Griechenland-Krise : Glückstadt: Ehepaar sorgt sich um seine Landsleute

Sorgt sich um Griechenland: Haralampos Stiros.
1 von 2
Sorgt sich um Griechenland: Haralampos Stiros.

Die Glückstädter Haralampos und Mary Stiros stammen aus Griechenland und fürchten die griechische Finanzkrise.

von
02. Juli 2015, 08:00 Uhr

Glückstadt | Haralampos Stiros sitzt in diesen Tagen viel vor dem Fernseher. Er sieht sich deutsche Nachrichten an, schaltet dann um auf griechische. Der 57-Jährige informiert sich über die Lage in dem Land, in dem er geboren wurde. „Es geht mir nicht gut, ich denke viel an meine Tochter und ihre Familie, die dort leben.“ Für den Vater dreier Töchter ist die zentrale Frage, wie es weitergeht. Sollte Griechenland wieder die Drachme als Währung einführen, sei dies eine Katastrophe. „Das wirft uns um 30 Jahre zurück.“

Haralampos Stiros lebt seit 1969 in Glückstadt, doch sein Herz gehört seiner Heimat. Jedes Jahr fahren er und seine Frau Mary nach Nordgriechenland, wo sie geboren wurden. „Dort bin ich ein ganz anderer Mensch. Dort bin ich gelassen.“ In Deutschland sei er viel eher gestresst. „Das geht auch den Touristen in Griechenland so – es liegt wohl an der Sonne, dass alle viel besser drauf sind.“

Die Griechen seien von Geburt an eher lustig, sagt er. „Aber wir feiern nicht nur, wir arbeiten auch viel“, solidarisiert er sich mit seinen Landsleuten.

Die Deutschen würden denken, die Griechen wollen nicht bezahlen“, sagt er zur aktuellen Diskussion mit den Geldgebern. Das stimme nicht. „Der Grieche will, aber er kann nicht“, sagt Stiros. Der Durchschnittslohn liege bei 700 Euro. „Das ist ein Problem.“ Das andere sei die hohe Arbeitslosigkeit. „Und Hartz-IV gibt es in Griechenland nicht.“ Dass außerdem Renten von 300 bis 400 Euro noch gekürzt werden sollen, dafür hat er kein Verständnis. Zumal arme Rentner keine Unterstützung vom Staat bekämen, so wie in Deutschland.

Die Forderung, dass eine Mehrwertsteuer von 23 Prozent gezahlt werden soll, lehnt der 57-Jährige komplett ab. „Wer soll dann noch von seinem Einkommen leben können?“ Richtiger wäre es, die Mehrwertsteuer zu senken. „Damit investiert werden kann.“

Zur Einschätzung, wie die griechische Regierung im eigenen Land ankommt, sagt er: „Die Regierung hat viel versprochen, aber nicht eingehalten. Sie versuchen aber gegenüber der Troika finanzielle Erleichterung durchzusetzen. Die Troika sei auch der Grund gewesen, weshalb es zum Regierungswechsel gekommen sei.

Er ist überzeugt, dass am kommenden Sonntag 70 Prozent aller Griechen an die Wahlurne gehen werden – zu dem Referendum, zu dem die Regierung aufgerufen hat. „Ich hoffe, dass dann beide Seiten aufeinander zugehen und sich in der Mitte treffen.“

Aus griechischen Zeitungen hat er erfahren, dass es bereits viele Selbstmorde gab. „Der Grieche ist stolz.“ Er würde sich kein Essen aus einer Mülltonne holen. „Eher bringt er sich um.“ Wichtig sei es, dass es eine Mittelschicht gebe und nicht nur Arme und Reiche. „Sonst geht das System kaputt.“

Seine Frau Mary unterstützt das, was er sagt. Sie geht noch einen Schritt weiter: Die ehemaligen Minister hätten Geld gestohlen, das von der EU gekommen sei. Die Situation heute bewertet sie als „ein Elend“.

Haralampos Stiros kam als Zwölfjähriger mit seinen Eltern nach Glückstadt. Bereits mit 14 Jahren arbeitete er bei der damaligen Glückstädter Asmus-Werft und lernte Kunststoff-Facharbeiter. Heute ist er in einem Betrieb in Kremperheide tätig. Seine Frau Mary kam mit 18 Jahren nach Glückstadt. Sie arbeitet in einer Glückstädter Firma. Beide haben ein Eigenheim in Glückstadt und zudem ein Haus in Griechenland, ein Erbe von ihren Eltern. Dort wohnt die Familie im Urlaub. Eines betont die heimatverbundene Griechin: „Deutschland ist ein Super-Land.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen