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Verkehr : Geteilte Meinungen in offener Feldschmiede

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Wochen nach der Freigabe der Fußgängerzone für Autos sind die Geschäftsleute zufrieden. Nach der besten Lösung für den Radverkehr wird noch gesucht.

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erstellt am 21.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Seit Anfang Oktober ist die obere Feldschmiede für den Autoverkehr geöffnet. Zwischen Dithmarscher Platz und Gartenstraße darf – als Einbahnstraße – gefahren werden. Viel verändert hat sich auf den ersten Blick nicht: Fußgänger schlendern weiterhin mitten über die Straße, Radfahrer sind in beiden Richtungen unterwegs. Wenn ein Auto vorbeikommt, sind viele Passanten zunächst überrascht, bevor sie langsam zur Seite gehen.

Es sind nur eine Handvoll Autos, die dort innerhalb einer Stunde vorbeifahren. Geschäftsmann Knut Bunge schätzt, dass es maximal zehn Fahrzeuge pro Stunde sind. Dennoch ist der Inhaber des Einrichtungshauses Wohnart zufrieden: „Viele meiner Kunden kommen mit dem Auto her“, sagt Bunge. Die Parkplätze vor seinem Laden würden regelmäßig genutzt.

Begeistert ist auch Thorsten Pfeiffer, Inhaber des gleichnamigen Bettenhauses, der mit zu den Initiatoren des Projekts gehört: Gleich am ersten Werktag nach der Öffnung der Feldschmiede sei die erste Kundin mit dem Auto zum Einkaufen gekommen. „Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem nicht Kunden mit dem Auto vorgefahren sind und mir freudestrahlend berichtet haben, dass sie froh über die neue Regelung sind“, sagt Pfeiffer.

Einer dieser Kunden ist Dr. Joseph Tannous (74) aus Itzehoe: „Ich finde es gut, dass man mit dem Auto herkommen kann“, sagt er. Allerdings sei er auch schon angepöbelt worden: Ein Passant habe an die Scheibe seines Wagens geklopft und ihn wütend zurecht gewiesen.

Peter Severin, der das Kaffeehaus in der Feldschmiede führt, merkt bislang noch nichts von den Auswirkungen des Autoverkehrs. Er begrüße die Regelung dennoch: „Vor allem in der Weihnachtszeit erhoffe ich mir dadurch mehr Betrieb.“ Gäste, die im Sommer draußen sitzen, würden durch die wenigen Autos wohl nicht gestört, glaubt er.

Nicht angetan vom Autoverkehr ist Radfahrerin Gabriele Willkomm (55) aus Oelixdorf: „Für mich hat es eigentlich gereicht, wenn man hier zu Fuß langgehen konnte. Ich finde, man muss nicht überall mit dem Auto hinkommen“, sagt sie. Negativ hatten sich auch zahlreiche Leser unserer Zeitung auf der Facebook-Seite der Norddeutschen Rundschau geäußert. „Wer glaubt, dass durch diese Öffnung die Itzehoer Innenstadt wieder lebendig wird, der glaubt auch durch den Weihnachtsmann“, kommentierte dort ein Nutzer. Und Jan Wickert (44), der in der Feldschmiede wohnt, meint: „Für mich als Anlieger ist es natürlich praktisch. Aber ich glaube, die meisten Leute sind nicht so erfreut.“

An einigen Stellen sieht auch Knut Bunge von Wohnart noch Nachbesserungsbedarf. Für unzureichend hält er beispielsweise die Beschilderung: Derzeit gibt es nur am Eingang der Feldschmiede einen Hinweis, dass das Parken nur mit Parkscheibe für eine Stunde erlaubt ist. „Es müssten noch Schilder direkt an den Parkbuchten stehen“, sagt er. Auch für Radfahrer müsse aus seiner Sicht noch eine bessere Lösung gefunden werden: Sowohl die Feldschmiede als auch der parallel verlaufende Feldschmiedekamp seien Einbahnstraßen, die in dieselbe Richtung führen.

Für dieses Problem wird im Hintergrund bereits an einer Lösung gearbeitet. Es würden derzeit Alternativen geprüft, sagte Stefan Luft vom Lübecker Büro Urbanus, als er im Stadtentwicklungsausschuss den Stand Dinge für den geplanten Masterplan Radverkehr erläuterte.

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