Aus dem Gericht : Gewalt und Hass nach 25 Ehejahren

Im Prozess gegen einen Gewalttätigen Ex-Ehemann fiel in Meldorf das Urteil.
Im Prozess gegen einen Gewalttätigen Ex-Ehemann fiel in Meldorf das Urteil.

1050 Euro Geldstrafe gab es für einen prügelnden Ex-Ehemann – doch es hätte auch schlimmer ausgehen können.

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28. November 2013, 05:04 Uhr

Staatsanwalt Klaus Dwenger wollte den prügelnden Ex-Ehemann eigentlich noch mal glimpflich davon kommen lassen und beantragte vor dem Meldorfer Amtsgericht gegen einen 54-jährigen Deutschrussen 900 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze a 15 Euro). So lautete auch der Strafbefehl, den das Gericht im Vorfeld dem in Itzehoe lebenden Mann zugesandt hatte. Dagegen hatte er Einspruch erhoben. So kam es zum Prozess.

An der Schuld des Mannes hatten weder der Staatsanwalt noch Strafrichter Malte Zander den geringsten Zweifel. Dafür sorgte der 54-Jährige schon durch sein unbeherrschtes Auftreten. Zander brauchte nach den letzten Worten des Angeklagten keine Sekunde für seine Urteilsfindung. Prompt stand der Richter auf verurteilte den Mann wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung, Bedrohung mit einem Verbrechen, fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung zu 1050 Euro (75 Tagessätze a 15 Euro) Geldstrafe. „Eigentlich wäre eine Freiheitsstrafe angemessen gewesen. Mit den 75 Tagessätzen fahren Sie noch gut“, gab Zander dem völlig uneinsichtigen Mann noch mit auf den Weg, als dieser bereits Einspruch gegen das Urteil angekündigt hatte.

Rückblende. Am Sonntagnachmittag im Juni diesen Jahres saß die 54-jährige Ex-Frau des Angeklagten mit ihrem neuen Mann (63) in dessen Haus in Burg im Wohnzimmer. „Ich war am telefonieren, als es klingelte“, erinnerte sich die Frau vor Gericht. Ihr neuer Mann öffnete. Herein und gleich durch bis ins Wohnzimmer stürmte der nach Alkohol riechende Angeklagte. Dort schrie er seine Ex-Frau auf Deutsch und Russisch an. Die Frau beschrieb die Beschimpfungen und Drohungen, die ihrer Aussage nach keine leeren Worte, sondern durchaus glaubhaft seien. Sie sei von der Gewaltbereitschaft ihres Ex-Mannes überzeugt.

„Schmeiß ihn raus!“, rief die Frau damals ihrem neuen Mann zu und flüchtete in die Küche. Beim Rauswurf verletzte der Deutschrusse den 63-Jährigen am Daumen – die fahrlässige Körperverletzung in der Anklage. Zuvor hatte er seiner Ex-Frau kräftig in die Nierengegend geschlagen. Nachts musste der Hausarzt kommen, der die Frau sogar ins Krankenhaus einweisen wollte. Sie lehnte ab.

In der Nacht berichtete die Frau ihrem Mann über ihr fast 25-jähriges Ehemartyrium. „Was meine Frau mir da von ihrer ersten Ehe erzählt hat – es war einfach grauenhaft“, sagte der 63-Jährige, der seiner Frau vor Gericht beistand. „Du hast mich eingetauscht gegen einen alten Opa“, hatte der Angeklagte am Tattag seine Ex und ihren Mann noch beleidigt, berichtete der 63-Jährige. Der Angeklagte warf vor Gericht seiner Ex-Frau seinerseits vor, sie habe beim Einkaufen seine Mutter betrogen, indem sie ihre Waren mit aufs Laufband packte, seine Mutter ihre Sachen mit bezahlen musste. Außer solchen unbewiesenen Vorwürfen hatte er keine weiteren Anschuldigungen vorzuweisen.

Weder bei seiner Ex-Frau noch ihrem neuen Mann entschuldigte er sich für seinen Auftritt im Sommer. Bis auf den Hausfriedensbruch bestritt er die Tat. „Es ist ein absolutes Unding, dass Sie Leuten in ihrer eigenen Wohnung derart Angst einjagen“, versuchte Zander dem uneinsichtigen Angeklagten im Urteil noch einmal zu erreichen. Vergeblich. Dem Deutschrussen bleibt das Rechtsmittel der Berufung, wahlweise Revision.

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