Konzert : „Glückstadt ist meine Traumstadt“

Flötistin Leela Breithaupt hat sich in Glückstadt verguckt. Die Amerikanerin gastiert am 21. Juni  in der Stadtkirche.
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Flötistin Leela Breithaupt hat sich in Glückstadt verguckt. Die Amerikanerin gastiert am 21. Juni in der Stadtkirche.

Die amerikanische Musikerin Leela Breithaupt kommt für ein Konzert an die Elbe. Die Liebe führte sie her. Verliebt in die Stadt ist die Flötistin bis heute.

shz.de von
04. Juni 2014, 17:00 Uhr

Als Leela Breithaupt 1993 zum ersten Mal nach Glückstadt kam, hatte sie das Gefühl, in einer Märchenstadt gelandet zu sein. Sie war begeistert von den roten Dächern, den kleinen Straßen und von der Geschichtsträchtigkeit der Elbestadt. All dies und die langen Spaziergänge auf dem Deich kannte sie nicht aus ihrer Heimat Amerika. Glückstadt mit seinem barocken Stadtbild ist für sie aber auch so etwas wie die ideale Stadt, denn Leela Breithaupt ist Berufsmusikerin und spielt neben der Querflöte auch Barockflöte. Am 21. Juni wird sie wieder ihre Traumstadt besuchen. Dann gibt Leela Breithaupt ein Konzert in der Stadtkirche.

Die Amerikanerin interpretiert mit ihrer Flöte die Musik, die zur selben Zeit wie Glückstadt entstanden ist, und sie hat den Anspruch, dem historischen Vorbild so nahe wie möglich zu kommen. Ihr Instrument hat der Flötenbauer Rudolf Tutz aus Innsbruck so nah wie möglich am historischen Original gefertigt.

Der Grund für ihren ersten Besuch an der Elbe war der Mann, den sie später geheiratet hat: Fritz Breithaupt ist Deutscher, und seine Mutter Ilse lebt hier. „Ich wollte Deutschland kennen lernen, bevor ich einen Deutschen heirate“, sagt Leela. Auch Ilse Breithaupt hat sie damals sehr herzlich empfangen.

Leela hatte den Germanisten Fritz Breithaupt während ihres Musikstudiums am Peabody Conservatory in Baltimore getroffen. Nach ihrem Master-Abschluss gingen beide für zwei Jahre nach Berlin, wo Leela bei Karlheinz Zöller an der Hochschule der Künste das Konzertexamen ablegte. Zu ihren schönsten und prägendsten Erlebnissen gehörte ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern, wo sie neben Zöller in Bachs Johannespassion die zweite Flöte spielte. „Deutschland ist das Land der Musik, und hier wird anders gespielt. Ich hatte eine feste Vorstellung, wie Bach gespielt werden muss, aber Zöller und ich spielten in einer Stimme, und ich musste mich anpassen. Als dann der Sopran einsetzte, war das einfach traumhaft, für mich die höchste Form von Musik. Es war wie der Himmel auf Erden.“

1994 heirateten Fritz und Leela. Heute leben sie in Bloomington, Indiana, ungefähr 80 Kilometer südlich von Indianapolis. Fritz Breithaupt ist Professor am germanistischen Seminar an der Indiana University. Leela ist Mitglied im Indiana Baroque Orchestra, zeitgenössische Musik spielt sie regelmäßig auf der Querflöte mit dem Indianapolis Symphony Orchestra. Seit ihrem ersten Besuch vor 21 Jahren kommen beide jeden Sommer für einige Wochen nach Glückstadt. Mittlerweile sind auch ihre drei Kinder dabei, die dann hier die Schule besuchen. Sie haben längst eigene Freunde in der Stadt gefunden.

Die Musik ist ein Teil von Leela, und natürlich probt und spielt sie auch, wenn sie in Glückstadt ist. Die Klänge wehen dann durch die Straßen. Ihr Traum war es schon immer, hier ein Konzert zu geben, um auf diesem Weg den Glückstädtern etwas von der Lebensfreude zurückgeben, die sie selbst hier gefunden hat.

In diesem Jahr wird es soweit sein. Am 21. Juni spielt Leela Breithaupt mit ihrer amerikanischen Kollegin Christine Kyprianides an der Viola de Gamba und der Elmshornerin Isolde Kittel-Zerer am Cembalo in der Stadtkirche. „Rund um Paris und Hamburg: Metropolen des Barock“ heißt das Programm. Sie hat sich dabei Komponisten ausgesucht, die eine Verbindung zu Hamburg und dem Umland haben: Bach, Buxtehude und Telemann. Paris kommt als zweites Zentrum der Barockmusik hinzu, weil die musikalischen Beziehungen zwischen den beiden Städten intensiv und fruchtbar waren. Gespielt wird auf Instrumenten, die den historischen möglichst nahe kommen. Ihr Lieblingsstück an dem Abend stammt von Michel Pignolet de Montéclair. „Das ist ein selten gespieltes, sehr schönes Stück in C-Moll, das klingt wie Singen ohne Worte. Jedes Mal, wenn ich probe, muss ich lächeln, weil die Musik so schön ist.“

>„Rund um Paris und Hamburg: Metropolen des Barock.“ am 21. Juni um 19 Uhr in der Stadtkirche. Weitere Konzerte am 20. Juni in Waabs und am 22. Juni in Elmshorn.


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