Gemeinschaftsschule Kellinghusen : Goethe als Whats-App-Chat

Moderation und Lesung historischer Literatur in modernem Gewand (von links): Hagen Stolp (Lehrer), Denise Gepp (Schülerin), Nils Lemke und Jule Baack (Moderatoren).
Moderation und Lesung historischer Literatur in modernem Gewand (von links): Hagen Stolp (Lehrer), Denise Gepp (Schülerin), Nils Lemke und Jule Baack (Moderatoren).

Projekt des 12. Jahrgangs: „Kellinghusen liest“ zeigt an der Gemeinschaftsschule historische Literatur in modernem Gewand.

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21. März 2018, 15:48 Uhr

Der historische „Erlkönig“ – nun auf dem Weg ins Krankenhaus; „Freude schöner Götterfunken“ als tänzerische Choreografie; Goethe, Schiller und Hobbes im Whats-App-Chat: Ein literarischer Abend unter dem Motto „Kellinghusen liest“ sorgte im Forum der Gemeinschaftsschule Kellinghusen für moderne Einblicke in historische Literatur. Knapp 100 Zuhörer spendeten viel Applaus.

Zum dritten Mal als Klausur-Ersatzleistung von zwei Klassen des 12. Jahrgangs veranstaltet, setzten sich die Schüler gestaltend und kreativ mit klassischer Literatur aus dem „Sturm und Drang“ auseinander und präsentierten dies auf lebendige Weise.
Ihre Aufgabe: die Texte der romantischen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich von Schiller (1759-1805) in moderne Sprache und Themen zu überführen. In insgesamt zehn Beiträgen schrieben sie diese aus ihrer Sicht in poetischer oder epischer Form um. Die Ergebnisse präsentierten die Schüler in einem unterhaltsamen Wettbewerb, in dem sie gegeneinander antraten, teils tatsächlich lasen, teils aber auch beeindruckend aus dem Kopf rezitierten.

Das Publikum war gefordert, die Beiträge zu bewerten, die Jury bestand aus einem Elternteil, zwei Lehrern und zwei Schülern, die für jede gehörte Präsentation eine Bewertungskarte zwischen 1 (sehr schlecht) und 10 (sehr gut) in die Höhe hielten.

So setzte eine Gruppe ein Streitgespräch zwischen Goethe, Schiller und dem englischen Philosophen Thomas Hobbes (1588-1679) in einem Whats-App-Chat zu historisch-philosophischen Aspekten um. „Das war eine zugespitzte, gelungene Art, sich mit ihren Mitteln Gedanken über die damalige Zeit zu machen und heraus zu arbeiten, was für Schüler in ihrer heutigen Zeit davon noch wichtig ist“, war Initiator Hagen Stolp, Lehrer für Deutsch und Geschichte, begeistert.

Die Beiträge wurden teilweise unterstützt durch kleine Film-Einspieler auf einer Leinwand, die die Schüler selbstgefilmt hatten. Denise Gepp (19) trug das Goethe-Gedicht „Nähe des Geliebten“ zunächst im Original, dann in der von ihr übertragenen modernen Jugendsprache vor. „Die Aufgabe war nicht ganz leicht“, sagte sie. „Es hat mich einen ganzen Abend gekostet. Schwierig war es vor allem, in der neuen Form die Reime zu finden.“ Der Verdienst: großer Applaus.


Schule als kulturelle Begegungsstätte

Die Teilnahme lohnte sich nicht nur wegen der Anerkennung, die sich alle Schüler erarbeiteten – für alle zehn Teilnehmer gab es auch Preise. Die Moderatoren Jule Baack (17) aus Kellinghusen und Nils Lemke (16) aus Brokstedt meisterten ihre Aufgabe souverän. „Die Moderations-Karten zu machen, war sehr aufwendig“, schilderte Jule Baack, „es hat aber viel Spaß gemacht.“ Aufgeregt waren sie vorher zwar, aber: „Es hat sich schnell eingespielt“, so Nils Lemke.

Oberstufenleiter Hagen Stolp freute sich, dass sich die Schule nach diversen weiteren literarischen Veranstaltungen zuvor mit diesem Abend erneut als „kulturelle Begegnungsstätte gezeigt hat, in der Eltern, Schüler und Lehrer an einem Strang ziehen.“

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