Freibad-Saison : Glückstadt startet in die Badezeit

Freuen sich auf die Saisoneröffnung: Niels Blankschyn, Renate Hoppe (DLRG), Rüdiger Kallies, Wilhelm Hoppe (DLRG) und Marius Karstens (v.l.).
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Freuen sich auf die Saisoneröffnung: Niels Blankschyn, Renate Hoppe (DLRG), Rüdiger Kallies, Wilhelm Hoppe (DLRG) und Marius Karstens (v.l.).

Das Fortuna-Bad eröffnet am Sonnabend die Freibad-Saison. Der Bäderbetriebs-Meister Rüdiger Kallies hat die Vorbereitungen fast abgeschlossen.

shz.de von
06. Mai 2015, 08:00 Uhr

Glückstadt | Wie sie so daliegt, unberührt, spiegelglatt und in einem freundlichen türkis-grün, schreit die Wasserfläche im Fortuna-Bad förmlich nach einem beherzten Sprung ins kühle Nass. Noch ist es aber noch zu früh, sagt Rüdiger Kallies, Meister für Bäderbetriebe und Herr über das Glückstädter Freibad. „Das Wasser ist erst auf 16 Grad aufgeheizt und das Chlor kommt erst morgen rein.“ Ansonsten ist aber alles vorbereitet für die Saisoneröffnung am kommenden Sonnabend. Ab 12 Uhr ist der Eintritt frei und die Badegäste können je nach Vorliebe in dann auf angenehme 23 Grad aufgeheizte Wasser hüpfen, rutschen oder steigen. Der erste Sprung ins Becken jedoch gehört Bürgermeister Gerhard Blasberg.


Großer Frühjahrsputz

Rüdiger Kallies ist bereits seit dem 30. März damit beschäftigt, das Fortuna-Bad für die Saison vorzubereiten. „Der erste Schritt ist immer das Ablassen des Wassers vom Vorjahr“, erzählt er. Denn um die Folie zu schützen, mit denen die Becken ausgekleidet sind, wird das Wasser über den Winter nicht abgelassen. Sind die Becken erst einmal leer, geht es an den großen Frühlingsputz – „da war es gut, dass es so viel geregnet hat, da konnten sich die Algen gar nicht richtig festsetzen.“ Dann kamen die Monteure, Maler und Maurer, um die während der kalten Jahreszeit entstandenen Frostschäden auszubessern, Fliesen auszutauschen und andere, kleinere Reparaturen durchzuführen. Erst am vergangenen Donnerstag konnte Rüdiger Kallies das Wasser wieder einfüllen, damit war er das ganze Wochenende beschäftigt. Aber jetzt ist alles bereit für plantschende Kinder und auch für die Stammgäste, die jeden Morgen ab 6 Uhr hier ihre Bahnen ziehen. Bis 9 Uhr kommen täglich etwa 60 Schwimmer zum Frühsport, einige von ihnen steigen gleich im Bademantel aus dem Auto und viele fahren anschließend direkt zur Arbeit weiter.

Vor allem nachmittags jedoch sind die Gästezahlen in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, erzählt Rüdiger Kallies. „Früher kamen gegen 13 Uhr schon die ersten Schulkinder, jetzt haben die wegen der längeren Schulzeiten ja vor 15 oder 16 Uhr keine Zeit – wenn sie bei den ganzen anderen Hobbys überhaupt kommen.“ Noch vor 15 Jahren seien an sonnigen Tagen bis zu 2400 Gäste im Freibad gewesen, „jetzt wären schon 1500 super“.


Schwimmoffensive

Was Rüdiger Kallies aber wirklich ärgert, ist, dass viele Kinder überhaupt nicht mehr schwimmen lernen. „Die Schulen bieten ja keinen Schwimmunterricht mehr an.“ Der Förderverein Fortuna-Bad Glückstadt führt dieses Jahr deshalb bereits zum dritten Mal mit der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eine „Schwimmoffensive“ durch und bezahlt Schwimmkurse und Freibadeintritte, damit rund 100 Kinder ihr Seepferdchen machen können. „Jeder vierte Grundschüler kann in Deutschland nicht schwimmen“, sagt Niels Blankschyn, Vorsitzender des Fördervereins Fortuna-Bad, „das darf gerade im Land zwischen den Meeren nicht sein. Schließlich ist das Ertrinken die zweithöchste Todesursache bei Kindern.“ Ab dem 1. Juni beginnt der erste von sechs Schwimmkursen für Kinder ab sechs Jahren, die Rüdiger Kallies und sein Mitarbeiter Marius Karstens im Vier-Wochen-Block anbieten. Die DLRG bietet ihren Kursus bereits ab dem 13. Mai an, der Unterricht findet acht Wochen lang und an zwei Tagen pro Woche statt. Ebenfalls in der kommenden Woche starten die Aquafitness-Kurse.

Rüdiger Kallies ist aber auch offen für besondere Bedürfnisse: „Im vergangenem Jahr kam eine Chinesin zu mir, eine erwachsene Frau, und erzählte, sie wolle vor ihrem Mallorca-Urlaub unbedingt schwimmen lernen.“ Den Unterricht schob Kallies „morgens immer so dazwischen“ und die Frau wurde begeistert von den anderen Schwimmern angefeuert.

„Wir sind hier eben eine richtige Gemeinschaft“, sagt Niels Blankschyn. „Wenn man hier morgens beim Schwimmen ist, weiß man noch vor dem Frühstück, was in Glückstadt gerade los ist.“

Aber egal ob Dauergast oder Gelegenheitsschwimmer – am kommenden Sonnabend sind sie alle zur Saisoneröffnung mit Musik und Würstchengrillen eingeladen. Einen Höhepunkt im Freibadjahr kann Rüdiger Kallies schon jetzt verraten: „Beim 24-Stunden-Schwimmen am 11. Juli wird Kirsten Bruhn dabei sein.“ Wenn die mehrfache Gewinnerin von paralympischem Gold im Schwimmen im Glückstädter Freibad ihre Bahnen zieht, müssen sich wohl auch die allmorgendlichen Dauergäste warm anziehen.

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