Lokale Wirtschaft : Glückstädter Matjesproduzent geht in Rente

Sie haben den Ruhestand fest im Blick: Monika und Heiko Raumann wollen ihre Matjesproduktion an der Schmiedestraße in andere Hände legen.
Sie haben den Ruhestand fest im Blick: Monika und Heiko Raumann wollen ihre Matjesproduktion an der Schmiedestraße in andere Hände legen.

Heiko Raumann und Ehefrau Monika verkaufen Produktionsstätte in der Schmiedestraße.

shz.de von
13. April 2018, 05:00 Uhr

Ob es am Matjes liegt, den Heiko Raumann jeden Morgen zu sich nimmt? Glatte, frische Haut. Lebhafte Augen, ein charmantes Lächeln umspielt seinen Mund. Kaum zu glauben: Er wird demnächst 80 Jahre alt. Und das ist der Grund, warum Heiko Raumann und seine Ehefrau Monika ihre Matjesproduktion einstellen wollen. Der gesamte Komplex mit Produktionshalle, Restaurant und Wohnung in der Schmiedestraße stehen voll eingerichtet zum Verkauf.

„Ich habe vielleicht noch einige gute Jahre. In denen möchte ich es mir so gut wie möglich gehen lassen“, begründet Heiko Raumann diesen Entschluss: „Meine Frau könnte das alleine nicht wuppen.“ Nachdenkliche, fürsorgliche Worte. Leicht gefallen ist dem Ehepaar die Entscheidung nicht. Schließlich haben sie den Betrieb zur Herstellung ihrer „Original Glückstädter Matjes“ – prämiert mit Gütesiegel und mit EU-Zulassung ausgezeichnet – alleine aufgebaut.

Wünschen würde sich Heiko Raumann einen Nachfolger, der die Produktion in seinem Sinne weiterführt: „Das wäre ganz schön vor allem für meine Kunden“, sagt er. Denn er beliefert nicht nur heimische Gaststätten, die Glückstädter Matjeswochen und viele Privatkäufer, sondern quer durch die Bundesrepublik bis an den Bodensee oder München. International sogar nach Frankreich und Spanien – per Versand, versteht sich. „Es wäre schade, wenn das den Bach runtergeht“, meint Raumann.

Die Reaktion seiner Kunden war dementsprechendes Bedauern, verbunden mit der Hoffnung auf adäquate Nachfolge. Ein Nachfolger könnte mit entsprechender Konzession sofort loslegen. „Wenn gewünscht, würde ich eine Zeit lang mit Rat und Tat zur Seite stehen und meine Rezepte weitergeben“, sagt Raumann. Personelle Probleme würde es bei Übergabe der Firma nicht geben. Raumann: „Das Meiste erledigen meine Frau und ich sowieso; nur in der Saison stellen wir zusätzliche Kräfte ein.“

Der Name Raumann ist mit Tradition in der Elbestadt verhaftet. Von 1977 bis 2012 führte Heiko Raumann das Hotel und Restaurant „Raumann's Gasthaus“ am Markt – er hatte es von seinen Eltern übernommen. 1993 begann er zusätzlich mit der Produktion des mildgesalzenen „Original Glückstädter Matjes“, die das Ehepaar Raumann 2014 an die Schmiedestraße verlegte.

Immer weiter verfeinerte Heiko Raumann Rezepte, die er einst vom legendären Fischhändler Helmut Sievers übernommen hatte. Und wenn alles mit der Firmen-Übergabe klappt, wie es sich die Raumanns vorstellen: „Dann werden wir uns vielleicht ein Wohnmobil holen und reisen. Bevorzugt nach Polen, zu den Wurzeln meiner Frau.“ Ob sie in Glückstadt bleiben, ist noch in der Schwebe. Und wie wird das zukünftig mit dem Morgen-Matjes? „Och, dann kaufe ich mir mal welche. Vielleicht darf ich ja auch mal zum Probieren kommen.“ Und da ist es wieder, dieses charmante Lächeln auf dem Gesicht des Traditions-Unternehmers und Ruheständlers in spe, Heiko Raumann.

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