Breitband : Glasfaser jetzt auch für die Marsch

Durch solche Leerrohre könnten Glasfaserleitung bald auch durch die Marsch laufen.
Durch solche Leerrohre könnten Glasfaserleitung bald auch durch die Marsch laufen.

Zweckverband Breitbandversorgung kündigt in Heiligenstedten die nächsten Schritte an: Ausschreibung für die Ämter Wilster- und Krempermarsch sowie Horst-Herzhorn noch im Spätsommer.

shz.de von
03. Juni 2014, 05:04 Uhr

Der Zweckverband „Breitbandversorgung Steinburg“ drückt immer mehr aufs Tempo. Nach dem erfolgreichen Start im Nordosten des Kreises wollen die Akteure jetzt mit der Wilster- und der Krempermarsch sowie Horst-Herzhorn drei weitere Ämter in Angriff nehmen. Bereits im Spätsommer soll mit der Ausschreibung die Suche nach geeigneten Anbietern beginnen. „Der bisherige Verlauf macht uns Mut“, begründete Verbandsvorsteher Henning Ratjen auf einer ersten Informationsveranstaltung für die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden in Heiligenstedten. Parallel dazu wird auch die bereits feststehende Erschließung forciert. Laut Ratjen wurde das Ausbauvolumen für dieses Jahr auf neun bis zehn Millionen Euro fast verdoppelt. In den Pilotgebieten liege die Anschlussquote bei 56 bis 57 Prozent. „Das zeigt uns: Das große Interesse der Bevölkerung ist da.“ Bis Sommerbeginn werde die Akquise durch den Anbieter in diesem Bereich, die Stadtwerke Neumünster, in 25 von 60 Gemeinden abgeschlossen sein. Baustart soll bereits in wenigen Tagen sein.

Weil es so gut läuft, soll nun auch der Rest des Kreises Steinburg bald in den Genuss ultraschneller Lichtleiter kommen. Ein weiterer Grund: Dem Zweckverband sitzt zunehmend die Konkurrenz im Nacken. Vor allem die Telekom hat offenbar wenig Interesse daran, Kunden zu verlieren. Zuletzt bot sie für das Stadtgebiet Kellinghusen sogenanntes Vectoring an. Für den Leiter des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein, Richard Krause, eine reine Mogelpackung. In Heiligenstedten betonte der Berater für die kommunalen Landesverbände, dass es landesweit bislang keine einzige auf Vectoring basierende Verbindung gebe. Was die Telekom hier veranstalte, sei „reines Störfeuer“. Ohnehin funktioniere Vectoring nur in städtischen Räumen. Im Unterschied dazu bietet der Zweckverband Glaser bis an die Haustür an.

Henning Ratjen nennt einen weiteren Grund für die Eile: „Wir wollen den Solidaritätsgedanken unter den Gemeinden nicht schwächen.“ Sein Zeitplan: Bis 31. Juli sollen die Gemeinden aus den drei Ämtern ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisieren. Mitte August würden im Zweckverband dann alle erforderlichen Beschlüsse gefasst, dann folgt die Ausschreibung. „Bis Anfang 2015 sind wir mit allem durch“, hofft Ratjen, der von einer ausreichenden Zahl möglicher Anbieter und von einem Erfolg überzeugt ist.

Vor allem aus den Reihen der Wilstermarschgemeinden wurden allerdings Bedenken laut, ob wirklich alle zum Teil weit verstreut liegenden Anwesen angeschlossen werden können. Ratjen versichert: „Wir wollen eine möglichst flächendeckende Versorgung.“ Allerdings müsse man auch ehrlicherweise sagen, dass die letzten paar Prozent wohl nicht dabei sein können. Die Gemeinden stellte er vor die Wahl: „Entweder Glasfaser für 95 Prozent der Anlieger – oder für keinen.“ Er empfahl allerdings auch Eignern entfernt liegender Höfe eine Vertragsunterzeichnung. Vielfach sei bei den Anschlussmöglichkeiten dann auch einfach Phantasie oder Eigenleistung gefragt.

Der Verbandsvorsteher ermunterte erneut vor allem die gewählten Vertreter in den Gemeinden, für den Glasfaseranschluss zu trommeln.

Das Kostenrisiko ist für die Gemeinden zunächst ebenfalls überschaubar. Ein Ort wie Ecklak zum Beispiel würde mit rund 400 Euro in Vorleistung gehen. Insgesamt kostet das Prozedere rund 160 000 Euro. Wenn das Ausschreibungsverfahren angelaufen ist, gibt es für die beteiligten Gemeinden allerdings kein Zurück mehr. Nur für den Fall, dass ein Anschluss nicht erfolge, sei später ein Ausstieg noch möglich, so Henning Ratjen. Nach Einschätzung von Kreisderzenent Dr. Friedrich Stork wäre ein Verzicht auf Glasfaser für die Gemeinden ohnehin das deutlich höhere Risisko. „Sie würden dann nämlich ihre Zukunftsfähigkeit verlieren.“

Henning Ratjen abschließend: „Entscheidend ist, dass wir alle nach außen klar machen: Ja, wir wollen das.“ Genereller Tenor am Ende der Versammlung: Das Gros der Gemeinden in den drei Ämtern steht Gewehr bei Fuß. Welcher Anbieter am Ende dabei herauskommt, ist Ratjens egal: „Er muss nur liquide sein und zu unserem Kreis passen.

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