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Kämpfe und Kyklopen : Gewaltige Bilder im Landgericht

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Heinrich Kröger zeigt Schwarz-Weiß-Szenen aus Homers Odyssee

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 07:54 Uhr

itzehoe | Das Thema bewegt ihn seit seiner Jugend. Doch vor der künstlerischen Umsetzung hemmte ihn lange die Scheu, Gewalt zu ästhetisieren. Nun hat Heinrich Kröger die Schlachten doch auf die Leinwand gebracht. "Es ist ja ein Stück Wahrheit", kommentierte er seine acht "wild bewegten" Großgemälde zu Homers Odyssee, die für die nächsten Monate den Eingangsbereich des Landgerichts prägen.

Die Brücke zu Homer baute der Künstler bei der Vernissage mit den ersten zehn Versen der Odyssee, auswendig auf Altgriechisch rezitiert. Er musste sie für die Schule auswendig lernen und hat sie sich im Lauf seines Lebens wegen des Klangs immer wieder laut aufgesagt. "Ich mag diese kraftvolle rhythmisierte Sprache", erläuterte Kröger. Die Mischung aus Tatkraft und geistiger Flexibilität bei Odysseus habe ihn schon früh fasziniert. Der griechische Heroe sei kein strahlender Held und gerate in seiner langen Heimreise nach Ithaka in immer neue und gefährliche Situationen, die er mit Stärken und Schwächen meistere. "Auch das schafft Nähe zu ihm."

Nach der Schlacht um Troja sammelt Odysseus seine Männer, um in die Heimat zurückzufahren. Dabei überfallen sie die Kikonen, entkommen einem Kyklopen, verfallen der Zauberin Kirke und entgehen den lockenden Sirenen. Kröger lässt die Griechen auf seinen Schwarz-Weiß-Bildern kämpfen, den Frauen entgehen und den Ungeheuern davonsegeln. Am Schluss darf Odysseus in die Arme seiner Frau Penelope sinken. "Die meisten dieser verschiedenen Begebenheiten enthalten dramatische Elemente, und das macht sie für mich als Maler und Zeichner interessant." Hilfen für den Betrachter liefern eine Text-Tafel und eine chronologische Zusammenfassung.

Schon länger befasst sich der Itzehoer Künstler mit heftig bewegten Figuren szenen, bislang aber thematisch eher mit ausgelassenen Feiern und sinn licher Heiterkeit. Doch zu Zeiten von Odysseus "gehörten Gewalttätigkeiten zum Tagesgeschäft", sagte Kröger. Den Schlüssel, um sie mit heutigen moralischen Maßstäben zu vereinbaren, fand er in der Farbgebung: "Schwarz und Weiß bilden miteinander den stärksten Kontrast unter den Farben und steigern die Wirkung dramatisch komponierter Bilder in besonderem Maße."

Da Schwarz und Weiß in Zeiten medialer Buntheit zugleich verfremden und Kröger die Gewalt-Wimmelszenen zeichnerisch so auf die Spitze treibt, dass sie in weite Ferne und auf archaische Bewusstseinszustände verweisen, dürfte die Risikobereitschaft der Gastgeber mit den martialischen Motiven nicht überbeansprucht werden. Die Ausstellung sei der Beitrag zum Stadt jubiläum, sagte Dietmar Wullweber als Vorsitzender des Vereins Justiz und Kultur im Landgerichtsbezirk Itzehoe. Die Eröffnung verknüpfte sich mit einer familiären Premiere: Krögers Tochter Sophie (Saxophon, Gesang), die mit Philipp Wahren (Gitarre, Gesang) im Berliner Musiker-Duo "PhiloSophie" aktiv ist, stellte ihre erste CD "Treibholz" mit eigenen Stücken und Texten vor und begeisterte die Besucher.

Zu sehen bis 16. August Montag und Dienstag von 8.30 bis 16, Mittwoch bis Freitag von 8.30 bis 15.30 Uhr.

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