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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 16:30 Uhr

„Gewalt gegen Polizisten nimmt zu“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hauptkommissar Wilfried Rutschmann, Vorsitzender der GdP-Regionalgruppe Steinburg-Dithmarschen, über Risiken im Dienstalltag

von
erstellt am 05.Jan.2016 | 00:32 Uhr

In Herborn (Hessen) kommt am Heiligabend ein Polizist bei einer Kontrolle ums Leben – ein Mann verletzt ihn mit einem Messer tödlich, ein weiter Polizist wird bei der Attacke schwer verletzt. „Diese Tat hätte ohne weiteres auch hier passieren können“, sagt Polizeihauptkommissar Wilfried Rutschmann (53). Er ist Vorsitzender der Regionalgruppe Steinburg-Dithmarschen bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und als solcher Vertreter von rund 300 organisierten Kollegen der Polizeidirektion Itzehoe.

Herr Rutschmann, der tragische Vorfall in Herborn macht deutlich, dass Gewalt zum Dienstalltag gehört. Nimmt die Aggression gegen Polizeibeamte zu?

Rutschmann: Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt leider zu. Untersuchungen der letzten Zeit belegen das. Wie in diesem tragischen Fall ereigneten sich die Vorfälle überwiegend im alltäglichen Streifen- und Einsatzdienst wie Präsenzstreifen, Personalienüberprüfungen, Familienstreitigkeiten, aber auch bei Festnahmen und Durchsuchungen.

Früher war der Dorfpolizist eine Respektsperson. Hat der Bürger inzwischen den Respekt vor den Ordnungshütern verloren?

Nicht alle Bürger haben den Respekt vor der Polizei verloren, aber leider werden es immer mehr.

Was sehen Sie als Ursache?

Eine einfache Antwort darauf hätte ich selber gern. Es ist sicherlich die Summe von vielen Faktoren. Dazu gehört für mich vor allem auch eine Wertverschiebung in der Gesellschaft.

Wie wappnen sich Polizisten im Vorfeld von Einsätzen?

Polizeibeamte werden natürlich regelmäßig trainiert und das Training wird auf die Situationen, denen wir im täglichen Dienst begegnen, ausgerichtet. Es ist nur leider neben der täglichen Arbeit nicht genügend Zeit für Training vorhanden. Im täglichen Dienst machen sich die Kolleginnen und Kollegen bereits auf der Fahrt zu einem Einsatz Gedanken darüber, wie dieser Einsatz verlaufen könnte. Allerdings gibt es kein „Schema F“, das man abarbeiten kann, weil wir es mit Menschen zu tun haben. Jeder Einsatz ist anders.

Viele Überstunden, wenig Personal und steigende Gewaltbereitschaft auf Seiten der Bürger. Muss Politik hier gegensteuern?

Ja. Die Gewerkschaft der Polizei weist seit Jahren auf die mangelhafte Personalausstattung hin. Die Landesregierung hat jetzt zumindest mit einem ersten Schritt reagiert und die Personaleinsparung von 122 Stellen für die Polizei zurückgenommen. Aber schon vorher gab es eine von allen politischen Parteien anerkannte Unterdeckung von 160 Stellen, die so genannte strategische Lücke. Die jetzt vorgenommenen Personaleinstellungen über den durch Pensionierungen entstehenden Bedarf hinaus stehen uns erst nach drei Jahren zur Verfügung, da diese Kolleginnen und Kollegen erst ausgebildet werden müssen. Und eine kurzfristige Lösung durch freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist aus meiner Sicht nicht die beste Lösung. In vielen Bereichen der Polizei haben wir schon jetzt eine Überalterung.

Würden Sie Ihren Beruf wieder ergreifen?

Ja, ich würde meinen Beruf wieder auswählen und ihn auch jungen Menschen empfehlen. Der Beruf ist interessant und abwechslungsreich – und man hat mit Menschen zu tun. Ich hoffe nur, dass die Entwicklung in der Polizei bezüglich der Personalausstattung, der Sachausstattung und Schutzausrüstung sich positiv fortsetzt.

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