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