Gnadenhof: Gute Alternative zum Tod

Ria Corinna Mainus spricht Kaltblut Barney gut zu. Sie päppelte ihn als Fohlen mit der Flasche auf. Foto: emde
Ria Corinna Mainus spricht Kaltblut Barney gut zu. Sie päppelte ihn als Fohlen mit der Flasche auf. Foto: emde

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04. März 2011, 12:31 Uhr

Barlt | Hühnergackern, der Duft nach Heu und die Stallkatze, die zwischen den Beinen umherstreift - alles typisch für einen Bauernhof. Doch das Besondere an diesem: Kein Tier wird ihn lebend verlassen. Der Gnadenhof in Barlt ist Auffangstation und oft letzte Rettung für Tiere, deren Leben sonst auf der Schlachtbank oder beim Tierarzt enden würde.

Barney ist so ein Beispiel: Gerade erst das Licht der Welt erblickt, sollte er im Alter von sechs Monaten zum Abdecker. Ria Corinna Mainus, Vorsitzende des Vereins Tiere in Not, der den Gnadenhof betreibt, rettete ihn davor, weil sie seine Mutter kaufte. Das Fohlen gab es dazu. "Völlig kotverschmiert kam er hier an, hatte nie gelernt die Füße zu heben und stand bis dahin nur im Stall", berichtet sie. Mit der Flasche päppelte sie das kleine Kaltblut zum heute so groß anmutenden braunen Kraftpaket auf. Das war vor 20 Jahren.

Mittlerweile kamen mehr Tiere, viel mehr: Aktuell ist der Gnadenhof letzte Station für rund 80 Katzen, 30 Hunde - viele davon sichergestellt von Behörden -, 22 Pferde, zwei Rinder, einen Esel, Schafe, Schildkröten, Papageien und Schlangen. "Zu uns kommen eigentlich immer die hässlichen, nicht so schönen Tiere, oder die, die ausgedient haben", sagt Ria Corinna Mainus. Die noch vermittelbar seien, nehme das Tierheim.

Ausgedient hat auch Donna Athletica. Die zehn Jahre alte Schimmelstute bekam plötzlich Arthrose - tödlich für ein Springpferd. Die Besitzerin aus Bad Lauterberg traf auf Mitglieder des Vereins und wurden an den Gnadenhof verwiesen. "Es blieb damals nur die Frage, Wurst oder nicht Wurst, und sie war so ein tolles Pferd, das konnte ich nicht", erzählt Sabine Huber Roegglen. Ein Pferd könne man nicht einfach so wie einen Hund oder eine Katze nebenher laufen lassen, die artgerechte Betreuung sei da wesentlich umfangreicher. Sie übernahm eine Tierpatenschaft (für Pferde 60 Euro im Monat) und ist froh, dass es den Gnadenhof gibt. Mainus bezeichnet das als Positivbeispiel. Doch noch schiebe der Großteil die Tiere einfach ab. Wenn ein Springpferd nicht mehr springen oder ein Rennpferd nicht mehr rennen kann, holen sich die Leute oftmals ein neues. "Doch für zwei Pferde die Stall- und Futterkosten zu übernehmen, leistet sich fast keiner", sagt sie. Der Gnadenhof ist dann eine letzte Möglichkeit - doch die Kapazitäten und vor allem die Finanzen sind begrenzt.

Auf 8000 bis 10 000 Euro belaufen sich die monatlichen Kosten. Die zu decken, wird immer schwieriger, da der Verein lediglich Spenden, Mitgliedsbeiträge und Tierpatenschaften als Einnahmequelle hat. "Wir brauchen dringend feste Einnahmen wie Patenschaften oder Mitgliedsbeiträge, sonst haben wir spätestens in eineinhalb Jahren ein Problem", erzählt Vorsitzende Mainus. Nicht ganz nachvollziehbar ist für sie, das Engagement von Tierliebhabern im Ausland: "Es gibt genug Tiere in Deutschland, denen es nicht gut geht, nicht nur in Spanien oder Portugal." Wer helfen möchte, meldet sich unter 04857/489.

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