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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 18:28 Uhr

Glockenturm droht der Abriss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauwerk an der St. Michler Kirche gilt als baufällig / Kirchenkreis fehlt Geld für Neubau / Günstige Alternative wäre ein Glockenstuhl

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 10:52 Uhr

Die evangelische Kirchengemeinde in St. Michel hat ein Problem: Der 1964 erbaute 32 Meter hohe Donner Glockenturm ist baufällig. Von außen weist nur ein Bauzaun auf den maroden Zustand des Glockenturms hin. Seit einem halben Jahr ist der Durchgang gesperrt. An den Innenwänden sieht man deutlich die Schäden: In den Beton dringt Wasser ein und nagt am Gebäude. Zwischen 391 000 und 455 000 Euro würde die Behebung der Bausünden aus den 60ern laut vorliegenden Gutachten kosten. ,,Wer die Elbphilharmonie kennt, weiß, es wird gerne mal teurer“, blickte Pastor Felipe Axt in einer Info-Versammlung düster in die Zukunft.

Die Kirchengemeinde sucht nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft und will nicht nur Geld für eine lediglich vorübergehende Schadensbehebung ausgeben. Das heißt, ein Abriss wird favorisiert. Allerdings: Der Glockenturm steht unter Denkmalschutz. Deswegen haben Kreis- und Landeskirchenamt plus Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden bei der Entscheidung über Fall oder Erhalt des Donner Glockenturmes, auch wenn die Entscheidung selbst letztlich bei der St. Michler Kirchengemeinde liegt. Kreis- und Landeskirche müssen aber nicht mitfinanzieren, was sie nicht wollen. Das ist der Hebel. Hinzu kommt: Laut Gutachten gilt es nicht als ausgeschlossen, dass es in 30 Jahren trotz Sanierung wieder Probleme mit dem Beton geben könnte.

Propst Dr. Andreas Crystall verdeutlichte die Situation des Kirchenkreises. 270 Gebäude gehören den 32 zum Kirchenkreis gehörenden Kirchengemeinden. ,,Die Hälfte davon wurde zwischen 1950 und 70 erbaut“, so Crystall. St. Michels aktuelles Problem gibt es auch andernorts noch, während hingegen die alten Kirchen bautechnisch überwiegend gut dastünden. Crystall nannte Zahlen und Orte, die den Kirchenkreis derzeit arg belasten: Die Sanierung der Kirche in Neuenkirchen kostet 2 Millionen, der in Kronprinzenkoog 1,6 Millionen und der auf Helgoland gar 3 Millionen Euro. Und das alles bei 500 000 Euro Jahresetat im Bauhaushalt des Kirchenkreises. Zudem trage man die Verantwortung und Kosten für 1270 Mitarbeiter.

Crystall schlug dann den Bogen zu den drei Donner Glocken. Deren Klang müsse erhalten bleiben, egal ob in einem Turm oder einem stabilen hölzernen Glockenstuhl, den man sich ähnlich dem Burger Glockenstuhl vorstellen kann. Damit war die Katze aus dem Sack. Die Kirchenleitung möchte den maroden Turm abreißen und an dessen Stelle für 155 000 Euro, so Pastor Axt, einen soliden hölzernen Glockenstuhl setzen. In dem Betrag sei sogar schon der Abriss des maroden Turms eingerechnet. Der Kirchenkreis wäre finanziell wohl mit seinem üblichen Drittel der Kosten dabei. Beim Denkmalschutz hat der Kirchenkreis offenbar schon vorgefühlt und grünes Licht für diese Variante erhalten.

Das Echo der anwesenden Gemeindemitglieder war dennoch geteilt. ,,Ich möchte, dass die Glocken läuten“, meinte etwa Gerhard Wichmann und lag damit auf einer Linie mit Crystall und Axt. ,,Der Turm soll erhalten bleiben. Man muss eben ein bisschen sparen“, votierte Oskar Riemer für den Erhalt und betonte, das die den Turm krönende goldene Krone weithin sichtbares und überregional bekanntes Zeichen der Gemeinde sei. ,,St. Michaelisdonn ist gekrönt“, sagte Riemer.

Jetzt werden die Pläne in der Gemeinde diskutiert, bis entschieden wird über Abriss oder den Erhalt des roten Bauwerks. Wobei die Zeichen deutlich auf Abriss weisen. Wann es damit losgehen könnte, dazu wollte sich Crystall nicht festlegen lassen.

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