Kriminalität : Gewalt gefährdet Miteinander

Setzt auf das Gute im Menschen: Gemüsehändler Osman Kayaaslan.
1 von 4
Setzt auf das Gute im Menschen: Gemüsehändler Osman Kayaaslan.

Nach Anschlägen in Itzehoe: Glückstädter zwischen Sorge und Gelassenheit . Moschee wird bewacht . Polizei fährt verstärkt Streife.

von
14. März 2018, 05:40 Uhr

Der Brandanschlag auf ein türkisches Gemüsegeschäft in Itzehoe macht Deutschland weit Schlagzeilen. Nur wenige Minuten zuvor wurde in der Nacht zu Sonntag eine Scheibe der Moschee in der Kreisstadt eingeschlagen. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund der Taten nicht aus, befürchtet zudem, dass es Gefahren für andere Orte wie Glückstadt gibt. Laut Polizeisprecher Stefan Hinrichs fahren die Polizeistreifen „aufmerksamer“.

Die Glückstädter Ditib-Moschee wird seit den Vorfällen das Gebäude rund um die Uhr bewacht. „Nachts schlafen dort mehrere junge Männer“, sagt Kadir Basar vom Vorstand der Gemeinde. Auch tagsüber seien immer Menschen im Haus. „Wir müssen sehen, was wird“, sagt er zu den Ereignissen.

Fatma Öcalir (41), die Frau des Imams der Moschee am Wall, ist besorgt. „Ich habe immer Angst um meine Kinder.“ Das Gebäude – dort wohnt auch die Familie des Imams – ist aus Sicht von Fatma Öcalir gesichert, nachdem dort vor einiger Zeit eine Scheibe eingeschlagen worden war. Auf Anraten der Polizei ist das Tor zum Garten jetzt geschlossen. „Wir haben tolle Nachbarn. Sie passen auch auf“, sagte die 41-Jährige. Osman Kayaaslan Betreiber des Obst- und Gemüseladens „Frisch und Fein“ in der Großen Kremper Straße lebt seit 25 Jahren in Glückstadt. Für ihn gab es in der Vergangenheit nie Probleme und hofft, dass es auch so bleibt. „Jetzt ist alles ganz anders“, sagt er. In Glückstadt ist ihm bisher noch nie etwas passiert, befürchtet aber, dass die Gewalt jetzt auch hierher kommt. „Ich kenne hier viele Menschen, Glückstadt ist eine Kleinstadt.“ Aber er traut seinen Mitbürgern keine Gewalttaten zu.

Huseyin Gökdas betreibt das Gemüsegeschäft „Der Frische Norden“ in der Einkaufspassage am Markt. Der 21-Jährige ist gebürtiger Itzehoer. Angst ist für ihn kein Thema. Er fühlt sich in Glückstadt sicher und lehnt es ab Spekulationen über eventuelle Täter zu äußern.

Seine Kundin Mehriban Can (46) ist kritischer: Für sie war en die Ereignisse ein geplanter Anschlag der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Andererseits sagt sie, dass sie privat guten Kontakt zu Kurden habe. Zaza Yildiz (39), Inhaber vom „Glückdöner“ in der Großen Kremper Straße, ist Kurde. Er spricht sich klar gegen Anschläge aus. „Es gibt gute und schlechte Menschen, so wie es gute und schlechte Türken oder Kurden gibt“, sagt er. „Aus der Politik halte ich mich heraus. Wir müssen menschlich denken.“

Metin Erdi (35) spricht für sich und über Meinungen aus dem türkischen Freundschaftsverein. Dort sind die Ereignisse aus Itzehoe seit Sonntag Thema. Es wird über die Befürchtung gesprochen, dass auch in Glückstadt etwas passieren könnte. „Die Reaktionen sind Wut und Enttäuschung – einige sind traurig“, sagt der 35-Jährige. Er ist Vater einer sieben Monate alten Tochter und macht sich speziell Sorgen um Kinder, die die Moschee besuchen. „Alle verurteilen die Taten.“ Unterschiedlich seien die Meinungen über die Täter. Für einige ist die PKK verantwortlich, für andere „rechte Deutsche, die Salz in die Wunde streuen wollen“ oder einer, der „Rambo spielen wollte“. Im Verein verkehren auch Kurden – ohne Probleme. Und Politik ist ein ständiges Thema. „Es wird hier oft heiß diskutiert“, sagt Erdi.

Auch Bürgermeisterin Manja Biel beschäftigen die Ereignisse: „Derlei Gewalt gefährdet das gute Miteinander vor Ort, indem sie Sorge und Angst verbreitet. Dabei ist es unwichtig, welchen politischen Hintergrund die Anschläge haben.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen