Lichtzeichen für die Schifffahrt : Glückstädter Ersatz-Leuchtturm steht

Per Kran wird der Ersatzleuchturm in luftiger Höhe errichtet.
Per Kran wird der Ersatzleuchturm in luftiger Höhe errichtet.

50 Meter vom alten Leuchtturm entfernt ist das Provisorium für die Schifffahrt errichtet worden.

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09. Februar 2018, 05:07 Uhr

Bernd Schramm steht mit Sicherheitshelm und neongelber Signaljacke auf dem Willi-Holdorf-Sportplatz. Einige Meter vor ihm hat ein großer Autokran Stellung bezogen. Der gelernte Feinmechaniker beobachtet, wie der provisorische Leuchtturm auf dem Will-Holdorf-Platz aufgestellt wird.

Meter für Meter bringt der Kranfahrer Elemente in die Höhe. Auf 40 Meter Höhe angekommen, montieren zwei Arbeiter auf der nordwestlichen Seite des Stahlkolosses ein weiteres Element mit zwei großen rot-weißen Platten an das Höhenbauwerk. „Das sind Sichtplatten, damit der Turm von der Schifffahrt auch als Leuchtturm zu erkennen ist“, erklärt Bernd Schramm. Der Hamburger hat viel Fachwissen über Leuchttürme und Seezeichen. Denn der 71-Jährige ist Mitglied der Interessengemeinschaft der Leuchtturm-Freunde „Seezeichen“.

Als sich Schramm vor mehr als 40 Jahren während seiner Motorsportführerschein-Prüfung auch mit den Seezeichen beschäftigen musste, entstand daraus die Leidenschaft für Leuchttürme. Irgendwann stieß er auf Gleichgesinnte, deren Kontakte bis ins europäische Ausland reichen. Die Fan-Gemeinde wuchs und im April 2004 schlossen sich Schramm und seine Leuchtturm-Freunde zur gemeinnützigen Interessengemeinschaft Seezeichen mit Sitz in Hamburg zusammen.

Seitdem ist Bernd Schramm ständig unterwegs, um Leuchttürme zu fotografieren. Auch die Stilllegung des Leuchtturmes am Neuendeich interessiert ihn. Er freut sich, wenn er schöne Exponate für die Nachwelt erhalten und sie in Vitrinen verstaut in Ausstellungen zeigen kann. Als vor Jahren das Richtfeuer Scheelenkuhlen an der Elbe bei St. Margarethen aufgegeben wurde, war es eine Otterklappe, die Schramm „sicherstellte“. Hierbei handelt es sich um das Bauteil eines Leuchtturmes. Dieses besteht aus senkrecht angeordneten, lichtundurchlässigen Blechstreifen, die jalousieartig vor der Linse angeordnet und in ihrer Längsachse um 90 Grad drehbar sind. Was in Glückstadt für die Interessengemeinschaft abfallen wird, konnte der 71-Jährige gestern, am Tag des Aufbaus des Provisoriums, noch nicht sagen.

Der Leuchtturm am Neuendeich muss aus technischen Gründen weichen und soll Stück für Stück zurückgebaut werden (wir berichteten). Deshalb wurde ein Provisorium notwendig. Dazu wurden auf dem Willi-Holdorf Platz große Stahlplatten als Baustraße verlegt. Erst danach konnte der Ersatz-Leuchtturm errichtet werden. „Die Sichtweite des Ersatzturmes ist auf 21 Seemeilen ausgelegt“, erklärt Schramm. Dabei bestehe das eigentliche Feuer an der Turmspitze aus modernster Technik. Statt Halogen-Birnen, wie beim alten Leuchtturm, wird der Ersatz mit acht großen LED-Scheinwerfern befeuert.

Während er erzählt, geht es ruhig auf der Baustelle zu. In luftiger Höhe sind zwei Arbeiter auszumachen, die per Handzeichen mit dem Kranführer am Boden kommunizieren. Dieser befördert daraufhin eine große blaue mit Werkzeugen gefüllte Kunststofftonne einige Meter Höhe in Richtung des zu montierenden Licht-Elements.

Leuchten wird der Stahlkoloss bis zum Sommer. Er hat die gleiche Kennung wie der alte Leuchtturm bekommen, damit das Oberfeuer Jahnstraße weiterhin mit dem Unterfeuer vor Glückstadt-Kimming kommunizieren könne. „Das alte etwa 40 Meter vom Ersatz stehende Oberfeuer wird erst abgeschaltet, wenn nach einer Besichtigungsfahrt auf der Elbe feststeht, dass alles funktioniert.“

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