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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 10:15 Uhr

Stadtrundgang : Glückstadts düstere Seiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Glückstädter Tourismusbüro bietet besondere Stadtrundgänge an. Gezeigt werden ehemalige Gefängnisse und Zuchthäuser. Gesprochen wird über Hinrichtungen und Folter in früheren Jahren.

Glückstadt anno dazumal: Die Elbestädter strömen mit Kind und Kegel zum Glückstädter Marktplatz. Wohin man auch schaut: Alle Menschen sind gut gelaunt und können es gar nicht erwarten, in Zeiten ohne Fernsehen oder Theater mal wieder Bekannte zu treffen und miteinander zu klönen. Die Rede ist von einer aus heutiger Sicht makabren Veranstaltung. Ein „Ausrufer“ hat kurz vorher vom Turm des Zucht- und Tollhauses am Rethövel 9 lautstark verkündet: „Zwei Mal köpfen, drei Mal hängen!“.

Glückstadts düstere Vergangenheit haben die Mitarbeiterinnen des Glückstadt-Destination-Management und ihre Stadtführer jetzt als „Dunkle Zeiten“ zum Thema eines neuen Stadtrundganges gemacht. „Es handelt sich um eine übliche Stadtführung zur Geschichte Glückstadts, allerdings mit dem Schwerpunkt Gefängnisse, Folter und Todesstrafe“, erklärte Stadtführerin Anke Kardel den knapp 20 Teilnehmern der gruseligen Führung bei blendender Sonne.

Gestartet wurde an der mit Spinnenweben verzierten Büste des Stadtgründers Christian IV. vor der Stadtkirche. Dann erfuhren die Interessierten beim Rundgang durch die Innenstadt, dass bei Vollstreckung eines Todesurteils die Familie des Delinquenten den Scharfrichter für dessen Arbeit bezahlen musste und anschließend auch noch als entehrt galt. Und davon gab es viele: Ob nun bei der als Hexe auf dem Marktplatz verbrannten Isabel Poch (10 Reichstaler) oder Sündern, deren Leben mit zertrümmerten Knochen auf einem Flechtrad endete (14 Taler).

Einzige Ausnahme: Tim Thode. Als letzter Delinquent am 13. Mai 1868 im Hof des Hauses Am Rethövel 9 mit einem Schwert enthauptet, hatte dieser zuletzt nämlich keine Familie mehr. Er hatte sie umgebracht. „Tim Thode war ein Bettnässer und das schwarze Schaf der Familie. Nach einigen Brandstiftungen löschte er seine gesamte Familie aus und tötete in der Wilstermarsch seine fünf Geschwister, die Eltern sowie die Magd“, erfuhren die Teilnehmer den Grund von der Stadtführerin.

Besser hätten es dagegen „böse Menschen“ gehabt, die nur mit Quetschwerkzeugen gefoltert oder wegen schwerwiegender Delikte wie Diebstahl, Mund- oder Holzraub am Schandpfahl des Rathauses neben dem Torbogen des Kleinen Schwibbogens ausharren mussten, erklärte Anke Kardel. Natürlich ging es während des rund 90-minütigen Rundganges nicht nur um Mord und Totschlag. Schließlich gehören auch die Korrektionsanstalt, wo auf Abwegen geratene Menschen untergebracht waren und die zahlreichen Gefängnisse sowie Zuchthäuser der Stadt zu den etwas weniger dunklen Zeiten unserer Vergangenheit.

Alles in allem Zeiten, die – gepaart mit so mancher lustiger, listiger oder einfach nur interessanter Anekdote über unseren König Christian IV. – gekonnt vermittelt wurden, in denen aber durchaus Potential für noch mehr Grusel steckt. „Eine solche Stadtführung in schummriger Atmosphäre mit einer in Glückstadts dunkler Geschichte vorkommenden verkleideten Person als Stadtführer zur 400-Jahr-Feier wäre doch vielleicht was Besonderes“, meinte eine begeisterte Teilnehmerin der Stadtführung abschließend.

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