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Mehr Vergiftungen in SH : Giftige Pilze in der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rekordjahr für Pilzsammler, und die Nachfrage steigt immer weiter. Die Schattenseite: Ärzte registrieren immer mehr Vergiftungen in ganz Norddeutschland.

shz.de von
erstellt am 01.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Itzehoe | Sie stehen mitten in der Stadt. Pilze. Große, kleine, giftige und essbare. Und Dagmar Süßmilch kennt sie fast alle. Die 74-Jährige, die seit Jahrzehnten in der Arbeitsgemeinschaft Botanik des Kreises Steinburg aktiv ist, beschäftigt sich mit ihnen, „seit ich denken kann“. Mitten auf dem Ostlandplatz kniet sie nieder. „Schauen Sie hier, was für tolle Exemplare“, sagt Süßmilch und deutet auf zwei leuchtend rote Fliegenpilze. „Rein optisch sind das meine Lieblingspilze. Auch wenn sie schön giftig sind.“ So wie etwa die Knollenblätterpilze, die sie ganz in der Nähe findet.

Dieses Jahr sprießen die Pilze besonders zahlreich. Wegen der milden Witterung ist 2014 ein wahres Pilzjahr. Bei jedem Spaziergang findet Süßmilch welche. „Ich gebe aber keine Ratschläge, welche man essen kann und welche nicht – das ist mir zu riskant.“ Denn die pensionierte Apothekerin kennt die Risiken: „Es kann tödlich enden, wenn man den falschen Pilz isst.“

Und die Vergiftungen nehmen zu. „Es ist ein gutes Pilzjahr also registrieren wir auch viele Vergiftungen“, sagt Dr. Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Göttingen. Dort bekommen Sammler aus ganz Norddeutschland Hilfe, die fürchten, sich vergiftet zu haben. Seit Jahren waren die Zahlen nicht mehr so hoch. In dieser Saison waren es schon 500 – „und es werden noch mehr werden“, prognostiziert Schaper. Denn die Pilzsaison dauert noch mindestens diesen Monat an. Im vergangenen Jahr habe es zwei Tote nach Pilzvergiftungen gegeben. „In diesem Jahr zum Glück noch keine.“

Und dennoch entern immer mehr Menschen die Wälder. Veranstalter von Pilzlehrwanderungen berichten von enormen Zuläufen. „Das freut mich natürlich, dass sich die Leute dafür interessieren“, sagt Dagmar Süßmilch. „Man sollte aber nur die Pilze mitnehmen, die man ganz genau kennt“, so die Expertin. Dabei genüge es nicht, nur ein Buch zur Hand zu haben. „Denn die Bilder sehen immer anders aus.“ Süßmilch rät dazu, sich auf Pilzlehrgängen zu bilden.

Generell darf jeder Bürger in den Wäldern Pilze für den Eigenbedarf sammeln. Und auch in Itzehoe finden sich noch genug essbare Exemplare. Dagmar Süßmilch deutet auf der Wiese am Ostlandplatz auf einen Steinpilz und einen Birkenpilz, den sie am Fuße einer Birke findet. „Die würde ich jetzt mitnehmen, wenn sich hier nicht so viele Hunde erleichtern würden“, sagt sie.

Besser geht es da immer noch im Wald. „In Itzehoe und Umgebung gibt es schöne Pilzreviere“, sagt Süßmilch, als sie mit ihrem Korb und mehreren Büchern den Wald in der Nähe des Hungrigen Wolfs betritt. Man kann kaum einen Schritt tun, ohne auf einen Pilz zu treten. Dagmar Süßmilch ist begeistert. Den Blick nach unten gerichtet, findet sie immer neue, verschiedene Exemplare. „Pilze sind toll, wenn das Leben aus der Natur weicht, dann räumen die Pilze auf und schaffen Platz für neues.“

Dagmar Süßmilch begeistert die Natur immer wieder aufs Neue. Meist nimmt sie nur Pilze mit, die sie zu Hause in Ruhe bestimmen will, um noch mehr über diese Art zu erfahren. Und sie erfreut sich an den verschiedenen Farben im Wald – auch als sie eine ganze Batterie von leuchtend gelben Goldröhrlingen am Fuß einer Lärche entdeckt. „Die kann man essen, aber ich habe sie nur einmal probiert. Mir schmecken die einfach nicht. Aber sie sehen wunderschön aus.“

> Im Notfall ist das Giftinformationszentrum rund um die Uhr unter 0551/19240 erreichbar.

 

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