Kaserne : Glückstadt bereit für Flüchtlinge

Wohnen im Container auf dem Kasernengelände: einer der größeren Schlafsäle für die Flüchtlinge.
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Wohnen im Container auf dem Kasernengelände: einer der größeren Schlafsäle für die Flüchtlinge.

Erste Gäste in Containern untergebracht. Catering-Service bereitete gestern das Essen im Zelt vor. Pastor will Gemeindecafé einrichten

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30. November 2015, 18:02 Uhr

Reimer Tiedemann bekommt erst heute ein Büro auf dem ehemaligen Kasernengelände. Gestern, bevor er die ersten Flüchtlinge in Empfang nahm, musste der Koordinator Besprechungen draußen auf dem Gelände abhalten. Auch er wusste am Nachmittag noch nicht genau, wann der Bus mit den ersten Gästen kommen würden. Sie wohnten bisher in der Unterkunft in Neumünster, die bereits überfüllt ist (wir berichteten).

Wahrscheinlich werden heute und in den kommenden Tagen weitere Flüchtlinge kommen. Für sie sind die jüngst aufgestellten Container vorbereitet. Diese sind unterteilt in mehrere Zimmer. In den schmalen Räumen sind Etagenbetten für vier Personen aufgestellt, in einem anderen Container gibt es größere Räume für bis zu 30 Personen. Wie die Menschen verteilt werden, entscheidet ein DRK-Mitarbeiter vor Ort.

Unter Hochdruck wird seit Tagen auch an der Versorgung mit Essen gearbeitet. Dafür ist ein großes Zelt aufgestellt worden mit vielen Bänken und Tischen – es mutet an wie ein Zeltfest. An der Stirnseite ist ein großer Tresen aufgestellt, auch aus einfachen Tischen. Dahinter stehen vollautomatische Aufwärmbehälter, denn die Mahlzeiten werden fertig angeliefert. „Es gibt Frühstück, eine warme Mahlzeit mittags und ein Abendessen“, erklärt Magdalena Drywa, Sprecherin des Landesamts für Ausländerangelegenheiten. Der Essensversorger ist die Firma Compass Group Deutschland aus Eschborn – sie gewann die Ausschreibung des Landes. Ausgesucht wurde die Firma laut Drywa, weil sie spezielle Speisepläne für Flüchtlinge im Angebot hat. „Kein Schweinefleisch“ war ein Kriterium.

Magdalena Drywa selbst kennt Essen für Flüchtlinge aus der Unterkunft in Neumünster, welches vom DRK angeboten wird. „Dort gibt es zum Beispiel Hähnchen mit Reis oder Rinderfrikadellen.“ Aussuchen können die Flüchtlinge nicht unter mehreren Angeboten, sie müssen das Gericht essen, was es an dem Tag gibt.

Gestern Nachmittag bereiteten sich die Mitarbeiter der Firma Compass Group jedenfalls auf die erste Essensausgabe am Abend vor. Kisten mit Bananen und Brötchen standen schon bereit. Ebenso Wasser zum Trinken. Zudem sollten noch Kaffee und Tee gekocht werden. Warm war es nicht im Zelt. Aber Magdalena Drywa versichert, dass künftig zu den Mahlzeiten geheizt wird.

„In dem Zelt werden die Flüchtlinge wohl den ganzen Winter über essen müssen“, vermutet Reimer Tiedemann, als er an der künftigen Kantine auf dem Gelände vorbei geht. Er geht davon aus, dass die ehemalige Messe der Soldaten erst im kommenden Frühjahr fertig sein wird. Dort gibt es zurzeit noch kaputte Fensterscheiben, auch im Inneren muss noch viel getan werden.

An den Häusern, wo demnächst weitere Flüchtlinge einziehen werden, hat sich in den vergangenen Tagen einiges getan. „Es wurde auch Sonnabend gearbeitet“, erklärt Reimer Tiedemann. Inzwischen sind an drei Blöcken die Fluchttreppen soweit montiert worden, dass sie jetzt stehen. Für Tiedemann ist wichtig: „Die Menschen haben ein Dach über den Kopf.“ Denn zum Beispiel in Hamburg müssen Asylbewerber zum Teil immer noch in Zelten leben.

Pastor Stefan Egenberger engagiert sich ehrenamtlich für die neuen Gäste in Glückstadt. Deshalb will er ab Januar ein Flüchtlings-Café im Gemeindehaus anbieten. Dafür sucht der Pastor noch ehrenamtliche Hilfe. Erreichbar ist er unter 04124/603083 oder im Kirchenbüro. Angedacht ist zunächst eine wöchentliche Öffnungszeit und zwar montags von 15 bis 17 Uhr. Kaffee- und Tee-Spenden können im Kirchenbüro abgegeben werden.

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