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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 19:28 Uhr

Glasfaser-Kampf um Horst entschieden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Barmstedter-Stadtwerke kehren Gemeinde den Rücken / Chef attackiert Bürgermeister Mohrdiek und Breitband-Zweckverband

Die Stadtwerke Barmstedt ziehen sich aus dem Breitbandausbau in Horst zurück. Das gab Stadtwerke-Chef Fred Freyermuth bekannt. Der erste Bauabschnitt sei wie geplant abgeschlossen worden. Die nächsten beiden Bauabschnitte sollen aber – entgegen der eigentlichen Planung – nicht weiter angegangen werden. Die Gründe dafür seien vielfältig, erklärte er in einer Mitteilung. „In Gesprächen mit den Horster Bürgern hören wir die Sorge heraus, dass Gehwege doppelt geöffnet werden, Geld ,verheizt‘ wird und sich eine Kluft innerhalb der Stadt bildet.“ In der Mitteilung attackierte der Stadtwerke-Chef auch die Horster Verwaltung und den Breitband-Zweckverband: „Eine Beeinflussung und Einmischung in die wirtschaftliche Betätigung von Unternehmen durch die öffentliche Hand habe ich in dieser Form bisher nicht kennen gelernt.“

Man habe immer versucht, den Dialog mit allen Beteiligten wie dem Horster Bürgermeister und den Stadtwerken Neumünster als Partner des örtlichen Breitband-Zweckverbands zu suchen, so Freyermuth weiter. Der Verband, zu dem fast alle Gemeinden des Kreises Steinburg gehören, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Glasfasernetz flächendeckend einzuführen. „Leider sind unsere Gesprächsangebote und auch unsere Vorschläge, den Breitbandausbau gemeinsam zu bewerkstelligen, auf keinen fruchtbaren Boden gestoßen. Ich bin auch heute noch der Überzeugung, dass man im Sinne der Horster Bürger hier deutlich mehr kooperatives Verhalten an den Tag hätte legen können.“

Sorgen bereite ihm die Verquickung und die Einflussnahme der Horster Verwaltung beziehungsweise des Breitband-Zweckverbands, welche – so Freyermuth – „offensichtlich weniger das Wohl der Bürger als das Interesse des Verbandes in den Fokus setzen“. Zum Hintergrund: Ernst-Wilhelm Mohrdiek ist nicht nur Bürgermeister von Horst, sondern auch Vorsteher des Zweckverbandes.

Der Rückzug der Stadtwerke Barmstedt lässt eine große Verunsicherung in der Bevölkerung zurück. Kunden, die bereits Verträge mit den Stadtwerken geschlossen haben, wie Jens Helmbrecht, sind erstaunt und enttäuscht. „Ich habe erst über die Zeitung erfahren, dass bei mir jetzt doch keine Leitung verlegt wird“, sagt der Horster. „Das Geschäftsgebahren wundert mich sehr. Irgendwas muss da mächtig schiefgelaufen sein.“ Der Horster war auch mit Gas- und Stromvertrag zu den Stadtwerken Barmstedt gewechselt, um von einem Rabatt für die Glasfaserkunden zu profitieren. Jetzt ist er nur noch enttäuscht von dem Unternehmen und will zum Zweckverband Breitbandversorgung Steinburg wechseln. „Die Kreativität, die Stadtwerkechef Freyermuth in die Beleidigungen und Diffamierungen unseres Bürgermeisters Mohrdiek investiert hat, hätte er mal lieber in die Entschuldigung bei seinen Kunden gesteckt.“

Auf Anfrage unserer Zeitung entschuldigte sich Fred Freyermuth bei seinen Kunden. „Es war ein Fehler von mir, zuerst die Presse zu informieren“, so der Werkleiter. Er versprach aber, dass alle Horster Kunden unproblematisch aus allen Verträgen aussteigen können. Und noch mehr: „Die Stadtwerke Barmstedt stehen zu ihrem Wort, dass unsere Kunden einen kostenlosen Hausanschluss erhalten: Die Kosten, die durch den Anschluss durch den Zweckverband entstehen, übernehmen wir“, so Freyermuth.

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erstellt am 04.Apr.2016 | 17:59 Uhr

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