Bürgeraktion : Glasfaserkabel in Eigenleistung

Das Ergebnis ist zwar nur recht dürftig sichtbar, kann sich aber sehen lassen: Bürgermeister Klaus Rehder ist stolz auf die Eigenleistung der Hennstedter Bürger beim Anschluss des Ortsteils Seelust ans Breitbandkabel.
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Das Ergebnis ist zwar nur recht dürftig sichtbar, kann sich aber sehen lassen: Bürgermeister Klaus Rehder ist stolz auf die Eigenleistung der Hennstedter Bürger beim Anschluss des Ortsteils Seelust ans Breitbandkabel.

Damit die Bürger im Hennstedter Ortsteil Seelust auch schnelles Internet bekommen, griffen sie zur Schaufel.

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22. Dezember 2014, 17:08 Uhr

Hilfe durch Selbsthilfe in Hennstedt: Da bei der Breitbandversorgung einige abgelegene Ortsteile nicht mit versorgt werden, griffen Bürger des Ortes zum Spaten – und legten das Leerrohr für die Breitbandversorgung einfach selber. Nachdem genügend Bürger für die Breitbandversorgung auch in Hennstedt gefunden wurden, sollten die Bauarbeiten in den einzelnen Dörfern Steinburgs beginnen. Koordiniert werden die Arbeiten über den Breitbandzweckverband Steinburg und den Stadtwerken Neumünster.

Nicht mit versorgt werden sollte der Ortsteil Seelust in Hennstedt. „Denn das sind unverhältnismäßig hohe Kosten“, sagt Hennstedts Bürgermeister Klaus Rehder. Die Alternativen: Kein Anschluss oder in Eigenleistung ein Leerrohr verlegen für sechs Haushalte in Seelust. „Hier sind nun die Bürger Hennstedts solidarisch geworden“, freut sich der Bürgermeister. „So müssen sie nur noch zehn Prozent vom ursprünglichen Preis bezahlen.“ Die Gesamtkosten teilen sie sich.

15 Anwohner aus Seelust, Gemeindevertreter und Dorfbewohner trafen sich morgens und arbeiteten drei volle Tage lang. Für den Weg von 1300 Metern musste ein Leerrohr mit fünf Zentimetern Durchmesser in 60 Zentimetern Tiefe verlegt werden. Zusätzlich wurden dafür noch etwa 60 Tonnen Kies mit verarbeitet, die zuvor zugeliefert worden waren. „Sie umschließen das Rohr, damit es nicht von den Seiten eingedrückt werden kann“, erläutert Klaus Rehder. Die Materialien wurden von den Stadtwerken Neumünster gestellt. Die Teilnehmer an der Grabungsaktion mussten sie lediglich vom Lagerplatz in Rade abholen. „Wir benötigten dafür drei Rollen, die auf einen Anhänger verladen wurden. Die haben wir selber abgerollt“, so der Bürgermeister.

„Wir mussten auf andere Leitungen achten und auf dem Weg zwei große Gasleitungen von 70 und 50 Zentimetern Durchmesser überqueren, die in einer Tiefe von zwei Metern verlegt sind – eine von der Firma Gasunie und eine von der Schleswig-Holstein Netz AG“, schildert Klaus Rehder.

Laut gesetzlichen Bestimmungen musste je ein Mitarbeiter beider Firmen daneben stehen, als sie über die Gasleitungen gegangen sind. Obwohl sie es zunächst vergessen hatten, sich mit der SH Netz AG abzustimmen und erst hinterher mit dem Firmensitz in Dägeling telefoniert haben, ging alles sehr unkompliziert über die Bühne. „Innerhalb von eineinhalb Stunden haben sie einen Mitarbeiter heraus geschickt. Das passte gut zusammen, wir sind sehr dankbar dafür.“

Die Frau vom Bürgermeister, Ilka Rehder, war für die Mittagsversorgung und den Kaffee zuständig, damit die Teilnehmer nicht mittendrin nach Hause mussten. „Ich möchte ein großes Lob an die Teilnehmer aussprechen, die hier mitgemacht und voll durchgemacht haben. Denn das war körperlich anstrengend und ungewohnt.“ Im Ort soll gegen Ende des zweiten Quartals 2015 das komplette Netz fertig sein und erste Haushalte angeschlossen werden. Knapp 160 von 260 Haushalten machen bisher mit, wie Klaus Rehder erklärt.

Die Aktion hat der Bürgermeister auf Initiative von Anlieger Bernd Neumann gemeinsam mit der Gemeindevertretung auf den Weg gebracht. Die sei auch wichtig für das „Landhotel Seelust“, das seinen Gästen einen Internetanschluss bieten möchte. Die Möglichkeit, einen Anschluss nachträglich noch zu bestellen, existiert während der Bauarbeiten weiter. Diesen Anschluss können spät Entschiedene noch zu einem Eigenanteil von 290 Euro realisieren. Aber auch nach der kompletten Fertigung ist dies noch möglich, dann allerdings für 990 Euro. Nachträglich kann jeder noch nachrüsten. Aber damit ist der Anschluss der Außenbezirke in Hennstedt noch nicht abgeschlossen. Erschlossen werden soll auch noch der Ortsteil Kamerun. „Wenn die Hochspannungsleitung unter die Erde gelegt wird, können wir uns in diese Arbeiten mit einem eigenen Rohr einklinken“, so der Bürgermeister. Das soll im ersten Quartal 2015 bis März geschehen und ist ein „Glücksfall“ (Rehder) für die Gemeinde, kommen doch nur vier Haushalte, etwa 600 Meter vom Ortskern entfernt, in den Genuss. Die Straße Ziegelei bekommt hingegen keinen Anschluss, dort gibt es zu wenige Interessenten.

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