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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 04:26 Uhr

Fischfang : Glückstadt hat wieder einen Fischer

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Berufsfischer verlegt Heimathafen nach Glückstadt / Mit Kutter Fortuna geht Joachim Dettmann in der Nordsee auf Krabbenfang

von
erstellt am 30.Sep.2014 | 11:00 Uhr

Sich mit Joachim Dettmann zu verabreden, ist gar nicht so einfach – schon gar nicht mit ein paar Tagen Vorlaufzeit. „Jetzt ist Hochsaison für Krabben. Wenn die Bedingungen gut sind, bin ich im Moment ständig auf See“, erzählt der 52-Jährige an einem Tag, als starker Wind ihn am Auslaufen hindert und er deshalb Zeit für ein Gespräch mit der Presse findet.

Dettmann ist Fischer – Krabbenfischer um genau zu sein. Zumindest von März bis Ende November. Dann fängt er die kleinen Krebstiere vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. „Mit dem ersten Frost verschwinden sie dann und kommen erst im Frühling wieder“, sagt Dettmann, der deshalb im Winter in der Ostsee vor Lübeck seine Netze mit Dorsch füllt.

Er ist selbstständig – ein Kapitän mit eigenem Schiff. Sein Heimathafen ist seit rund drei Monaten in Glückstadt. Seit 35 Jahre fährt Joachim Dettmann zur See. Sein Handwerk hat der Nordfriese von der Pike auf gelernt: Mit 17 begann er die Lehre zum Fischwirt. Danach folgte schnell der Meister und schon 1982 hatte er sein Kapitänspatent in der Tasche. Für den besonders jungen Schiffsführer gab es eine Urkunde vom damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg.

Seitdem ist Dettmann auf der Nordsee zwischen Dänemark und Holland unterwegs, um zu fischen. Einige Jahre fuhr er auch von England aus, weil es dort besonders gute Fanggründe gab. Zuletzt war Husum lange sein Heimathafen. Dort war Dettmann auch für einige Zeit Vorsitzender der Landesvereinigung der schleswig-holsteinischen Nordseekrabben- und Küstenfischer und setzte sich für die Interessen seiner Berufskollegen ein.

Richtig ins Schwärmen gerät der 52-Jährige, wenn er von seinem Schiff spricht. „Das schönste Schiff an der Küste“ nennt er den gut 17 Meter langen und fünf Meter breiten Kutter augenzwinkernd. „Das sagt wahrscheinlich jeder Kapitän“, meint er. „Wir haben so viel zusammen erlebt – stürmische Zeiten und gute Zeiten.“ In Husum trug das Schiff den Namen Argus. Nun, nach dem Wechsel nach Glückstadt, heißt es Fortuna.

Eine passende Namensgebung: Neuer Hafen, neues Glück. Denn für Dettmann ist der Hafenwechsel auch mit einem Wechsel des Geschäftsmodells verbunden. Er will weniger Fischgroßhändler beliefern und stattdessen mehr von seinem Fang direkt an die Endverbraucher verkaufen. „Ich mag die Begriffe Nachhaltigkeit und Regionalität eigentlich gar nicht mehr benutzen, weil sie so abgegriffen sind, aber sie treffen zu.“ Sein Fang soll frisch beim Kunden ankommen und nicht etwa, wie bei Krabben teilweise üblich, zum Pulen um die halbe Welt gefahren werden, um dann mit Hilfe vieler Konservierungsstoffe sechs oder acht Wochen nach dem Fang auf dem Teller der Konsumenten zu landen. „Das möchte ich vermeiden. Mit Worten ist der Unterschied schwer zu erklären. Man muss es probieren“, sagt Dettmann. „Wenn Sie als Fischer zwei Steinbutt fangen, einen sofort zubereiten und einen einfrieren und ihn später essen, dann merken Sie das. Eingefroren schmeckt er einfach nicht mehr so gut.“

In Glückstadt sieht Dettmann Möglichkeiten für die Direktvermarktung. Ein Teil seines Fanges wird im eigenen Laden in der Großen Nübelstraße verkauft. Dettmanns Ehefrau Manuela führt dort die Geschäfte. Läuft der Kutter nicht direkt Glückstadt an, holt sie mit dem Kühlwagen den Fang in den Häfen an der Nordseeküste von Bord. Wenige Stunden später ist er im Laden. Gepult werden die Krabben dort auch.

Weitere Ware liefert Dettmann an die Firma des Glückstädter Matjeshändlers Henning Plotz. „Als wir uns kennen gelernt haben, haben wir festgestellt, dass wir sehr ähnliche Grundideen haben, was Frische und Regionalität bei unseren Produkten Matjes und Krabben angeht. Deshalb bot sich eine Zusammenarbeit an“, sagt Plotz. „Unsere Krabben werden nur ganz schonend konserviert und sind wenige Tage alt, wenn sie beim Kunden angekommen“, erklärt Ingmar Koob, Kundenbetreuer bei der Firma Plotz. Dettmanns Krabben verkauft er vor allem an Gastronomiebetriebe. Auch Feinkosthändler nehmen die Krebstiere aus Glückstadt ab. „Unser Produkt wird gut angenommmen“, so Koob.

Noch nicht zufrieden ist Joachim Dettmann dagegen mit dem Verkauf im Laden in der Innenstadt. „Es könnte besser sein. Wir sind noch nicht so bekannt, aber das ist auch kein Wunder nach gerade mal drei Monaten.“ Dettmann hofft, dass es ihm und seiner Frau gelingt, langfristig einen festen Kundenstamm aufzubauen: „Menschen, die ein starkes Bewusstsein dafür haben, was sie essen und denen das wichtig ist. Das ist die Kundschaft, die wir ansprechen möchten.“

Joachim Dettmann präsentiert seinen Kutter und seine Produkte am Freitag, 3. Oktober von 11 bis 18 Uhr bei einem Bauern- und Küstenmarkt am Hafenkopf. Gemeinsam mit Henning Plotz stellt er sich und seine Waren außerdem beim Landeserntedankfest am Sonntag, 5. Oktober, auf dem Marktplatz vor.

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