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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 06:54 Uhr

Vielfalt : Glückstadt feiert seine Kulturen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Buntes Fest der Vielfalt als Auftakt der Interkulturellen Woche mit gemeinsamer Andacht von Christen und Muslimen.

Mit einem großen Fest der Vielfalt auf dem Marktplatz läuteten die Glückstädter die Interkulturelle Woche in der Elbestadt ein.

„Als wir vor einigen Monaten mit den Planungen begannen, konnte noch niemand absehen, was für ein ernster Hintergrund zu diesem Thema heute vorliegt“, begrüßte Bürgermeister Gerhard Blasberg die Gäste. Er berichtete von der zu erwartenden Situation in Glückstadt. In der ehemaligen Marinekaserne laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Blasberg erwartet, dass die ersten Flüchtlinge die Unterkünfte Anfang Oktober beziehen werden. Angekündigt seien zunächst 1200 Menschen, doch „machen wir uns nichts vor, letztendlich werden die Unterbringungsmöglichkeiten in der ehemaligen Kaserne ausgenutzt werden müssen“, mutmaßte er. „Ich glaube, wie Sie, dass Glückstadt eigentlich zu klein ist für eine solche Zahl bedauernswerter Menschen, aber in unserer Stadt sieht es noch besser aus als in vielen anderen. Es arbeiten sehr kompetente Menschen mit uns, und die Unterstützung und Solidarität der Bürger sind groß und eine große Hilfe für uns.“

Zum Auftakt des Fests der Vielfalt feierten alle gemeinsam eine interreligiöse Andacht. Die Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen und -gemeinschaften hatten zusammen einen Gottesdienst gestaltet, der alle Menschen ansprechen sollte. „Wir wollen hier und heute ein Zeichen setzen, dass es nicht an den Religionen liegen muss, wenn Gewalt herrscht und Kriege geführt werden. Dies ist eine Andacht für alle, die sagen soll: Das ist unsere Stadt, und wir leben hier alle gemeinsam“, sagte der evangelische Pastor Stefan Egenberger. Beteiligt an der Andacht waren außerdem die Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde Alexandra Avermiddig, der Vorsitzende der Gemeinschaft in der Landeskirche Stefan Krüger, die evangelischen Pastoren Gabriele Schinkel und Thomas-Christian Schröder, die Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde Katharina Schinck, sowie der Imam der Dytib-Moschee Purgut Kaynak und deren Lehrer Ramazan Düzgün.

Die türkische und die evangelische Gemeinde hatten im Vorfeld ihre religiösen Grundsatzwerke ausgetauscht, so dass in der evangelischen Gemeinde jetzt ein Koran in deutscher Übersetzung und in der türkischen Gemeinde eine Bibel in türkischer Sprache vorliegt. Und so lasen die Vertreter der Kirchen auch aus den jeweils für sie eigentlich fremden Büchern. Überraschend für viele war dann wohl, dass es den Stammvater der Gemeinden, Abraham oder im Koran Ibrahim, in beiden Religionen gibt und seine Geschichte sich stark gleicht. Zum Abschluss der Andacht wurde gemeinsam gegessen. Die türkische Gemeinde hatte dazu herzhaftes Gebäck hergestellt, das unter den Besuchern auf dem Marktplatz verteilt wurde.

Nach der Andacht startete auf der Bühne ein buntes und vielfältiges Programm mit vor allem Musik und Tanz. Es gab sowohl deutsches Liedgut wie auch Lieder und Musikstücke aus aller Welt, dazu verschiedene Tanzrichtungen, einen Auftritt von Glückstädter Kindergartenkindern und als Ausklang Musik von der Bigband der Musikschule und Deutschrock mit der Glückstädter Band „Die Anderen“.

Rund um die Bühne waren Pavillons aufgebaut, in denen unter anderem Köstlichkeiten aus aller Herren Länder angeboten wurden Die Gäste konnten sich verwöhnen lassen mit russischen, syrischen, arabischen oder türkischen Spezialitäten, vom Frühstück über das Mittagessen bis zum Abendbrot wurden immer wieder neue Geschmacksrichtungen angeboten. Daneben gab es jede Menge Informationen und Angebote zum Mitmachen. Für Kinder waren Spielstationen auf der Wiese hinter der Kirche aufgebaut. Leider hatte sich das jedoch den ganzen Tag über nicht genügend herumgesprochen, so dass vor allem die Mitarbeiter der Familienbildungsstätte, die dort ihre Spiel-, Mal- und Bastelangebote aufgebaut hatten, enttäuscht über ausbleibende Gäste waren. Auch der menschliche Kicker diente während der meisten Zeit nur kleineren Kindern als Spielplatz.

Insofern war das Fest der Vielfalt ein wichtiger Test für die Feiern zum Stadtjubiläum 2017. Vor allem aber sollte es die Vielfalt in der Elbestadt zeigen – und das funktionierte: Viele Menschen feierten gemeinsamFest, ließen sich inspirieren vom Glückstädter Multikulti und knüpften neue Bekanntschaften.


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