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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 19:17 Uhr

Baumfrevel : Giftanschlag auf sechs Bäume

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bis zu 200 Jahre alte Rotbuchen und Bergahorne fallen in Kellinghusen unbekannten Tätern zum Opfer. Der Schaden beläuft sich auf 31 000 Euro.

Die grüne Linie der Lieth hat im Laufe der Jahre wohl keinen Künstler uninspiriert gelassen. Ob Fotograf, Maler oder Dichter – auf ihre Art widmeten sich alle der Baum bestandenen Kante zwischen Marsch und Geest. Doch jetzt das: Unbekannte haben sechs Bäume gezielt vergiftet. Schaden für die Stadt: 31  000 Euro.

„Die Lieth bildete schon immer die grüne Silhouette der Stadt“, unterstreicht Bürgermeister Axel Pietsch (BFK). Zum Ortstermin in der Overndorfer Lieth kamen der Stadtchef sowie Bürgervorsteher Malte Wicke (BFK) und Volker Ballin (Keli), Vorsitzender des Hochwasser- und Umweltgremiums. Der kühl kalkulierte Baummord wird ein beträchtliches Loch in die Grünkulisse reißen. Nicht jedem gefällt offenbar der landschaftsprägende Baumbewuchs auf dem bis zu 35 Meter aufsteigenden Liethhang. Im Bereich des Wendehammers Fasanenweg vergiftete der Unbekannte sechs große Bäume – bis zu 200-jährige Rotbuchen und Bergahorne – gezielt.

Begonnen hatte die Giftattacke bereits im vergangenen Jahr. Damals musste die Säge an eine stämmige Rotbuche gesetzt werden. „Da sind wir noch gar nicht darauf gekommen, dass hier hinterhältig mit Gift gearbeitet wird“, sagt Ballin. Erst als es mit der merkwürdigen Baumschwäche weiter ging, schrillten die Alarmglocken. Fachleute vom städtischen Bauhof schauten genauer hin und entdeckten eine kriminelle Aktion. Das von der Stadt mit einer Untersuchung betraute Büro Gartenbau-Ingenieur des offiziell bestellten Gutachters Uwe Thomsen stellte jetzt fest: Der Baumtod wurde per Fremdeinwirkung durch Anwendung von Herbiziden herbei geführt. Dabei hatten der oder die Baumhasser das Pflanzengift durch bis zu 15 Zentimeter tiefe Bohrkanäle überwiegend im Bereich der Wurzelanläufe eingebracht. Was im Expertisendeutsch etwas gewunden daher kommt, nennen die drei Stadtpolitiker schlicht eine „Riesensauerei“. Neben dem Umweltaspekt und dem für die Stadt entstehenden wirtschaftlichen Schaden, erschrecke ihn die beträchtliche kriminelle Energie des Tathergangs, sagt Wicke. Zunächst sei die Rinde ausgestanzt, dann das Loch gebohrt, und das Gift eingefüllt worden, erklärt er den Vorgang. „Der zuletzt wieder aufgesetzte Rindendeckel bot dann eine sehr gute Tarnung.“ Die tödliche Giftgabe habe anschließend unbemerkt ihre Wirkung entfalten können.

Für die Stadt entstehen durch den Frevel hohe Kosten. Rund 31  000 Euro werden für Fällung und Entsorgung der fünf Bäume fällig. Das mit Gift durchsetzte Holz dürfe weder verfeuert oder anderweitig genutzt werden, unterstreicht der Bürgermeister. „Es muss kostenträchtig als Sondermüll entsorgt werden.“ Einig sind sich die Politiker, dass Mutmaßungen über die Verursacher reine Spekulation sind. „Wir haben aber gleich nach Bekanntwerden des Baumfrevels die Umweltpolizei eingeschaltet, und die ermittelt auch“, erklärt Ballin. Die sechs Baumriesen von bis zu 26 Meter Höhe mit einer Kronenbreite von sieben bis 17 Meter sind unwiederbringlich verloren. Bis sich die Baumkulisse durch Neupflanzungen oder Walderneuerung wieder geschlossen zeigt, wird es einige Generationen dauern.

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