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Kein Schutz vor Nässe und Kälte : Glückstädter Bahnhofsdach wird erst 2016 erneuert

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Das Vordach wird erst Anfang des Jahres 2016 neu aufgebaut.

Vollkommen durchnässt und noch einen ganzen Schultag vor sich. Die meisten Tage sind zu dieser Jahreszeit kalt und nass, sodass den pendelnden Schülern und Arbeitnehmern an Gleis eins der lange Unterstand direkt am Bahnhofsgebäude beginnt zu fehlen. Das Bahnsteigdach wurde vor knapp einem Monat abgerissen, Ersatz wird Anfang des neuen Jahres errichtet.

Gerade in den Morgenstunden stehen viele Berufspendler und Schüler am Bahnsteig und warten auf ihren Zug nach Itzehoe, Heide, Husum oder Westerland. Wenn es geregnet oder gestürmt hat, bot ihnen neben dem modernen Wartehäuschen, der lange Unterstand am Bahnhof Schutz, doch der wurde jetzt entfernt. „Das fällt schon auf, dass der weg ist. Ein Regenschirm im Rucksack ist jetzt Pflicht. Das Vordach war aber auch ganz schön alt und morsch“, so eine junge Pendlerin aus Heide. Jetzt steht an Gleis eins nur noch der kleine Unterstand, der knapp für 15 Menschen Platz bietet. Dabei warten etwa auf den Zug um 6.52 Uhr mehr als doppelt so viele Fahrgäste.

Der Bau des neuen Bahnhofvordachs liegt in der Hand der Deutschen Bahn, obwohl das Bahnhofsgebäude vor zwei Jahren von der Bahn an eine Privatperson verkauft wurde. „Das Bahnsteigdach ist dabei in unserem Eigentum geblieben“, so der Sprecher der Deutschen Bahn Egbert Meyer-Lovis. „Es wird momentan aufwendig saniert.“ Denn aufgrund des Denkmalschutzes darf dort kein einfacher Neubau als Ersatz errichtet werden. Das Vordach muss stattdessen wiederaufgebaut werden. Die Verzögerungen im Wiederaufbau sind Zustande gekommen, das sich die Bahn, das Denkmalschutzamt sowie Statiker zunächst einigen mussten.

„Problematisch war die Tatsache, dass aufgrund neuer Anforderungen durch die Prüfstatik die Stützen des Vordachs verändert werden müssen“, sagt Dennis Fiedel, Leiter der Kommunikation des Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein. „Dies entsprach jedoch nicht mehr den Wünschen des Denkmalschutzes.“ Jedoch sei eine Lösung gefunden worden.

Das Gebäude selbst sowie das Vordach des Bahnhofs stehen seit 2011 unter Denkmalschutz. Beides wurde in den dreißiger Jahren von den Nationalsozialisten errichtet. Das Ensemble, zu dem auch der Vorplatz gehört, gilt als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, dessen Erhalt aus historischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen von öffentlichem Interesse ist, heißt es vom Denkmalschutzamt.

„Das Vordach wurde abgebrochen, weil es schon seit einigen Jahren nicht mehr tragfähig war“, sagt Beate von Malottky vom Denkmalschutzamt des Kreises Steinburg. „Deshalb wurde es vor dem Abriss auch durch Zusatzstützen provisorisch gesichert.“ Das Konstrukt an sich sei nicht mehr stabil gewesen. Dennoch musste die Deutsche Bahn beim Denkmalschutzamt die Erlaubnis zum Abriss einholen. Aber: „Die denkmalrechtliche Genehmigung der Bahn gilt nur für den Abbruch und baugleichen Wiederaufbau.“ Die Auflage führte dazu, dass sich die Errichtung des neuen Bahnsteigdachs verzögert.

Das Denkmalschutzamt, die zuständigen Statiker und die Bahn einigten sich darauf, dass „in einigen Bereichen die Querschnitte der Holzkonstruktion zu Herstellung der Tragfähigkeit etwas erhöht werden“, erklärt Beate von Malottky. So orientiere sich der Wiederaufbau soweit wie statisch möglich an den vorhandenen Maßen und der Gestaltung des Originals. Die Stützen werden etwas größer, statt zirka 18 Zentimeter werden sie 20 Zentimeter breit. „Auch der aufgetreppte Vorsprung am Bahnhofsgebäude, auf dem das Gerüst aufliegt, wird ein erhöht, im Vergleich zum ursprünglichen Bau“, sagte die Denkmalschützerin.

Das Bahnsteigvordachs solle je nach Wetter- und Frostlage Anfang des Jahres 2016 neu aufgebaut werden. Im Januar werde dann das neue Fundament gebaut, im Februar sei dann das Dach dran“, sagt Dennis Fiedel. „Es ist also Besserung in Sicht.“

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