Glückstädterinnen helfen in Ghana

Dr. Friederike Nölke (li.) und Sabine Kelch freuen sich auf das gemeinsame Abenteuer in Ghana.  Foto: Sander
Dr. Friederike Nölke (li.) und Sabine Kelch freuen sich auf das gemeinsame Abenteuer in Ghana. Foto: Sander

Ärzte ohne Grenzen: Zahnärztin Dr. Friederike Nölke und Prophylaxe-Assistentin Sabine Kelch fliegen heute nach Afrika

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30. März 2013, 03:59 Uhr

Glückstadt | Drei Wochen lang verschlägt es zwei Glückstädterinnen, Sabine Kelch und Zahnärztin Dr. Friederike Nölke, in den tiefsten Regenwald. Gemeinsam sind sie dort in der Zahnstation Dodi Papase im Einsatz.

Wer Dodi Papase auf der Landkarte sucht, sieht weit und breit nur Grün. Keine Stadt, keine Zivilisation - nur der Regenwald, seine Bewohner und ein kleines Missionskrankenhaus nebst Zahnklinik. Das Mary Theresa Hospital liegt im Norden der Voltaregion und versorgt rund 70 000 Ghanaer. Zum Ärzteteam gehören für drei Wochen auch die Prophylaxe-Assistentin Sabine Kelch und Zahnärztin Dr. Friederike Nölke. "Aufgeregt? Nö. Ich freue mich einfach sehr auf den Einsatz. Vorher steht aber noch das erste Kennenlernen der Eltern meines Freundes an. Das macht mich viel kribbeliger", sagt die 32-jährige Ärztin schmunzelnd.

Heute geht es los. Gute sechs Stunden Flug und weitere sechs Stunden Autofahrt über schlammige Holperstraßen trennen die beiden Frauen von der Zahnstation in Ghana. Aktuell herrscht Regenzeit, was die Straßen nicht unbedingt komfortabler macht. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent und Temperaturen um die 35 Grad werden die Glückstädterinnen kleine Bungalows ohne Klimaanlage beziehen und jeden Tag rund zehn Stunden im Einsatz sein. "Mit Entspannung hat das nicht viel zu tun", stellt Dr. Nölke klar, die von vielen Patienten einen "Schönen Urlaub" gewünscht bekommt. "Wir möchten den Einwohnern helfen und ihre Beschwerden lindern. Dafür nehmen wir die Strapazen gern auf uns", ergänzt die 49-jährige Sabine Kelch.

Beide sind der Meinung, dass es jedem Menschen gut tut, ab und zu mal etwas zurückzugeben. "Wir genießen hier in Deutschland ein so behütetes Leben und jammern auf höchstem Niveau. Die Menschen in Ghana nehmen tagelange Fußmärsche auf sich, um sich medizinisch versorgen zu lassen und sind dann einfach unendlich dankbar für die Hilfe. Das ist ein schönes Gefühl, und ich freue mich, dass meine Ausbildung und Qualifikation so auch den Menschen am anderen Ende der Welt zugute kommt", erklärt die junge Ärztin.

Bereits als Studentin hat Friederike Nölke ihre Leidenschaft fürs Helfen entdeckt. Damals war sie in Kapstadt an der Uniklinik und direkt im Brennpunkt der Stadt - in den Townships - tätig. "Gegen die Townships mit all der Kriminalität und Gewalt ist Ghana eine sichere Gegend. Einzig die verbreiteten Krankheiten - wie Malaria oder Cholera - machen mir Sorge. Daher haben Sabine und ich das komplette Impfprogramm absolviert. Insgesamt acht Impfungen, die nicht immer angenehm waren", erklärt Dr. Nölke. Auch der Papierkrieg im Vorwege der Reise war nervenaufreibend. Fragebögen, Urkunden, Bewertungen, Führungszeugnisse und Diplomnachweis - alles wurde von der afrikanischen Behörde geprüft.

Den Rest organisierte der German Rotary Volunteer Doctors e.V. (GRVD e.V.), eine humanitäre Hilfsorganisation, die von allen Rotary Distrikten in Deutschland getragen wird. "Die Hilfsbereitschaft sowohl innerhalb des Vereins als auch von Seiten des Klinikpersonals vor Ort ist toll. Einer meiner Vorgänger hat mich sogar schon per SMS gewarnt, dass ich mir das Schlafen abschminken kann. Erstens sei der Geräuschpegel im Dschungel immens und zweitens weckt einen spätestens um 5 Uhr der Muezzin des Nachbardorfes, der die Muslime zum Gebet aufruft", erzählt die 32-Jährige. Dennoch freuen sich die beiden Frauen auf das gemeinsame Abenteuer. Darauf, die Welt ein bisschen besser zu machen und "geerdet" wieder nach Deutschland zurückzukehren.

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