Ausstellung im Hanse-Office in Brüssel : Glückstadt auf Europas Bühne

Ein Plakat zur Ausstellung.
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Ein Plakat zur Ausstellung.

Religionsfreiheit und uneingeschränkte Bürgerrechte für verfolgte Juden vor 400 Jahren: Hanse-Office in Brüssel zeigt die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Glückstadt

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23. Februar 2018, 05:05 Uhr

Die Koffer sind gepackt: Bürgermeisterin Manja Biel, Museumsleiter Christian Boldt und Kay Blohm fliegen am Sonntag nach Brüssel. Denn Glückstadt ist zu Gast im Hanse-Office – dort wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Glückstadt von 1619 bis 1915 gezeigt. Eröffnet wird die Ausstellung in Brüssel am Montag, 26. Februar, um 18.30 Uhr.

„Es ist eine große Ehre, dass wir mit der Ausstellung die beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg vertreten dürfen“, sagt Christian Boldt. Finanziert wird die Ausstellung in Belgien durch die beiden Bundesländer, den Kreis Steinburg und den Förderverein des Detlefsen-Museums. „Die Idee, sich in Brüssel für die Ausstellung zu bewerben, entstand in der Stadt Glückstadt im Rahmen der Vorbereitungen des 400-jährigen Stadtjubiläums“, sagt Boldt über das Engagement der Bürgermeisterin.

In Brüssel werden die Glückstädter zur Eröffnung einen Vortrag über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Glückstadt halten. Die Ausstellung in Brüssel ist Teil der noch bis Ende April 2018 im Detlefsen-Museum gezeigten gleichnamigen Ausstellung, die anlässlich des 400-jährigen Stadtjubiläums eröffnet wurde.

Als Glückstadt 1617 gegründet wurde, fasste Stadtgründer Christian IV. für damalige Zeiten einen ungewöhnlichen Plan: Er holte sephardische Juden und reformierte Niederländern in die Stadt und gewährte Religionsfreiheit. „Glückstadt musste mit tüchtigen Bürgern bevölkert werden“, so Boldt. Die Verfolgten bekamen Religionsfreiheit, einen Friedhof, uneingeschränkte Bürgerrechte und Freiheit des Handels und Gewerbes.

Boldt erklärt, dass die neuen Bürger Erfahrungen mit Handel und Gewerbe hatten. Sie trugen dazu bei, dass Glückstadt als Stadt „aufblühte“. Sie betrieben eine Zuckerraffinerie, eine Seifen- und Salzsiederei, eine Gerberei und eine Ölmühle, oder sie betätigten sich als Reeder und am Überseehandel. „Die sephardischen Juden genossen in Glückstadt Freiheiten des Glaubens und des Lebens wie an nur wenigen Orten der Welt.“ Glückstadt trug zu dieser Zeit den offiziellen Titel „Toleranzstadt“.

Anhand von Dokumenten, Objekten und Fotografien wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Glückstadt gezeigt. Zu sehen sind auch Grabsteinplatten vom jüdischen Friedhof, der in Glückstadt vor Kurzem erst mit Landesmitteln restauriert wurde.

Das Hanse-Office: Aus dem bereits 1985 gegründeten Informationsbüro der Freien und Hansestadt Hamburg, dem ersten Regionalbüro in der EU, ging 1987 das Hanse-Office als gemeinsame Einrichtung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union hervor.

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