Landwirtschaft : Getreideernte läuft auf Hochtouren

Probenziehen an Grube 4: Mühlenmitarbeiter Stefan Langwaldt fängt mit dem Eimer Weizen von Landwirt Ernst Bornholdt auf. Anschließend werden die Inhaltsstoffe und der Feuchtigkeitsgehalt des Korns untersucht.
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Probenziehen an Grube 4: Mühlenmitarbeiter Stefan Langwaldt fängt mit dem Eimer Weizen von Landwirt Ernst Bornholdt auf. Anschließend werden die Inhaltsstoffe und der Feuchtigkeitsgehalt des Korns untersucht.

Landwirte mit Erntebedingungen und Ertrag zufrieden / Preise machen Erzeugern Sorgen / Im Raum Kollmar bereiten Bauarbeiten Probleme

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30. Juli 2014, 05:00 Uhr

Es ist kaum zu übersehen oder zu überhören: Die Getreideernte auf den Äckern der Krempermarsch ist in vollem Gange. Gerste und Raps sind weitgehend eingefahren. Nun wird die wichtigste Kornsorte für die Bauern hier abgeerntet: Der Weizen wird gedroschen.

Einer von denen, die im Moment bis spät in die Nacht auf den Feldern im Einsatz sind, ist Wolfgang Wulf. Der Borsflether, im Hauptberuf eigentlich selbstständiger Unternehmer für Bagger- und Erdarbeiten, lenkt den Mähdrescher der Erzeugergemeinschaft der Familien Carstens aus Krempdorf und Klüver aus Grevenkop und damit eine der ganz großen Erntemaschinen in der Gegend. „Wir beginnen gegen Mittag, wenn der Tau getrocknet ist und fahren bis es nachts wieder zu feucht wird“, berichtet Wulf. Ob das Getreide trocken genug ist, kann er, wie viele andere Daten, auf Digitalanzeigen im Fahrstand des Mähdreschers ablesen.

Bis zu sechs Hektar Weizen pro Stunde kann Wulf mit dem über zehn Meter breiten Schneidwerk mähen. Das bringt mehr als 50 Tonnen Getreide in den Tank der Erntemaschine. Das Korn wird bei laufender Fahrt vom Drescher auf einen Ladewagen umgeladen und dann zu Lastwagen am Feldrand transportiert, die es in das betriebseigene Lager am Altendeich in Krempdorf bringen. Auf dem Acker bleibt jede Menge Stroh zurück, das entweder als Dünger für die nächste Aussaat auf dem Feld bleibt oder zu großen Quaderballen gepresst und abgefahren wird.

Auf knapp 500 Hektar Ackerfläche wird so in den kommenden Tagen der Weizen der Erzeugergemeinschaft von Wolfgang Wulf und neun weiteren Mitarbeitern geerntet. Ein Großteil davon bleibt im Betrieb und wird in der eigenen Mischanlage zu Schweinefutter verarbeitet. Der Rest geht in den Handel. Landwirt Torben Carstens ist mit dem bisherigen Verlauf der Ernte fast zufrieden: „Mir persönlich ist es ein wenig zu warm, aber eigentlich haben wir optimale Bedingungen.“ Auch die Erträge seien bisher „sehr gut“. Nur die Getreidepreise könnten besser sein.

Optimale Erntebedingungen, gute Erträge, aber niedrige Preise – so wie Carstens sehen viele Getreideerzeuger ihre momentane Situation, bestätigt Peter Mau-Hansen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Steinburg: „Für ein Fazit ist es noch zu früh, aber sieht so aus, dass die Landwirte in diesem Jahr rund ein Viertel weniger Geld für ihr Korn bekommen. Das tut weh. Die hohen Erträge werden das nicht ganz ausgleichen.“ Für den Preisverfall gegenüber dem Vorjahr ist laut Mau-Hansen in erster Linie ein größeres Angebot an Getreide auf dem Weltmarkt verantwortlich.

Auch bei Haars Mühle in Kollmar ist jetzt Hochsaison. Nachdem die Gerste- und Rapsfelder weitgehend abgeerntet sind, treffen auch hier nun die ersten Weizenlieferungen ein. Das Getreide wird zunächst auf den Anhängern der Produzenten gewogen. Außerdem wird die Feuchtigkeit und der Stärke- und Eiweißgehalt in Schnelltests bestimmt. Die Ergebnisse bestimmen nicht nur, wofür das Getreide verwendet wird, sondern auch wie viel Geld der Erzeuger dafür bekommt. Anschließend wird das Korn in Gruben abgekippt und von dort per Förderband auf unterschiedliche Lager verteilt.

50 000 Tonnen Getreide werden so im Laufe der Ernte bei dem Kollmaraner Unternehmen angeliefert – bis zu 3 000 Tonnen pro Tag. Der Großteil wird in der Mühle selbst weiter verarbeitet. „Nur etwa ein Viertel des Getreides geht in den Handel“, erklärt Geschäftsführer Jens Schippmann. „Aus der Hälfte stellen wir Futtermittel für die Landwirtschaft her. Aus den übrigen 25 Prozent wird Mehl für Bäckereien gemacht.“ Die Preissituation am Markt sieht man bei Haars gelassen: „In den vergangenen Jahren hatten wir sehr hohe Preise, weil das Angebot weltweit relativ knapp war. Dieses Jahr scheinen die Erträge in allen wichtigen Anbaugebieten gut auszufallen. Das führt zu einer Normalisierung der Preise im Handel.“

Probleme bereiten den Landwirten im Raum Kollmar die Bauarbeiten an der Bundesstraße 431 und die damit verbundenen Sperrungen. Haars Mühle ist schwieriger zu erreichen (wir berichteten). Längere Fahrzeiten können für die Bauern Umsatzeinbußen bedeuten, etwa wenn der Mähdrescher eines Lohnunternehmens auf die Abfuhr des Getreides warten muss. „Wir haben unsere Kunden vorab informiert und die meisten haben sich ganz gut darauf eingestellt“, erklärt Jens Schippmann. „Einige Landwirte aus dem Elmshorner Raum kommen in diesem Jahr aber nicht zu uns, weil ihnen die Fahrt zu lange dauert, aber dramatisch ist es nicht.“

Einer der Betroffenen, die ihr Getreide über kleine Nebenstrecken zur Mühle anliefern, ist Ernst Bornholdt aus Raa-Besenbek. Er berichtet von schwierigen Begegnungen auf engen Straßen: „Es ist teilweise ganz schön knapp und man muss aufpassen, dass die Anhänger nicht im Graben landen.“

Jens Schippmann appelliert an Bauern und Autofahrer in „dieser besonderen Situation“ rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Ein Appell der allgemein auch Peter Mau-Hansen vom Bauernverband am Herzen liegt. Auch er wünscht sich Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr während der Erntezeit: „Das Getreide muss schließlich eingebracht werden.“ Ohne Transporte auf der Straße sei dies nicht möglich.

Wolfgang Wulf hat die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich schon ganz gut klappt mit der gegenseitigen Rücksichtnahme – zumindest zwischen Landwirten und Einheimischen: „Die, die drängeln und sich richtig aufregen, sind seltsamerweise meistens die Urlauberautos mit auswärtigen Kennzeichen. Ist doch komisch – die müssten doch Zeit haben.“

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